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Scharriereisen

Zur handwerklichen Bearbeitung von weicheren Gesteinen wie Kalksteinen oder Sandsteinen dient das »Scharriereisen«, aber auch härteres Material kann damit bearbeitet werden, wenn die Breite der Klinge kleiner gewählt wird. Es handelt sich im Prinzip um eine breitere, flache Meißelform, weshalb es in manchen Regionen auch als »Breiteisen« bezeichnet wird. Da das Scharriereisen auch von Bildhauern zur Steinbearbeitung benutzt wird, wird es folgerichtig von diesen auch als »Bildhauereisen« bezeichnet. Das Scharriereisen wird in seinen verschiedenen Urformen bereits seit mindestens 2500 Jahren zur Steinbearbeitung benutzt, wobei es ursprünglich erstmals im antiken Griechenland auftaucht. Aber auch die alten Ägypter haben für den Bau der Pyramiden sicherlich zumindest ähnliche Werkzeuge benutzt, wenngleich diese vermutlich noch nicht aus Eisen bestanden.

„Scharriert ist die Benennung für eine Oberfläche, die mit dem Scharriereisen bearbeitet wurde“, so die in DIN V 18500:2006-12 unter Abschnitt 4.16 aufgeführte Erläuterung. Das aus Stahl bestehende Scharriereisen wird vom Steinmetz mit dem Knüpfel geschlagen. Je nach Härte des Steinmaterials und der gewünschten Abtragsmenge wird ein breiteres bzw. schmaleres Scharriereisen eingesetzt. Die Form des Scharriereisens hängt nicht nur von der Härte des Steinmaterials ab, sondern auch vom Steingefüge. Die Schneiden sind dazu unterschiedlich gehärtet, die Form des Scharriereisen kann schlanker oder gedrungener sein. Das mit beiden Händen geführte, hammerartige Scharriereisen erzeugt die benötigte Aufprallenergie über die weiter ausholenden Armbewegungen des Steinmetzen bzw. Bildhauers. Hartgesteine werden mit einem Scharriereisen bearbeitet, das einem Meißel ähnelt, d.h. es ist vergleichsweise schmal, wobei diese nicht mit dem Knüpfel, sondern mit dem Schlegel (Fäustel) angetrieben werden. Lediglich für Weichgesteine wird das dann deutlich breitere Scharriereisen mit dem Knüpfel angetrieben.

Die Steinoberfläche wird nach der Grobbearbeitung mit dem Spitz- und Zahneisen mit dem Scharriereisen eingeebnet und bei Bedarf auch strukturiert, wobei die Qualität und die optische Anmutung der fertigen Oberfläche von Handwerker zu Handwerker mehr oder weniger große Unterschiede aufweisen kann. Die mit dem Scharriereisen erzeugte Steinoberfläche wird als »scharrierte Oberfläche« bezeichnet.

Müssen größere Steine erst in eine Grobform gebracht werden, eignet sich dazu das Scharriereisen eher nicht, hierzu verwendet der Steinmetz das »Bossiereisen« und/oder das »Spitzeisen« (wobei die Grobformen heute wohl eher mit der Steinsäge zugeschnitten werden).

Das »Zahneisen« unterscheidet sich vom Scharriereisen durch die gezahnte Schneide. Durch die Benutzung des Zahneisens, das ansonsten mit dem Scharriereisen eng verwandt ist, wird die feinere Rillen- oder Streifenstruktur an der bearbeiteten Steinoberfläche erzeugt. Das Zahneisen wirkt in der optischen Oberfläche des behauenen Steines quasi wie mehrere parallel nebeneinander geführte Spitzeisen (welches lediglich aus einem meißelartigen Stahlkörper mit einer gehärteten Stahlspitze besteht). Das Zahneisen wird zum Glätten einer mit dem gröberen Spitzeisen vorgearbeiteten Oberfläche von Weichgestein eingesetzt.

siehe auch:
- Beitel
- Bossen
- Bossieren
- Dechsel
- Fäustel
- Hammer
- Kelle
- Knüpfel
- Meißel
- Steinsäge
- Steinmetz
- Stemmeisen
- Vorschlaghamme