elkage.de
Suchbegriff eingeben:

EnEV

Am 1. Februar 2002 ist erstmals die Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik (Energieeinsparverordnung, Abkürzung „EnEV) in Kraft getreten. Ziel der Energieeinsparverordnung ist es, den Heizenergiebedarf von Gebäuden zu reduzieren und damit den CO2-Ausstoß zu verringern. Die EnEV 2002 sieht vor, den Heizenergiebedarf bei Neubauten um etwa 30 % unter die Anforderungen der davor gültig Wärmeschutzverordnung von 1995 zu senken. Die EnEV 2002 wurde inzwischen von der geringfügig modifizierten EnEV 2004, danach von der EnEV 2007 (gültig seit 01.10.2007) und im Herbst 2009 von der EnEV 2009 (gültig seit 01.10.2009) abgelöst. Und bereits jetzt (Stand April 2011) wird davon gesprochen, eine EnEV 2012 und dann nochmals eine EnEV 2015 herauszugeben. Der Wahnsinn hat Methode...

 

Im Gegensatz zu früheren Wärmeschutzverordnungen, die nur Anforderungen an Bauteile und Gebäude stellten, werden in den neuen Energieeinsparverordnungen auch Anforderungen an die Anlagentechnik (Heizkessel, Dämmung der Rohrleitungen usw.) gestellt. Weiterhin ist ein Energiebedarfsausweis vorgeschrieben, der zumindest auf dem Papier wichtige Informationen zu den energetischen Eigenschaften eines Gebäudes enthält.

 

Die rechnerischen Nachweise nach der Energieeinsparverordnung, die nur in Verbindung mit inzwischen sehr komplexen und aufgeblähten Begleitnormen (z. B. DIN V 18599, Umfang immerhin etwa 1000 (!!!) Seiten) geführt werden können, sind recht umfangreich und inzwischen nur noch mit entsprechenden Programmen zu führen, die gleichzeitig ein umfangreiches Know-how des Anwenders voraussetzen. Problematisch ist zudem, dass es bis dato immer noch kein völlig fehlerfreies Nachweisprogramm gibt. Und selbst wenn es denn mal eines geben sollte, gibt es so viele unterschiedliche Optionen und Wahlmöglichkeiten, dass selbst für ein und dasselbe Gebäude immer unterschiedliche Ergebnisse ermittelt werden, wenn unterschiedliche Anwender das gleiche Programm bedienen.

 

Eine wesentliche Neuerung der EnEV 2007 war die Vorlagepflicht von Energieausweisen, die ein Eigentümer im Falle eines Verkaufs oder der Vermietung dem Interessenten zur Einsichtnahme vorlegen muss. In der Verordnung ist aber nicht geregelt worden, dass dieser Energieausweis dem Interessenten ausgehändigt und überlassen werden muss. Aus haftungsrechtlichen Gründen sollte davon abgesehen werden, diesen Ausweis einem Interessenten zu überlassen, dieser hat nach EnEV 2007, § 16 Abs. 2 lediglich das Recht auf Einsichtnahme, um sich so während des Gesprächs einen Überblick über die energetische Qualität des Gebäudes zu verschaffen. Mehr fordert der Gesetzgeber nicht! Damit der Energieausweis überhaupt Gültigkeit hat, müssen auch Modernisierungsempfehlungen beigefügt werden. Sollten solche nicht erforderlich sein (weil das Gebäude in energetischer Hinsicht auf dem aktuellen Stand der Technik ist), kann dies als Vermerk aufgenommen werden.

 

Die Vorlagepflicht von Energieausweisen gilt seit dem 1.7.2008 für alle Wohngebäude, die vor 1965 gebaut wurden. Nach der EnEV 2007 gilt diese Pflicht inzwischen (seit 1.1.2009) auch für Wohngebäude, die danach gebaut worden sind, d. h. jetzt praktisch für alle Wohngebäude, die verkauft oder vermietet werden sollen. Ab dem 1.7.2009 wird bzw. wurde die Vorlage von Energieausweisen auch für gewerbliche Gebäude zur Pflicht gemacht. Der Energieausweis, der grundsätzlich immer für das gesamte Gebäude gilt und nicht für eine einzelne Wohnung, ist für einen Zeitraum von 10 Jahren gültig, danach muss er erneuert werden.

