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Behaglichkeit

Unter dem Begriff »Behaglichkeit« versteht man im engeren Sinn das subjektive Wohlbefinden durch die Empfindungen in Bezug auf das Klima im Freien oder in Räumen. Die Behaglichkeit wird u.a. durch die umgebende Temperatur, die Luftfeuchtigkeit und den Luftdruck beeinflusst. Im Winter werden Räume mit kühlen Außenbauteilen (z.B. im Bereich von einfach verglasten Fenstern) schnell als unbehaglich empfunden. Behaglich werden beheizte Räume in der Regel nur dann empfunden, wenn die Raumtemperaturen überall möglichst gleichmäßig sind und die Raumluft weder zu trocken noch zu feucht ist. Daher kommt der konsequenten Vermeidung von Wärmebrücken eine besonders große Bedeutung zu.

In einem weiteren Sinn spricht man auch von Behaglichkeit, wenn man sich in einer bestimmten Umgebung oder im Zusammensein mit anderen Menschen wohl und entspannt fühlen kann.

Zum besseren Verständnis der Vorgänge Heizen und Wärmeempfindungen einige Erläuterungen:

Der Mensch produziert durch Aktivität und inneren Stoffwechsel fortwährend Wärme. Davon entfallen auf die Bewegung der Muskeln und als Prozessenergie für die chemischen Vorgänge im Körper nur etwa 20 bis 35 %. Der größere Teil wird als Wärme frei, hält unsere Körpertemperatur auf etwa 37°C und muss aber auch - da ständig neu anfallend - durch Strahlung, Leitung und Verdunstung wieder an die Umgebung abgeführt werden. Dabei wird ein Zuviel an Wärmeentzug durch zu niedrige Umgebungstemperatur wie auch ein Zuwenig an Wärmeabgabe durch zu hohe Raumtemperatur als unbehaglich empfunden.

Temperatur-Behaglichkeit ist allerdings kein fester thermischer Standardwert, sondern ein Gefühl, das sehr stark den persönlichen Bewertungen unterliegt. Für Menschen in unseren Breitengraden liegt die Behaglichkeit im Bereich von 19 bis 23°C. Diese Werte können abweichen je nach Alter, Geschlecht, Bewegungsintensität, Gemütslage und anderen Einflüssen, wozu in besonderem Maße auch die Bekleidung gehört. Es sind im Wesentlichen vier Faktoren, die auf die empfundene Behaglichkeit in einem Raum Einfluss haben: die Lufttemperatur, die Temperatur der Umgebungsflächen (dazu gehören Wände, Fenster, Fußboden und Decke) sowie die Luftbewegung und die Luftfeuchtigkeit.

Von den vier genannten Faktoren haben die beiden letzten auf das Behaglichkeitsempfinden weniger Einfluss. Die Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 70 % wird von den meisten Menschen nicht differenziert wahrgenommen. Luftbewegung in Innenräumen stört meist nur dann, wenn diese Luft kälter als die Raumluft ist und dabei aus einer Richtung auf den Körper trifft. Daraus ergeben sich für die Raumheizung zwei Notwendigkeiten:

• Die Umgebungstemperatur muss so sein, dass es zur physiologisch notwendigen Wärmeabgabe kommt, der Mensch also nicht friert und auch nicht schwitzt.

• Die Wärmeabgabe über die Körperoberfläche sollte nach allen Seiten des Raumes möglichst gleichmäßig sein, d.h., die thermische Auswirkung auf den Menschen darf auch nicht so einseitig geschehen, dass partielle Unbehaglichkeit entsteht. Kaltes oder warmes Unbehagen an den Füßen z.B. wird durch zu niedrige oder zu hohe Fußbodentemperaturen verursacht.

Die Voraussetzung hierfür ist eine weitgehend einheitliche Temperatur aller Umgebungsflächen (Wand, Fußboden, Decke) und damit auch der Raumluft-Temperatur. Das ist ein Idealzustand. Die Praxis sieht anders aus. Denn es gibt Innen- und Außenwände, Fenster und Türen. Abgesehen von bautechnischen Maßnahmen, z.B. gute Wärmedämmung, ist es Aufgabe der Heizung, die unterschiedlichen Oberflächentemperaturen der Raumflächen auszugleichen und diesen Gleichgewichtszustand zu erhalten. Aber auch die Heizung darf durch ihre gegenüber der Raumtemperatur erhöhte Heizflächentemperatur keine Zonen thermischer Unbehaglichkeit schaffen. Heizsysteme, welche auch am kältesten Tag mit Heizflächentemperaturen unterhalb von 60°C auskommen, z.B. Fußbodenheizung (max. 29°C) oder Niedertemperatur-Radiatoren (max. 55°C), erfüllen am ehesten diese Forderung.

