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Schornstein

Ein Schornstein ist eine höchst anspruchsvolle Konstruktion zur Ableitung der Verbrennungsgase von der Feuerstelle bzw. dem Wärmeerzeuger über das Dach ins Freie. Weitere Bezeichnungen sind »Schlot«, ostmitteldeutsch »Esse« und oberdeutsch »Kamin«. Ein Schornstein ist ein aufrecht stehender Schacht oder ein vertikal stehendes Rohr zum Abzug der Rauchgase einer Feuerstelle. Schornsteine müssen aber gleichzeitig auch die für die Verbrennung notwendige Frischluft in den Verbrennungsraum nachsaugen. Die Strömungsbewegung entsteht durch den thermischen Auftrieb der heißen Rauchgase. In den neueren Normenwerken werden Schornsteine auch als »Abgasanlagen« bezeichnet. Die einzelnen Schlote werden als Züge bezeichnet. Je nach Anzahl der Züge gibt es beispielsweise ein-, zwei- oder vierzügige Schornsteine. Schornsteine und Kamine, die nicht vertikal, sondern teilweise schräg verlaufen, nennt man »gezogen« oder »geschleift«.

Früher wurden die Schornsteine zur Verminderung der Abkühlung und damit besserer Funktionsfähigkeit im Innenmauerwerk (im so genannten Schornsteinverband) hochgeführt, seit dem 20. Jahrhundert sind jedoch zunehmend industriell vorgefertigte Formsteine bzw. geschosshohe Fertigteilelemente gebräuchlich, mit deren Hilfe zum einen die Bauzeit deutlich verkürzt und zum anderen die Fehleranfälligkeit bei der Herstellung eines Schornsteins erheblich verringert wird. Insbesondere bei den werksmäßig hergestellten geschosshohen Fertigteilen sind alle notwenigen Anschlüsse und die erforderliche Dämmung bereits fertig eingebaut, vor Ort werden die einzelnen Elemente an den vorgefertigten Stoßstellen wie bei einem Steckbaukasten zusammengefügt.

Schornsteine in der Außenwand sind wegen der Beeinträchtigung der Zugwirkung nur im milden Klima, z.B. in Italien und England, üblich. Strömungstechnisch am günstigsten ist der Austritt des Schornsteins im Bereich des Firsts, weshalb der Schornstein im Dachboden oft „gezogen“ oder „verzogen“, d.h. durch Schrägführung in die Firstlinie gebracht wurde, wobei dies heute nur noch in Ausnahmefällen zulässig ist.

Freistehende Schornsteine sind durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert üblich geworden. Sie wurden durch einen gemauerten Rauchkanal, den so genannten Fuchs, an die Feuerstelle angeschlossen. In Europa wurde der Rauchabzug durch einen Schornstein im frühen Mittelalter üblich. Der offenen Feuerung im Kamin und auf dem Herd entsprachen weite, besteigbare Schornsteine und ein Rauchfang über dem Herd. Üblich war ein Schornsteinquerschnitt von 40 x 45 cm, Steigeisen waren dabei nicht vorhanden. Nur bei größerer lichter Weite wurden Steigeisen eingebaut. Der Schornsteinkopf über dem Dach erhielt mehrere regensichere Abzugsöffnungen und war besonders im Mittelalter und der Renaissance bei Repräsentationsbauten wie herrschaftlichen Schlössern sehr dekorativ ausgebildet. Schöne Beispiele hierfür finden sich in England.

Die Einführung der Ofenheizung führte zu den heute üblichen Schornsteinzügen mit einem Mindestquerschnitt von 13,5 x 13,5 cm für einen Ofen und zur Vereinfachung der Schornsteinköpfe bis hin zum völligen Entfall der Schornsteinabdeckung. Der freistehende Schornstein der Industrie hat sich aus den hohen quadratischen, achteckigen oder runden Schornsteinen oder Abzugsschächten auf den alten Hüttenwerken und Ziegeleien entwickelt. Seine architektonische Gestaltung war anfangs funktionell-sachlich, im 19. Jahrhundert den jeweils herrschenden Stilrichtungen unterworfen und besonders im Eklektizismus (Bauphase mit retrospektiven Einflüssen im ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg) willkürlich. Dabei wurden die Schornsteine als dorische Säulen verkleidet, der Turm mit Umgang versehen oder der Schornstein einem Baumstamm nachempfunden.

Je größer die Höhe, umso mehr setzte sich aus statischen und aerodynamischen Gründen der runde Querschnitt mit glatter Sichtfläche durch. Diese Industrieschornsteine wurden ursprünglich mit segmentförmigen Schornsteinziegeln ausgeführt und erreichten 1889 bei einer Bleihütte (in Halsbrücke bei Freiberg) aus Gründen des Umweltschutzes eine Höhe von 140 Metern. Später wurden die Schornsteine auch aus Stahlbeton hergestellt und erreichten unter Verwendung einer Kletterschalung Höhen von 200 Metern. Seit 1968 werden durch die Anwendung einer sich verjüngenden Gleitschalung Höhen von 300 Metern möglich, wie ein Beispiel in Lippendorf bei Leipzig zeigt. Schornsteine mit Höhen bis zu 40 Meter werden auch aus vorgefertigten Betonringen montiert.

Vor Beginn der Installation einer Heizungsanlage ist die Abstimmung des Fachbetriebes mit dem zuständigen Bezirksschornsteinfegermeister (Kaminfeger) notwendig. Dabei muss geklärt werden, welchen Querschnitt der neue Schornstein benötigt oder wie ein bereits vorhandener Schornstein bisher belegt wurde. Insbesondere beim Umbau oder der Neuinstallation einer modernen Brennwertheizungsanlage oder einer Pelletsheizung muss der Kaminfeger hinzugezogen werden. Nur mit Zustimmung dieses Handwerksmeisters kann ein bestehender Schornstein ggf. weiterverwendet werden, im ungünstigsten Falle muss der Schornstein aber auch den neuen Beanspruchungen angepasst werden.

Der Kaminfeger wird, wenn erforderlich, eine Querschnittsveränderung, eine verbesserte Wärmedämmung oder eine Sanierung des Schornsteins empfehlen. Nach Abstimmung mit dem Kaminfeger kann der installierende Fachmann seine Planung abschließen. Dann meldet er die geplante Installation dem Kaminfeger, ebenso die Fertigstellung der Installation des Wärmeerzeugers. Der Kaminfeger prüft die Abgasanlage bezüglich der Einhaltung der gesetzlichen und technischen Mindestanforderungen und kontrolliert nach der Inbetriebnahme, ob die Grenzwerte für Abgasverluste eingehalten worden sind.

In diesem Zusammenhang hat sich gezeigt, dass durch die Verwendung von vorgefertigten Systembauteilen Mängel in der Konstruktion eines Schornsteins fast völlig vermeiden lassen. Probleme mit der Abnahme und den baurechtlichen Regelwerken gibt es erfahrungsgemäß immer dann, wenn versucht wird, mit „Bastellösungen“ eine sicherheitsrelevante Abgasanlage zu bauen, vorgeblich um Kosten zu sparen. Aber auch hier gilt:

• Wer billig baut, baut teuer!

siehe auch:
- Außenwand-Schornstein
- Bezirksschornsteinfegermeister
- EEG
- Energieeinsparverordnung
- Hypokaustenheizung
- Kachelofen
- Kamin
- Rauchmelder
- Schornsteinkopf
- Speckstein
- Universal-Schornstein
- Versottung