 

Inhaltlich können sich die Energieausweise unterscheiden. Dies hängt von der Größe und dem Alter des Gebäudes ab, aber auch von der Nutzung. Daher werden der Energiebedarfsausweis, dem ein theoretisch errechneter Energiebedarf unter Berücksichtigung der Geometrie der wärmeübertragenden Außenhülle, des jeweiligen Bauteilaufbaus sowie der Anlagentechnik zugrunde liegt, und der Energieverbrauchsausweis unterschieden. Beim letztgenannten Energieverbrauchsausweis wird nur der tatsächliche Energieverbrauch der letzten 3 Jahre berücksichtigt, es handelt sich daher um einen lediglich auf Erfahrungswerten basierenden Nachweis, der in hohem Maße vom Nutzerverhalten beeinflusst wird und daher kaum einen verlässlichen, eher wohl gar keinen Aussagewert besitzt.

 

Stehen z. B. in einer größeren Wohnanlage oder einem Mehrfamilienhaus mehrere Wohnungen leer und sinkt dadurch der Heizenergiebedarf des Gebäudes, ist automatisch der Energieverbrauch geringer, der damit erstellte Nachweis stellt sich in energetischer Hinsicht auf dem Papier günstig dar, obwohl das Gebäude sich in einem grottenschlechten Zustand befinden kann. Extremer ausgedrückt: Ein ganzes Gebäude steht mehr als 3 Jahre leer, es wird in der kalten Jahreszeit zur Vermeidung von Feuchteschäden höchstens nur eine Mindesttemperatur von z. B. 12 °C vorgehalten, der Energieverbrauch ist damit supergünstig. Es wurde bereits dokumentiert, dass auf diese Weise ein nicht saniertes Mehrfamilienhaus aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts (Außenwände 24 cm aus Hohlblocksteinen, einfachverglaste Fenster, nicht gedämmte Kellerdecke) als Passivhausstandard eingestuft werden konnte! Hier zeigt sich, dass ein Energieausweis, der allein auf dem durchschnittlichen Verbrauch basiert, noch wertloser ist als der Energiebedarfsausweis, der auf theoretischen Annahmen basiert. Hier hat der Gesetzgeber ganz klar gravierend und vorsätzlich geschlampt, da man auf Druck der Wohnungsgesellschaftslobby möglichst einfach zu führende Nachweise eingeführt bzw. durchgesetzt hat, die damit billig zu haben sind. Heizkostenabrechnungsfirmen liefern diesen „Ausweis ohne Wert“ quasi als Nebenprodukt für wenige Cents oder Euros gleich mit. Aber warum man für diesen Nonsens deutschlandweit jedes Jahr hunderte oder gar tausende von Tonnen bunt bedrucktes Altpapier erzeugen muss, bleibt dem kritischen Betrachter ein ewiges Rätsel!

 

Nachdem mit der EnEV 2007 im Wesentlichen Regelungen für Energieausweise für Bestandsgebäude eingeführt worden sind, wird mit der neuen EnEV 2009 das Anforderungsniveau an Neubau und Bestand in einem ersten Schritt verschärft. Eine zweite Stufe der Verschärfung soll - wie in Meseberg vom Kabinett verabschiedet - mit der EnEV 2012 umgesetzt werden. Es ist die Rede davon, dass das Anforderungsniveau gegenüber der Version EnEV 2009 um weitere 30 % abgesenkt werden soll.

