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Statiker

Der »Statiker« ist als Bauingenieur und Partner des Architekten für die bautechnische Beratung und die Erstellung statischer Berechnungen für jedes Bauvorhaben vonnöten. Um statische Berechnungen erstellen zu können, bedarf es neben einer soliden Ausbildung als Bauingenieur an einer Hoch- oder Fachhochschule einer je nach Anspruch des Bauwerks (Hochhaus, Brücke, Industriebau, einfache Garage) jahrelangen Berufserfahrung, damit nicht nur die Standsicherheit garantiert wird, sondern auch die Gebrauchsfähigkeit (z. B. Begrenzung der Verformungen von Decken, Verminderung von Rissbildungen im Stahlbetonbau, Schutz vor unerwünschten Schwingungen) und nicht zuletzt die Wirtschaftlichkeit in den Konstruktionen berücksichtigt werden.

Die Statik (griechisch »statikos« = »zum Stillstand bringend«) ist ein Teilgebiet der Physik, genauer der Technischen Mechanik. Statik ist die Lehre vom Gleichgewicht der Kräfte. Der Statiker ist also der Bauingenieur, der dafür Sorge trägt, dass unsere Bauwerke, gleich ob es sich um eine Garage, ein Hochhaus oder eine Brücke handelt, den auf diese Bauwerke einwirkenden Lasten unter allen wahrscheinlichen Einwirkungen während der geplanten Nutzungsdauer standhält. Neben dem Eigengewicht der statisch tragenden Konstruktionen wirken vielfältige Belastungen auf diese ein. In erster Linie sind dies die üblichen Naturgewalten wie Schnee und Wind. Hinzu kommen aber noch Einwirkungen aus den bauphysikalisch nicht vermeidbaren Temperaturbeanspruchungen, aus gewollter und ungewollter Schiefstellung, aus ungleichmäßigen Setzungen des Baugrunds, aus Erd- und Wasserdruck, aus Erdbeben und Starkwindereignissen und auch aus Brandeinwirkungen. Der Statiker muss für die geplante Standzeit des Bauwerks diese möglicherweise einwirkenden Beanspruchungen unter Ansatz von Erfahrungswerten, die in zahlreichen Normen ihren Niederschlag gefunden haben, in einer statischen Berechnung berücksichtigen. Bei der Berechnung muss das für den Einsatzzweck geeignete Baumaterial gewählt werden, denn nicht jeder Baustoff ist für jeden Einsatzzweck sinnvoll (beispielsweise wäre Holz im Spritzwasserbereich von Gebäuden wenig dauerhaft).

Der Statiker muss weiterhin die bauphysikalischen Gesetzmäßigkeiten bei der Wahl der Baustoffe berücksichtigen. Aber auch die Vorgaben des Gesetz- und Verordnungsgebers hinsichtlich der Energieeinsparung, des Mindestwärmeschutzes und des Schallschutzes (bei von Menschen genutzten Gebäuden) müssen bereits bei der Erstellung der statischen Berechnung berücksichtigt werden, um somit sowohl die Gebäude als auch die Nutzer vor Wärme, Kälte und Lärmbelästigung zu schützen. Doch nicht nur die Standsicherheit ist nachzuweisen, sondern auch die Gebrauchstauglichkeit des Bauwerks muss in der statischen Berechnung nachgewiesen oder zumindest berücksichtigt werden. Hierzu zählen in erster Linie die Beschränkung der Durchbiegungen unter Gebrauchslast (beispielsweise dürfen sich Decken oder Balken nur bis zu einem gewissen Grad durchbiegen, damit es nicht zu Schäden an anderen Bauteilen kommt).

Der Begriff »Statiker« wird vereinzelt als leicht abwertend verwendet, der zutreffendere Begriff ist in jedem Falle »Tragwerksplaner«, der wiederum als gleichberechtigter Partner des Architekten und des planenden Bauingenieurs für die Konzipierung, Berechnung und Umsetzung aller Tragsysteme eines Bauwerks verantwortlich zeichnet. Der Statiker oder besser Tragwerksplaner haftet für seine in der Regel freiberufliche Tätigkeit mindestens 5 Jahre, für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit (versteckte Mängel) zivilrechtlich bis zu 30 Jahre. Kommen durch ein Schadensereignis Personen zu Schaden, tritt strafrechtlich keine Verjährung ein, wie das Beispiel von Bad Reichenhall belegt. Als Bauherr sollten Sie daher immer die Dienste eines freiberuflichen »Beratenden Ingenieurs« in Anspruch nehmen, der aufgrund seiner Kammerzugehörigkeit keinen Lieferinteressen nachgeht (anders als beim Generalunternehmer, Fertigteillieferwerk oder ggf. auch einer Bauträger-GmbH) und aus berufsrechtlichen Gründen nur Ihnen als Bauherr verpflichtet ist.

Das Honorar des Statikers richtet sich nach den Vorgaben der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure). Diese Honorarordnung stellt in rechtlicher Hinsicht eine verbindliche Grundlage für die Honorierung des Tragwerksplaners dar. Damit soll sichergestellt werden, dass es unter den Statikern keinen Preiswettkampf gibt, sondern nur einen Wettkampf um die beste technische Lösung. Dass dies vielfach Wunschdenken ist, kann leider nicht bestritten werden, findet sich doch immer jemand, der „noch billiger“ ist, obgleich die Ingenieurkammern bei Bekanntwerden von Verstößen gegen die verbindlichen Vorgaben der HOAI mit Sanktionen drohen und diese auch durchsetzen. In zahlreichen Gerichtsentscheidungen bis hin zum BGH wird zudem immer wieder klar entschieden, dass eine Unterschreitung der Mindestsätze der Honorarordnung nicht zulässig ist, der Bauherr also dazu verpflichtet wird, in jedem Falle dieses Mindesthonorar zu bezahlen.

Statiker ist nicht zu verwechseln mit dem Begriff »Statistiker«, der von Statik aufgrund seiner Ausbildung überhaupt nichts versteht, getreu dem Motto von Churchill: »Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe!«. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen ...

Hier noch ein paar ironische Bemerkungen über Statiker, die ja fälschlicherweise auch schon mal als »Statistiker« bezeichnet werden:

Nach Statik ist, wenn es selber hält!

Statische Berechnung ... Wärmeschutznachweise und Schallschutzberechnungen, ja WER braucht das schon? ... soll man denn deswegen zu 'nem Statistiker rennen, der eh NUR sein Geld in Aktien der Stahl AG angelegt hat? ... die Spinnen ja eh, was die da immer so rein hauen! ... selber sollen sie's zahlen müssen, dann käm' nicht mal die Hälfte raus ... 10fache Sicherheiten reinhauen, JA das können die! ... bezahlt werden die ohnehin nach Stahlgewicht, je mehr die reinhauen, desto größer ist der Profit! ... das ganze ist doch eh NUR geschätzt, was DIE können, können wir schon lange! Das Material ist eh meist schlauer als der Verarbeiter, was spricht dagegen, wenn man die Statistik selber schätzt?

siehe auch:
- Alptraum
- Bauingenieur
- Bauträger
- Durchbiegung
- Finite Elemente
- Ingenieur
- Generalunternehmer
- GU
- HOAI
- Pfusch am Bau
- Prüfingenieur für Baustatik
- QS
- Standsicherheit
- Statik
- Tragende Wände
- Tragwerksplanung
- Wassersackbildung
- Verformungen
- Vier-Augen-Prinzip