Treppen dienen zur Überwindung von Höhenunterschieden, u. a. auch in Gebäuden und Wohnhäusern. Um eine gewisse optische Leichtigkeit einer Wohnhaustreppe zu erreichen, kann bei einer »
Tragbolzentreppe« sowohl auf eine Wangenkonstruktion als auch auf die
Setzstufen verzichtet werden. Die
Tragbolzentreppe, bei der die
Trittstufen durch
Stahlbolzen mit angeformten
Unterlegscheiben auf den gewünschten Abstand gehalten werden, wird auch als »
Bolzentreppe« bezeichnet. Die
Trittstufen werden je nach
Treppentyp entweder an einer Seite oder an beiden Seiten durch stählerne Tragbolzen miteinander verbunden. Bei der so genannten »Einbolzentreppe« wird jede
Treppenstufe mindestens 7 cm tief in die angrenzende Wand eingelassen, die freie (raumseitige)
Treppenstufenkante wird mit jeweils einem Tragbolzen an die unterliegende bzw. überliegende
Treppenstufe angeschlossen (vgl. Abbildung). Bei der »Zweibolzentreppe« werden alle
Trittstufen an jedem Ende untereinander mit Tragbolzen verbunden, zusätzlich muss jede
Trittstufe an der Wandseite über einen Wandanker in der Wand aufgelegt werden.
Für die Bemessung und Ausführung von
Tragbolzentreppen gilt die Norm DIN 18069:1985-11 „
Tragbolzentreppen für Wohngebäude“. Dort heißt es in Abschnitt 3.1: „
Tragbolzentreppen sind
Fertigteiltreppen, bei denen
Trittstufen durch Tragbolzen miteinander verbunden werden. Bei
Tragbolzentreppen Im Sinne dieser Norm muss jede
Trittstufe direkt oder mittels
Anker mit der Wand verbunden sein.“
Die Stufen der
Tragbolzentreppen bestehen in der Regel aus Natursteinen (z. B.
Marmor, Agglo,
Granit usw.),
Stahlbeton (DIN 1045-1) oder aus
Betonwerkstein (nach DIN 18500), die Dicke richtet sich nach den statischen Erfordernissen. Es können auch
Trittstufen aus Holz zur Anwendung kommen, wobei dann jedoch nur Systeme mit allgemeiner bauaufsichtlicher
Zulassung oder auf der Grundlage einer statischen Berechnung verwendet werden dürfen. Aber auch
Tragbolzentreppen aus den anderen genannten Materialien sind auf der Grundlage von DIN 18069 statisch nachzuweisen. Bei Serienprodukten kann es vorteilhaft sein, typengeprüfte
Tragbolzentreppen zu verwenden, wenn die in einer solchen Typenprüfung vorgegebenen Randbedingungen eingehalten werden können. In jedem Falle müssen die Tragbolzen aus
Stahl einen Mindestdurchmesser von 14 mm aufweisen, die
Stahlgüte ist nach DIN 18069 mit einer Mindestfestigkeitsklasse 5.8 nach DIN ISO 898-1 vorgegeben. Im
Außenbereich müssen sämtliche
Stahlbauteile aus nichtrostendem
Stahl (
Edelstahl) bestehen, sofern dort überhaupt eine
Tragbolzentreppe zur Ausführung kommen sollte.
Die Tragbolzen werden je nach Hersteller in verschiedenen Oberflächen geliefert, z.B. vernickelt, vermessingt, verchromt, kunststoffbeschichtet (in verschiedenen Farbtönen) und schließlich auch vergoldet. Aber auch im
Innenbereich können selbstverständlich Tragbolzen aus
Edelstahl verwendet werden, wenn diese (wie die „normalen“ Tragbolzen) auf der Grundlage einer allgemeinen bauaufsichtlichen
Zulassung hergestellt werden. Um das
Geländer bzw. die
Geländerpfosten anschließen zu können, werden spezielle Tragbolzen geliefert, auf die dann an der Oberseite über ein werksmäßig angeformtes
Gewinde der
Geländerpfosten aufgeschraubt werden kann.
Tragbolzentreppen sind nach DIN 18069 nur für den Einsatz in üblichen Wohngebäuden zugelassen. Der Grund ist in erster Linie auf die Tatsache zurückzuführen, dass beim Versagen nur eines einzigen
Bolzens die
Stabilität der gesamten
Treppe nicht mehr gegeben ist. Da die
Bolzen aus
Stahl bestehen, sind diese bei einem Brandereignis besonders stark gefährdet, da bei Temperaturen von über etwa 500°C die Tragfähigkeit des
Stahls nahezu schlagartig verloren geht und damit ein
Einsturz der gesamten
Treppe zu befürchten ist. Dies ist auch der Grund dafür, dass
Tragbolzentreppen nicht als
Fluchttreppen geeignet und zugelassen sind.
siehe auch:
-
Abgehängte Treppe
-
Aufgesattelte Treppe
-
Blockstufe
-
Einholmtreppe
-
Holztreppe
-
Leiter
-
Satteltreppe
-
Setzstufe
-
Spindeltreppe
-
Treppe
-
Treppenteilbezeichnungen
-
Treppengrundrisse
-
Trittstufe
-
Wangentreppe
-
Wendeltreppe