Suchbegriff eingeben:

Nationalziegel

Der Dachziegelhersteller Ludowici, über einige Jahrzehnte lang der bedeutendste Dachziegelhersteller in Deutschland, brachte in den 30er Jahren (ab ca. 1935) des 20. Jahrhunderts einen Mauerziegel auf den Markt, den er als »Nationalziegel« oder auch als »Nationalstein« bezeichnete. Selbstbewusst wurde aber auch die Bezeichnung »Ludowici-Nationalstein« verwendet. In jedem Falle handelte es sich beim Nationalziegel um einen speziell geformten Langlochziegel zur Herstellung von Wandmauerwerk, der an der Oberseite eine angeformte Griffleiste aufwies und an der Unterseite eine geometrisch dazu passende Nut, die etwas größer (breiter, tiefer) als die Griffleiste war. In Verbindung mit dem einzubringenden Mauermörtel ergab sich somit ein geschlossenes Mauerwerksgefüge aus Ziegelsteinen.

Die Länge der Nationalziegel betrug grundsätzlich 24 cm und war somit bereits auf das heute übliche Mauermaß abgestimmt. In Verbindung mit der vermörtelten Stoßfugenbreite von 1 cm ergaben sich somit insgesamt 4 Nationalziegel pro laufende Meter Wandlänge. Die Höhe betrug grundsätzlich 15,5 cm. Die Nationalziegel waren mit 11,5 cm, 20 cm, 24 cm und 30 cm allerdings unterschiedlich breit, womit auch unterschiedliche Wanddicken realisiert werden konnten. In Verbindung mit speziellen Hakensteinen konnten durch Kombination mit den standardisierten Ziegelbreiten Wanddicken von 34 cm und 41 cm realisiert werden. Um im Bereich von Wandenden oder Wandecken keine Ziegel absägen oder sonst wie ablängen zu müssen, gab es hierfür halblange Nationalziegel und Ecksteine sowie für Fenster und Türleibungen entsprechende Leibungsziegel.

Die Tragfähigkeit einer Wand aus Nationalziegeln ist, betrachtet man sich die Form der Ziegel einmal näher, sicherlich nicht vergleichbar mit einem Ziegelstein mit quaderförmiger Geometrie, bei dem die vermörtelten Lagerfugen eine ebene Fläche aufweisen. Durch die hakenförmige Form der Ziegeloberseite wird der Mörtelauftrag schwieriger und zeitaufwändiger als bei einer ebenen Lagerfuge, was sich ungünstig auf die Herstellungskosten auswirkt, wenn auch der einzelne Stein mit den Händen besser angehoben werden kann. Die Mörtelfugen sind vergleichsweise dick und zudem ungleichmäßig, was sich ungünstig auf das gesamte Trag- und Verformungsverhalten auswirkt. Ebenfalls ungünstig wirkt sich die horizontale Lochung der Ziegel aus, was dazu führt, dass die auf Druck beanspruchten Zwischenstege, die die Kammern seitlich abgrenzen, das Bestreben haben, seitlich auszuweichen (auszuknicken). In der Summe dieser Betrachtungen dürfte auch klar sein, warum sich der Nationalziegel auf dem Markt nicht durchgesetzt hat und heute wohl nur noch in einigen wenigen älteren Gebäuden angetroffen wird.

siehe auch:
- Dachzunge
- DF
- Fledermausziegel
- Lagerfuge
- Mauerwerksverband
- Mauerziegel
- Riedziegel
- Stoßfuge
- Überbindemaß
- Ziegel
- Ziegelfieber
- Ziegler