Fazit: Die thermische Behaglichkeit in einem Raum ist um so höher, je einheitlicher die Temperaturen sämtlicher Umschließungsflächen sind. Die Raumheizeinrichtung soll mit möglichst niedriger Oberflächentemperatur arbeiten und großflächig sein. Wichtigste Voraussetzung dabei ist ein sehr guter Wärmeschutz sämtlicher Außenwandbauteile.

Nachfolgend einige Hinweise zu den Auswirkungen von unzureichender Wärmedämmung (Quelle: Technische Informationen zum Schöck-Isokorb, Ausgabe 12/2000):

Wärmebrücken sind Bauteilbereiche, in denen material- oder konstruktionsbedingt ein höherer Wärmeabfluss stattfindet als in den angrenzenden Bereichen. Aus dem höheren Wärmeabfluss resultiert eine weitere Absenkung der raumseitigen Oberflächentemperaturen im Wärmebrückenbereich. Das im Wärmebrückenbereich bei Unterschreitung der Taupunkttemperatur an der Oberfläche anfallende Tauwasser führt zu einer zunehmenden Durchfeuchtung des Außenbauteils (z.B. der Außenwand). Kann die aufgenommene Feuchtigkeit nicht vollständig in den wärmeren Zeiträumen wieder abgegeben werden, so ergeben sich die nachfolgend aufgeführten Schäden:

• Feuchtigkeitsflecken an der Wandinnenseite
Diese führen zu Schäden an Tapeten, Verputzen und Holzoberflächen und zu einer bevorzugten Anlagerung von Staub. Staubanlagerungen stellen einen geeigneten Nährboden für Schimmelpilze dar.

Schimmelpilzbefall
An den feuchten Bereichen besteht die Gefahr des Schimmelpilzbefalls. Schimmelpilze beeinträchtigen die Hygiene in den Wohnräumen und stellen eine gesundheitliche Gefährdung durch die in die Raumluft abgegebenen Pilzsporen dar (Auftreten allergischer Erkrankungen der Atemwege). Schimmelpilzbefall tritt nicht erst bei Tauwasseranfall auf, da über Kapillarkondensationseffekte die zum Schimmelpilzwachstum notwendige Feuchtigkeit auch schon bei Oberflächentemperaturen oberhalb des Taupunktes erreicht werden kann. Hat sich erst einmal Schimmelpilz angesiedelt, so reicht zur Aufrechterhaltung der physiologischen Funktionen des Pilzes eine geringe Feuchtigkeit aus.

• Weitere Verschlechterung der Wärmedämmung
Die Feuchtigkeit im Mauerwerk ergibt wegen der relativ hohen Wärmeleitfähigkeit von Wasser eine weitere Absenkung der Oberflächentemperatur und führt damit zu einer Verschärfung der wärme- und feuchtetechnischen Situation.

• Beeinträchtigung der Behaglichkeit
Bei starker Feuchtigkeit im Mauerwerk lässt sich selbst durch ständiges Heizen nur schwer ein behagliches Wohnklima herstellen. In Räumen mit unterschiedlich warmen Temperaturzonen, insbesondere bei kalten oder sehr kalten Außenbauteiloberflächen entstehen schnell Zugerscheinungen, die sich in körperlichem Unbehagen äußern.

siehe auch:
- Behaglichkeitsfeld
- Blower-Door-Test
- EnEV
- Fugendurchlässigkeit
- Geothermie
- Heizkreislauf
- Isolierglas
- Isokorb
- Luftdichtheit
- Luftfeuchtigkeit
- Passivhaus
- Raumklima
- Relative Luftfeuchtigkeit
- Taupunkt
- Schimmel
- Schimmelpilzbefall
- Solarthermie
- Stockflecken
- Tronsole
- Wärmebrücken
- Wärmeschutzverglasung