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Denkmalschutz

Gegenstand des Denkmalschutzes ist der Schutz, die Erhaltung und die Pflege von Kulturdenkmalen. Nach den Denkmalschutzgesetzen der Länder sind Kulturdenkmale „von Menschen geschaffene Sachen, Sachgesamtheiten oder Sachteile“, also Bauwerke, an deren Erhaltung aus geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen, technischen, volkskundlichen oder städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht. Dabei sind historische Gründe die zentrale Kategorie. Sie begründen dann die Erhaltungspflicht, wenn das Bauwerk historische Ereignisse oder das Leben vergangener Epochen veranschaulicht oder wenn es sich um eines der wenigen noch erhaltenen Bauwerke einer Stilrichtung handelt.

Beim Denkmalschutz werden Bau- und Bodendenkmale unterschieden. Zu den Bodendenkmalen zählen Kultstätten und Grabstätten in der freien Flur oder in mittelalterlichen Stadtkernen. Baudenkmale sind dagegen historische Gebäude und andere bauliche Anlagen wie Schlösser, Kirchen oder Reste einer Stadtmauer.

Der Denkmalschutz begründet für den Eigentümer verschiedene Pflichten; neben der Erhaltungspflicht besteht die Verpflichtung zur Anzeige von Schäden und Mängeln. Bauliche Änderungen eines Kulturdenkmales sind grundsätzlich genehmigungspflichtig, d.h. der „Besitzer“ eines Denkmals ist nicht mehr Herr der Planung und Nutzung! Wird eine Baugenehmigung erteilt, umfasst diese wegen der Konzentrationswirkung auch die denkmalschutzrechtliche Erlaubnis zur Ausführung der entsprechenden Arbeiten, die Auflagen der Baugenehmigung sind jedoch zwingend zu beachten.

Nach persönlicher Auffassung des Autors ist die Aufnahme eines Gebäudes, welches sich in Privatbesitz befindet, in die Denkmalschutzliste der Kommune gleichbedeutend mit einem erheblichen Wertverlust, von den Einschränkungen bezüglich der Gestaltung ganz abgesehen. Selbst in Aussicht gestellte Zuschüsse des Landesdenkmalamtes reichen in der Regel nicht, um allein die damit verbundenen denkmalschutzrechtlichen Auflagen zu erfüllen, geschweige denn, noch weitere Verbesserungen an der Gebäudesubstanz durch diese Fördergelder durchzuführen. Weiter ist zu bedenken, dass die öffentlichen Kassen leer sind und auch aus diesem Grunde Fördermittel nur äußerst begrenzt fließen. Aus eigener Erfahrung hat beispielsweise in einer größeren Stadt in Thüringen (ca. 100000 Einwohner) im Jahre 2000 ein Betrag von etwa 60.000,- DM für ALLE Sanierungsprojekte (für mehrere Dutzend Gebäude) zur Verfügung gestanden, die danach pro Gebäude übrig gebliebenen Gelder reichten noch nicht einmal für den zusätzlichen Planungs- und Verwaltungsaufwand, der Sanierungsaufwand ging dagegen in hohe 6stellige DM-Beträge, da die statische Substanz nahezu gegen Null ging (alle tragenden Bauteile einschließlich der Fundamente waren nicht mehr ausreichend tragfähig und mussten erneuert werden!)!!! An dieser Stelle kann nur davor gewarnt werden, sein Gebäude freiwillig in die Denkmalschutzliste aufnehmen zu lassen, ohne sich über die finanziellen und baurechtlichen Konsequenzen im Klaren zu sein!

Man sollte grundsätzlich bedenken, dass ein in Aussicht gestellter Zuschuss des Landesdenkmalamtes zunächst zwar verlockend erscheint, in der Regel sind an die Gewährung eines solchen Zuschusses aber auch denkmalschutzrechtliche Bedingungen geknüpft, deren Umsetzung leicht ein Mehrfaches dieses Zuschusses kosten wird. Wohlgemerkt: Denkmalschutz da (aber nur da), wo es wirklich um historisch wertvolle Zeitzeugnisse des Bauens geht und auch die verständige Allgemeinheit dies so auffasst. Denkmalschutz aber nur unter der Prämisse, dass nur ein einzelner Sachbearbeiter eines Denkmalamtes dies so einordnet, ist strikt abzulehnen.

Das Denkmalschutzgesetz verlangt vom Eigentümer genau genommen nur zweierlei:

• Erstens, dass er es so weiter nutzt wie bisher und wirtschaftlich und sorgsam damit umgeht und es nicht verkommen lässt. Das wäre nämlich auch unwirtschaftlich. Auch bei Erhalt im öffentlichen Interesse gilt, dass das Denkmal vor allem in privater Nutzung bleibt. Der Eigentümer soll das Objekt für sich nutzen und nicht im Auftrag der Allgemeinheit.

• Zweitens, dass er bei Veränderungsabsichten um Erlaubnis fragt. Denn einerseits ist jedes Denkmal unwiederbringlich verloren, sobald es vorschnell der Abrissbirne anheimfällt, andererseits haben die Fachleute der Denkmalbehörden so viele Spezialkenntnisse in der Behandlung historischer Bauten, dass sie dem Eigentümer helfen können, kostspielige Fehler zu vermeiden und bautechnisch korrekte Lösungen anzuwenden. Solche Lösungen bieten selbstverständlich auch freiberufliche Planer an, die sich durch intensive Weiterbildung mit denkmalrechtlichen Belangen befasst haben. Das Büro LKG gehört zu diesen Büros.

Genehmigungspflichtig sind alle die Maßnahmen, die auf das Erscheinungsbild, die schützenswerten Bestandteile und die Substanz des Hauses einwirken. Abriss und neuer Anbau, neuer Putz und Neuanstrich, Fenstererneuerung und Dacheindeckung, neues Schaufenster und Werbeanlage: dies sind Arbeiten, die für ein Denkmal wesentlich sein können, sie sind genehmigungsbedürftig. Auch statische Eingriffe, wie Dachgeschossausbau und Fachwerkreparatur müssen den Denkmalbehörden gemeldet werden. Im Inneren kommt es darauf an, ob die Räume selbst oder ihre Ausstattung wie Türen, Vertäfelungen usw. von Denkmalwert sind. Schöner Stuck oder alte Raumausmalungen bedürfen z.B. denkmalpflegerischer Begutachtung. Liegen solche schützenswerten Innendekorationen nicht vor, ist der Eigentümer in der Verschönerung seines Heimes selbstverständlich völlig frei.

Wer in einer denkmalgeschützten Immobilie wohnt, wird von manchen darum beneidet, allerdings sind diese Neider sich der damit verbundenen Nachteile oftmals nicht bewusst. Zieht es beispielsweise durch die alten Fenster „wie Hechtsuppe“, dann kann der Besitzer diese Fenster nicht einfach gegen neue Kunststofffenster austauschen, auch wenn diese nur bei nächster Betrachtung als solche erkennbar sind. Die Denkmalbehörde können den nicht genehmigten Austausch von historischen Fenstern und den Einbau neuer Kunststofffenster (in diesem Falle mit Wärmeschutzverglasung) notfalls auch in einem gerichtlichen Verfahren unterbinden lassen. Diese schmerzliche Erfahrung mussten auch zwei Berliner Eigentümer machen, deren jeweils unter Denkmalschutz stehenden Einfamilienwohnhäuser, gelegen in der „Hufeisensiedlung“ in Berlin-Neukölln, unmittelbar nebeneinander standen. Sie ersetzten auf der Gartenseite die ursprünglich vorhandenen Holzfenster gegen nach ihrer Ansicht wesentlich einfacher zu pflegende und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten (geringerer Energieverbrauch, Unterhaltungskosten) bessere Kunststofffenster. Sie begingen „den Fehler“, diesen Austausch nachträglich von der Denkmalbehörde genehmigen lassen zu wollen und machten diese somit erst auf den erfolgten Austausch aufmerksam („schlafende Hunde geweckt“, nennt man das wohl). Das Denkmalamt monierte die veränderte optische Wirkung der neuen Fenster, da die Fassade nun deutlich weniger filigran wirke. Auch der Hinweis der Eigentümer, dass die Fassade von der Straßenseite aus gar nicht einsehbar sei, nutzte letztlich nichts, da die Behörde gerichtlich gegen die Eigentümer vorging.

Das Verwaltungsgericht Berlin hat in diesem Fall entschieden (Az. 16 A 15.06), dass die Kunststofffenster zu Recht nicht genehmigungsfähig seien, da sie sich nach der Durchführung eines Ortstermins der Auffassung der Denkmalbehörde anschlossen. Sie meinten, dass der optische Eindruck eines historischen Objekts in hohem Maße von der Form und Gestaltung der Fenster abhänge, und zwar unabhängig davon, ob es sich um die Vorder- oder Rückseite eines Gebäudes handele (na ja!). Die Richter schlossen sich der Auffassung der Denkmalbehörde an, die argumentierte, dass sowohl das gewählte Rahmenmaterial als auch die Rahmenstärke und die Gestaltung der Einbauten nicht mehr mit den Vorbildern, die in der Weimarer Republik entstanden, vergleichbar seien. Die Kunststofffenster mussten wieder entfernt und gegen Holzfenster, die der ursprünglichen Optik entsprachen, ausgetauscht werden.

An diesem Beispiel ist leicht zu erkennen, dass der Denkmalschutz auch perverse Züge annehmen kann. Die Fenster sieht niemand (außer der Eigentümer und dessen Besucher), der höhere Energieverbrauch belastet den Eigentümer finanziell über Gebühr und sorgt zudem damit für einen erhöhten CO2-Ausstoß, was dem Umweltschutz abträglich ist. Da kann man sich schon Gedanken darüber machen, wem diese Entscheidung denn überhaupt nutzt. Und die, die das so entschieden haben, leben sicherlich in einem komfortableren Neubau...

siehe auch:
- Abrissversagung
- Baudenkmal
- Charta von Venedig
- Denkmalpflege
- Ensembleschutz
- Gesamtanlage
- Kloster Lorsch
- Kulturdenkmal
- Lebenszyklus eines Gebäudes
- Technisches Denkmal