 

Die wesentlichen Änderungen der EnEV 2009 laut Kabinettsentwurf mit Maßgaben des Bundesrates sind:

 

  1. Verschärfung der primärenergetischen Anforderungen (Gesamtenergieeffizienz) bei Neubau und Sanierung um ca. 30 %.
  2. Verschärfung der energetischen Anforderungen an Außenbauteile im Falle wesentlicher Änderungen im Gebäudebestand um ca. 15 %.
  3. Einführung des Referenzgebäudeverfahrens für Wohngebäude. Der maximal zulässige Primärenergiebedarfskennwert wird für das Gebäude individuell anhand eines Referenzgebäudes mit gleicher Geometrie, Ausrichtung und Nutzfläche unter der Annahme standardisierter Bauteile und Anlagentechnik ermittelt. Der bisherige Nachweis in Abhängigkeit vom A/V-Verhältnis entfällt.
  4. Einführung eines neuen Bilanzierungsverfahrens (DIN V 18599) für Wohngebäude, das alternativ zum bestehenden Verfahren (nach DIN V 4108-6 und DIN V 4701-10) für die Bilanzierung herangezogen werden kann. Das zu berechnende Gebäude und das Referenzgebäude müssen nachdem gleichen Verfahren berechnet werden.
  5. Der einzuhaltende Höchstwert des spezifischen Transmissionswärmeverlustes H‘T wird bei Wohngebäuden nicht mehr in Abhängigkeit des A/Ve-Verhältnisses ermittelt, sondern bezieht sich auf die Einbindung des Gebäudes und teilweise auf die Größe. Kleine freistehende Einfamilienhäuser haben demnach einen niedrigeren H‘T einzuhalten als andere Wohngebäude.
  6. Die primärenergetische Bewertung von Strom bei der Berechnung der energetischen Qualität von Gebäuden wird gegenüber der bestehenden EnEV von 2,7 auf den Faktor 2,6 verringert.
  7. Regelungen zur stufenweisen Außerbetriebnahme von Nachtstromspeicherheizungen.
  8. Überprüfung der Einhaltung von Nachrüstverpflichtungen und anlagentechnischen Bestimmungen der EnEV durch Bezirksschornsteinfegermeister.
  9. Anpassung der Qualifikationsanforderungen an Aussteller von Energieausweisen.
  10. Stärkung des Vollzugs“ der EnEV durch die Einführung privater Nachweispflichten (Fachunternehmererklärungen) und die Erweiterung der Ordnungswidrigkeiten (einen solchen Unsinn können sich nur Politiker ausdenken).

 

Aus gegebenem Anlass weisen wir auf den folgenden Zusammenhang hin, der beim geplanten Kauf einer Gebrauchtimmobilie zum Tragen kommen kann:

 

Bei Hausbesichtigungen sollten Kaufinteressenten genau auf den Zustand von Heizkesseln und Dämmung achten. Denn durch die gesetzlichen Vorgaben der EnEV können bei einem Besitzerwechsel erhebliche Zusatzkosten auf die neuen Besitzer zukommen. Betroffen sind alle Hauskäufer, die ein bestehendes Gebäude selber bewohnen möchten, aber auch solche, die Haus oder Wohnung vermieten.

 

Wurde der Heizkessel vor 1978 installiert, musste dieser bis zum Jahre 2006 ausgetauscht werden. Hat ein derartiges Gerät allerdings nach dem Jahr 1996 einen neuen Brenner bekommen, verlängerte sich die Frist bis 2008. Darüber hinaus verlangt die EnEV, dass die Decken über beheizten Räumen gedämmt werden müssen, dies trifft insbesondere auf Räume unter unbewohnten Dachgeschossen zu. Gleiches gilt für Leitungen, in denen warmes Wasser fließt. Die Kosten für diese Maßnahmen können schnell 15.000 Euro und mehr betragen. Jeder Käufer einer Gebrauchtimmobilie ist daher gut beraten, sich durch einen Baufachmann beraten zu lassen und diesen zur Hausbesichtigung mitzunehmen.

 

siehe auch: