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Balkon

Unter einem »Balkon« (von althochdeutsch »palcho« = »Balken«, italienisch »balcone«) versteht man den vor der Außenwand vortretenden, meist frei auskragenden Deckenvorsprung, der nach oben in der Regel nicht oder durch einen weiteren darüber befindlichen Balkon überdeckt ist. Der Balkon zeichnet sich weiter dadurch aus, dass mindestens zwei Seiten nicht verkleidet und dessen freien Ränder mit Brüstungen, durchbrochen als Balustraden oder Geländer, welche jeweils als Absturzsicherung dienen, versehen sind. Ist der Balkon auf drei Seiten geschlossen, bezeichnet man diesen dann als Loggia. Wird ein Balkon von unten her gestützt, spricht man von einem Altan oder auch einem Söller. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird diese Unterscheidung heute jedoch kaum noch differenziert.

Neben dem praktischen Zweck wurde der Balkon im 18. Jahrhundert zu einem wichtigen Gliederungselement der Fassade, zunächst ausgesprochen repräsentativ (beispielsweise als Balkon über dem Hausportal) und mit der Weiterentwicklung der Bedürfnisse nach Licht und Luft zum Ausklang des 19. Jahrhunderts zu einem der häufigsten Schmuckelemente von städtischen Bürgerhäusern. Im 20. Jahrhundert schließlich wurde der Balkon zunehmend als Erweiterung des Wohnraums verstanden und entsprechend genutzt; eine Miet- oder Eigentumswohnung ohne Balkon oder Terrasse verfügt nach heutigem Verständnis über einen deutlich geringeren Wohnwert als eine ansonsten gleichwertige Wohnung mit Balkon.

Der Balkon stellt eine komfortable Erweiterung des Wohnraums dar und unterscheidet sich vom Wintergarten dadurch, dass er nicht überdacht ist. Balkone werden vorzugsweise ab der Decke über dem Erdgeschoss eingebaut. Balkone zählen damit zu den Vorbauten. Um einen Balkon überhaupt sinnvoll nutzen zu können, sollte seine Tiefe, d.h. das lichte Maß zwischen Außenwand und Brüstung bzw. Geländer, mindestens 1,20 bis 1,60 m betragen, empfehlenswert für eine komfortable Nutzung ist aber eine Mindesttiefe von 2 Meter.

Bei vor die wärmeübertragende Gebäudehülle auskragenden Bauteilen im Allgemeinen und Balkonen im Besonderen ist darauf zu achten, dass diese thermisch von der anschließenden Deckenplatte getrennt sind. Dazu bedient man sich im Neubau vorzugsweise des Isokorbs, der im Übergangsbereich zwischen Stahlbetondecke und auskragender Stahlbetonplatte des Balkons eingebaut wird und die geometrisch bedingte Wärmebrücke auf ein bauphysikalisch unbedenkliches Maß reduziert. Eine Alternative wäre, den Balkon allseitig mit einer geeigneten und ausreichend dicken Wärmedämmung „einzupacken“, was in der Praxis jedoch einen bedeutend höheren technischen und finanziellen Aufwand als der Einbau eines Isokorbs bedeutet und zusätzlich Probleme mit der Befestigung der Geländerpfosten einschließlich dem Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit und der Aufbringung eines dauerhaft standfesten Belags nach sich zieht.

Obwohl der frei auskragende Balkon zu den einfachsten statischen Systemen überhaupt zählt, werden hier häufig sehr gravierende Fehler entweder bereits in der Planung oder in der Ausführung begangen, die entweder zu bauphysikalischen Mängeln bis hin zur Schimmelpilzbildung an der Decke im Gebäude führen, häufig finden sich in der Presse aber auch Meldungen über Balkonabstürze, was bedeutet, dass diese schlicht und ergreifend abbrechen. Gerade in jüngerer Zeit häufen sich die Meldungen, dass Personen durch abbrechende Balkone auch zu Tode gekommen sind. Dieses Phänomen ist auf die Unbedarftheit vieler Bauherren und den beängstigend um sich greifenden „Pfusch am Bau“ zurückzuführen, der durch den „Geiz-Ist-Geil-Trend“ noch weiter verschärft wird.

Soll ein Balkon nachträglich an ein bestehendes Gebäude angebaut werden, bieten sich hierfür Fertigbalkone an, die mindestens an jeder Ecke über eine Stütze verfügen und so die Vertikallasten bis zu den eigens hierfür erforderlichen Fundamenten abtragen. Zur horizontalen Aussteifung ist es meist erforderlich, einen solchen Fertigbalkon in Höhe der jeweiligen Decke kraftschlüssig (d.h. zug-, druck- und schubfest) an dieser anzuschließen. Zu beachten ist, dass sowohl für solche Anschlussbereiche als auch zur Befestigung der Geländerpfosten nur Dübel aus Edelstahl verwendet werden dürfen, die über eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung verfügen. Besonderes Augenmerk ist bei diesen Befestigungen auf die in der Zulassung vorgegebenen Randparameter wie Bauteildicke, Rand- und Achsabstände, Beton- bzw. Mauerwerksgüte usw. zu legen. Deshalb ist es in jedem Falle erforderlich, vor der Montage eines Balkons eine entsprechende statische Berechnung anfertigen zu lassen. In der Regel ist auch eine Baugenehmigung für den Bau eines Balkon erforderlich, im Zweifelsfalle lassen Sie sich von der zuständigen Bauaufsichtsbehörde oder einem freiberuflich tätigen Planer (Architekt, Bauingenieur) beraten.

In den Abstandsflächen und auf der nicht überbaubaren Grundstücksfläche, d. h. außerhalb der Baugrenzen und Baulinien, können Balkone im baurechtlichen Sinne nur dann zugelassen werden, wenn sie nicht mehr als 1,50 m auskragen und zu Nachbargrenzen einen Mindestabstand von 2,00 m einhalten. Sobald der Balkon an den Außenecken über Stützen ablastet, gilt der Balkon baurechtlich als geschlossener Vorbau, der damit außerhalb der Baugrenze oder Baulinie nicht zulässig ist. Deshalb führt die aus architektonischen Gründen oftmals gewünschte Stützenanordnung bei Balkonen zu Problemen mit den baurechtlichen Mindestabständen zur Nachbargrenze, so dass dieser Aspekt bereits bei der Planung berücksichtigt werden muss.

Balkone von Eigentumswohnanlagen dürfen nur dann mit einem geschlossenen Glasaufsatz (in Form eines Wintergartens) versehen werden, wenn die Zustimmung aller Eigentümer der Wohnanlage dazu vorliegt. Dies gilt beispielsweise auch für ein Doppelhaus. Bei Eigentum, dass mehreren Immobilienbesitzern gehört, bedürfen alle größeren An- und Umbaumaßnahmen der Zustimmung aller Eigentümer. Diese schmerzhafte Erfahrung musste auch ein Immobilieneigentümer aus Rheinland-Pfalz machen, der seinen im Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses gelegenen Balkon mit einem Glaserker versehen hatte. Immerhin hatte er dazu die Genehmigung der Wohnungseigentümergemeinschaft eingeholt, allerdings war der unmittelbar anliegende Nachbar als einziger ausgeschlossen worden. Dieser betrachtete die Verglasung, die einem Wintergarten gleich kam, als unzulässige bauliche Veränderung. Da der Bauherr dies nicht einsah, verklagte daraufhin der Nachbar den „Balkonverkleider“ und forderte den Rückbau der Verglasung, da er sich in seinen Rechten benachteiligt fühlte. In der letzten Instanz gab das Pfälzische Oberlandesgericht in Zweibrücken dieser Klage statt (Az. 3 W 179/02). Die Verglasung war unzulässig und musste daher wieder entfernt werden! Das Gericht befand (übrigens anders als alle Vorinstanzen), dass die Baumaßnahme deutlich über eine ordnungsgemäße Instandhaltung und Instandsetzung des gemeinschaftlichen Eigentums hinausgehe und eine optische Beeinträchtigung des Wohnhauses darstelle.

In der umfangreichen Urteilsbegründung des OLG Zweibrücken heißt es u. a.: „Der Erkervorbau stellt keine nur geringfügige Veränderung dar. Vielmehr ist er aufgrund seiner Größe und auch Lage - im mittleren und damit zentralen Bereich der ansonsten einheitlichen dreigeschossigen Haushälfte - unübersehbar. Insgesamt vermittelt er die Wirkung eines Fremdkörpers, der sich mit der im Übrigen von Fenstern und Balkonen geprägten klaren Linie der Fassade nicht in Einklang bringen lässt. Eine derartige Veränderung der Außenfassade brauchen die davon betroffenen Wohnungseigentümer nicht hinzunehmen.“

Nicht zur Erholung oder dem Aufenthalt von Personen dienen die so genannten Rettungsbalkone, die nur im Brand- oder Katastrophenfall benutzt werden dürfen.

siehe auch:
- Altan
- Balkonabsturz
- Baluster
- Balustrade
- Brüstung
- Erker
- Französischer Balkon
- Geländer
- Geländerbefestigung - Fehlerquellen
- Geländerbemessung
- Isokorb
- Loggia
- Piedestal
- Rettungsbalkon
- Umwehrung
- Wintergarten
- Zweiter Rettungsweg