elkage.de
Suchbegriff eingeben:

Dach

Bereits seit Urzeiten sucht der Mensch Schutz vor den Unbilden der Natur. Höhlen waren jedoch nur sehr begrenzt verfügbar, zudem waren sie meist dunkel, feucht und eher ungemütlich. Deshalb suchte der Frühmensch unter selbst hergestellten Schutzhütten Schutz vor der Witterung, wobei diese Schutzhütten nach heutiger Einschätzung wohl eher als Behausungen anzusehen sind. Das Dach entwickelte sich erst über lange Zeiträume zu dem, was wir heute darunter verstehen: ein effektives Wetter-Schutzsystem, welches nicht nur Regen oder Schnee von den Bewohnern des Hauses abhält, sondern auch gute Wärmedämmeigenschaften aufweist, schalldämmend ist, über eine brandsichere Außenhülle verfügt und gleichzeitig auch noch sehr langlebig ist, wenn geeignete Materialien zum Einsatz kommen.

 

Im Duden-Herkunftswörterbuch (3. Auflage 2001) heißt es zum Begriff Dach: „Das altgermanische Wort mittelhochdeutsch »dach«, althochdeutsch »dah«, niederländisch »dak«, englisch »thatch« [Anmerkung LKG: thatch = Dachstroh, Strohdach], schwedisch »dak« gehört zu der Wortgruppe »decken«. Es ist eng verwandt mit griechisch »tégos« »Dach, Haus« und mit der keltischen Sippe von kymrisch [Anmerkung LKG: kymrisch = walisisch] »to« »Dach« und bedeutet eigentlich »das Deckende«. Das deckende, schützende Dach ist eine Urform des Hauses, wie sie z.B. noch die wandlosen Schafställe der Lüneburger Heide zeigen. So kann das Wort sinnbildlich für »Haus« stehen (>ein gastliches Dach<). Schon mittelhochdeutsch ist der übertragene Gebrauch von »Dach« für »Bedeckung, Oberstes, Schirmendes« und für »Schädeldecke« scherzhaft [in Gebrauch].“ Soweit der Duden.

 

Das Dach und die Dachformen haben in den vergangenen Jahrhunderten eine mannigfaltige Entwicklung durchlebt. In Abhängigkeit von bautechnischen, religiösen und kulturellen Einflüssen entstanden höchst unterschiedliche Dachformen, die in der Regel ausschließlich mit lokal verfügbaren Materialien eingedeckt wurden. Lediglich bei besonders herausragenden Gebäuden wie bedeutenden Kirchen und Schlössern wurden in manchen Fällen Dachmaterialien aus größeren Entfernungen herangeschafft, wenn diese in der näheren Umgebung nicht hergestellt oder gewonnen werden konnten. Dächer haben aber in allen Fällen einen ortsbildprägenden Charakter, dies gilt bis heute unverändert. Ein besonders markantes Beispiel hierfür ist Rothenburg ob der Tauber: Jeder, der einmal die Gelegenheit zu einem Besuch dieses schönen Städtchens hat, sollte sich auch die Mühe machen, den Rathausturm zu erklimmen und die Aussicht über die Stadt zu genießen.

 

Einen äußerst interessanten und lesenswerten Beitrag zur Geschichte und Funktion des Daches haben wir im „Braas Handbuch Geneigte Dächer“ der Fa. Lafarge Dachsysteme (6. Auflage 2004, www.braas.de) gefunden, den wir hier im Wortlaut wiedergeben (dieses Handbuch ist für alle Fachleute, aber auch interessierte Bauherren zu empfehlen, die sich mit den Themen rund um das Dach und den Fragestellungen der verschiedenen Dacheindeckungen befassen wollen oder müssen):

 

Einordnung und Vorbemerkung

 

Jedem, der sich mit Dächern beschäftigt, ist klar, dass das Dach mehr als ein Teil des Hauses ist.

 

Seit Beginn der Menschheit hat es in erster Linie Schutzfunktion. Dem Bedürfnis der Menschen entsprechend wurde über alle Zeiten der Baugeschichte die schützende Funktion des Daches verbessert und das „schützende Dach“ ist sogar zum Symbol geworden. Daran erinnert zum Beispiel die Redewendung „ein sicheres Dach über dem Kopf“.

 

Heute gehören zu den standardmäßigen Schutz- und Nutzfunktionen des Daches die Abwehr gegen äußere Einflüsse wie Regen, Schnee, Wind, Hitze und Kälte, ebenso wie gegen Feuer, Strahlung, Schadstoffe und Ablagerungen. Aber auch der Schutz vor Einflüssen von innen, wie Tauwasser, Schall und Feuer.

 

Danach kommt dem Dach noch eine weitere wichtige Funktion zu: Dächer sind wohl eines der ausdrucksstärksten Mittel architektonischer Gestaltung.

 

Dies erlebt eindrucksvoll, wer aus einer unverbauten Landschaft kommt und sich einer menschlichen Ansiedlung nähert. Besonders historische Dächer sind - mehr als die dazugehörenden Gebäude - ortsbild- und landschaftsprägend.

 

Ausgehend von spezifischen regionalen Bauweisen, dem Klima und den vor Ort vorkommenden Materialien, hat sich eine große Vielfalt unterschiedlicher Formen und Strukturen entwickelt: Flach- und Steildächer, Dächer mit Stroh, Holz, Schiefer, Metall, Dachziegeln oder Dachsteinen gedeckt, dazu die verschiedenen Varianten der Dachformen, Dachaufbauten, Formen und Farben des Deckungsmaterials. So prägen Dächer nicht nur den Charakter des einzelnen Gebäudes, sondern vielmehr das größere Ensemble, die Straße, den Platz, die Siedlung, schließlich die Silhouette ganzer Ortschaften und Städte und damit zugleich die ganze Landschaft.

 

Solange regionale Klimabedingungen und das dort vorkommende Material Dachformen und Deckung bestimmen, war landschaftstypische Einheitlichkeit vorherrschend. Sie wurde nur durch bewusstes Herausheben der Dächer von Kirchen und Schlössern unterbrochen. Die heutige Freiheit bei Bauformen, Materialien und Farben ergibt aber nicht nur mehr Möglichkeiten, sondern auch größere Verantwortung bei Planung und Ausführung. Es scheint deshalb notwendiger denn je, bei der Gestaltung und Realisierung von neuen Dächern, wie auch bei Umdeckungen die Hauptfunktionen „Schutz und Gestaltung“ mit ihren jeweiligen Einzelaspekten zu berücksichtigen.

 

Die Entwicklung des Daches

 

Die geschichtliche Entwicklung des Daches ist eng mit der Entwicklung von Häusern verknüpft. Sie reicht sogar noch weiter zurück, denn die ersten „Behausungen“ waren - neben den Höhlen - Schutzdächer.

 

Als Höhlen den Sammlern und Jägern der Vorzeit nicht mehr ausreichten, bauten sich diese Nomaden bereits 12.000 v. Chr. zunächst pultdachähnliche Gebilde aus Stangen und Rundhölzern, die notdürftig gegen Regen und Wind schützten. Die Deckung bestand aus Schilf, Gras, Heidekraut oder Fellen.

 

Der nächste Schritt, immer noch einige Jahrtausende v. Chr., waren eingetiefte Grubenhäuser mit Sattel- oder Walmdächern, die bis auf den Grubenrand reichten.

 

Mit dem Aufgeben der Grubenvertiefung und der Errichtung senkrechter Wände nahmen die Behausungen bereits die heute vertrauten Formen an. Satteldächer mit steilen Giebeln, aber auch Walmdächer und Dächer mit Halbwalmen dienten dem Schutz dieser Häuser. Die Konstruktionen und Formen der Gebäude und auch der Dächer wurden mit zunehmender handwerklicher Erfahrung weiterentwickelt. Aus den Pfostenhäusern (mit in die Erde gegrabenen Rundholzpfosten) wurden durch Anheben über die Erde Ständerhäuser. Zur Dachdeckung wurden noch weit gehend weiche Stoffe wie Stroh, Reet, Gras und Heidekraut verwendet.

 

Die wenigen erhaltenen mitteleuropäischen Häuser aus dem ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung deuten auf Sparrendachkonstruktionen mit Dachneigungen von mindestens 45° hin.

 

Neben den schon mehrgeschossigen, technisch ausgereiften Häusern muss es auch zahlreiche einfache, eingeschossige Gebäude gegeben haben. Sie hatten wahrscheinlich Walmdächer, die bis auf die Erde gezogen wurden. Hierzu kamen viele Übergangsformen, vom Grubenhaus bis zu den strohgedeckten Häusern, wie sie Albrecht Dürer in einer Dorfansicht dargestellt hat.

 

Vom 13. bis 16. Jahrhundert ist eine stürmische Entwicklung der Konstruktions- und Bautechniken zu beobachten. War im 13. Jahrhundert das „steinerne Haus“ noch die Ausnahme, so nahm der Anteil an Steinbauten von da an fortlaufend zu. Die konstruktiv aufwändigen Fachwerkständerbauten wurden ab der Mitte des 14. Jahrhunderts zusehends von eleganten Stockwerks-Rahmenkonstruktionen abgelöst. Schon um 1600 war die konstruktive Entwicklung des Fachwerkbaues abgeschlossen. Danach änderten sich im Wesentlichen nur noch die Schmuckformen.

 

Wie die Gesamtgebäude entwickelten sich auch die Dachformen, die Konstruktionen und die Materialien rasant weiter. Im 17. Jahrhundert löste das Pfettendach mit stehenden oder liegenden Stühlen die altmodischen und konstruktiv schwerfälligen Sparrendächer ab. Sonderkonstruktionen, die auch weite Raumüberspannungen zuließen, wie Hänge- oder Sprengwerken wurden parallel dazu entwickelt. Im 18. Jahrhundert wurde die Dachlandschaft um die Mansarddächer bereichert. Dabei gab es sowohl vollgewalmte Dächer als auch solche mit Krüppelwalmen oder Steilgiebeln.

 

Mit dem im späten 18. Jahrhundert beginnenden und das ganze 19. Jahrhundert bestimmenden Eklektizismus wurden die Grenzen festgefügter Stile, Formen und Materialien aufgehoben. Es entstand die uns heute vertraute Vielfalt. Die Dachformen reichten von ganz flach geneigten bis zu Steildächern.

 

In der Gründerzeit spielte das Steildach in ganz Europa die dominierende Rolle. Mit den „modernen“ Architekten, wie z.B. Frank Lloyd Wright, kamen flach geneigte Dächer in Mode und um 1925 schließlich gewann mit der „Neuen Sachlichkeit“ auch das Flachdach an Boden. Damit begann die bis heute andauernde Diskussion um Flach- oder Steildächer. Während die Vertreter des Bauhauses und ein weiterer Kreis von Architekten, von Gropius bis Elsässer, das Flachdach favorisierten, blieben auch weit vorausschauende Architekten, wie Arne Jacobsen, beim geneigten Dach.

 

In den fünfziger Jahren erreicht das Flachdach mit Mies van der Rohe und Le Corbusier eine vorübergehende, in Fachkreisen jedoch spürbare Aufmerksamkeit. Bald darauf wenden sich der Zeitgeschmack und auch die Praxis wieder dem vertrauten und bewährten geneigten Dach zu.

 

Entwicklung der Dachmaterialien

 

Die Entwicklung der Materialien für die Deckung von Dächern ist naturgemäß eng mit der Entwicklungsgeschichte der Dächer selbst verbunden.

 

Die aus Ästen gebauten „Pultdächer“ der Vorgeschichte, ebenso wie die über Gruben errichteten Satteldächer, wurden, so gut es ging, mit Erde, Grassoden, Rinde oder Heidekraut abgedichtet. Mit dem Bau erster fester „Häuser“ wurde auch die Dachdeckung solider. Steinplatten finden sich vor allem in stürmischen und gebirgigen Regionen, in waldreichen Gegenden war Holz der Grundstoff.

 

Als erste größte „Innovation“ bei der Dachdeckung kann man das Prinzip der schuppenartig übereinander gelegten kleinteiligen Dachbaustoffe bezeichnen. Dazu wurden grob behauene Steinplatten beziehungsweise zugerichtete Holzschindeln verwendet. Dieses Prinzip der Schuppendeckung machte das Dach weniger anfällig gegen Bewegungen innerhalb der Konstruktion oder gegen Erosion durch Wind und Wasser. Das Regenwasser konnte ablaufen, ohne in das Haus einzudringen. Ein weiterer Vorteil der „vorgefertigten“ kleinformatigen Teile dürfte der leichtere Transport gewesen sein. Neben diesen frühen Vorläufern unserer heutigen Dachpfannen hielt sich über viele Jahrhunderte in einigen Regionen die Stroh- und langlebigere Reetdeckung.

 

Dachziegel-Geschichte

 

Ton als Baustoff wurde erstmalig etwa 13.000 v. Chr. im vorderen Orient eingesetzt. Am Anfang standen ungebrannte Lehmziegel, teilweise mit Strohhäcksel vermischt. Dächer und Dachziegel in unserem Sinne waren noch nicht bekannt.

 

Spätestens seit 2.300 v. Chr. sind Dachziegel aus Ton in Griechenland nachweisbar. Als Vorläufer einer Mönch-Nonne-Deckung wurden flach konkave Unterschalen oder Nonnen an ihren seitlichen Stößen mit konvexen Oberschalen oder Mönchen überdeckt. Die spätere Mönch-Nonne-Deckung hat sich dann im Balkan im ganzen Mittelmeerraum verbreitet. Die Ausbreitung dieser Deckung nach Norden reicht bis nach Schleswig-Holstein. Und sie war hier vor allem herausragenden Bauten vorbehalten.

 

Die Römer entwickelten das Prinzip der Mönch-Nonne-Deckung ingenieurtechnisch weiter zum so genannten Leistenziege (lateinisch tegula imbrex = Ziegel und Leiste). Sie breiteten sich einschließlich der Bezeichnung „tegula“ mit dem Römischen Reich nach Nordeuropa aus und gelten als Basis der Krempziegel.

 

Biberschwanzziegel sind ebene Ziegel, die zu den klassischen Ziegelarten gehören. Die Form des Biberschwanzziegels hat keine antiken Vorbilder. Sie imitiert in Form und Aussehen die Holzschindel. Die ältesten Stücke werden bis ins 12. Jahrhundert datiert. Heute findet man Biberschwanzziegel daher vornehmlich in ehemaligen Holzschindelgebieten. Die Schnittarten sind vielfältig. Von spitz für ein sechseckiges Deckbild über Gradschnitt mit abgerundeten Ecken (so genannter Kirchenbiber) oder Rundschnitt ,it Kreis-, Segment- oder Korbbogen(gotisch) bis hin zum Wappenbiber (Eselsrücken). Heute sind sie mit Rundschnitt am weitesten verbreitet.

 

Die Vorläufer des Hohlziegels sind aus der Verbindung von Mönch und Nonne zu einer Einheit entstanden. Im 15. Jahrhundert kamen sie aus Holland nach Deutschland und ersetzten immer öfter die Stroh- oder Holzschindeldächer durch pfannengedeckte. Denn verheerende Großbrände hatten immer wieder ganze Städte eingeäschert.

 

Am vorläufigen Ende der Entwicklung der keramischen Dachprodukte steht der Falzziegel. In ihm ist die Absicht perfektioniert, einen Dachziegel herzustellen, bei dem Quer- und Längsfugen sicher überdeckt sind. Heute verleihen mehrfache Ringverfalzungen, die passgenau ineinander greifen, z. B. beim Flachdachziegel, seine hohe Regensicherheit. Hiermit ist es möglich, die erst heutzutage vorkommenden flacheren Dachneigungen auch mit Dachpfannen sicher einzudecken.

 

Dachziegel-Produktion heute

 

Bei der Dachziegelherstellung werden und Ton und Lehm in der Grube abgebaut, anschließend gemischt, aufbereitet und im Sumpfhaus - für die Produktion fertig vorbereitet - gelagert. Braas Dachziegel werden nach strengen Vorgaben aus ständig überwachten Rohstoffen hergestellt und garantieren somit höchste Qualität.

 

Die aufbereitete Mischung wird dann im Pressverfahren geformt. Für die Herstellung von Pressdachziegeln (z.B. Flachdachziegel) wird der Tonstrang in so genannte Batzen geschnitten. In der Revolverpresse, in die jeweils über die Ober- und Unterseite Gipsformen eingelegt sind, erhält der Batzen seine geplante Form. Bei Strangdachziegeln (z.B. Biberschwanzziegel) formt bereits das Mundstück der Strandpresse den Querschnitt des Ziegels. Anschließend wird der Ziegel auf die vorgesehene Länge geschnitten. Nach dem Trocknungsvorgang werden die Ziegel bei einer Temperatur von ca. 900°C - 1200°C gebrannt. Aufgrund unterschiedlicher Tonvorkommen, -sorten, -mischungen und Oberflächenbehandlung variieren die Dachziegelfarben.

 

Die Oberflächen von Dachziegeln kann engobiert oder glasiert werden, um verschiedene Farbtöne zu erzielen. Die Engobe ist eine mit Metalloxiden eingefärbte Tonschlämme, sie wird durch Tauchen oder Spritzen vor dem Brennvorgang auf den Rohling aufgebracht. Die Glasur wird vor dem Brand auf den getrockneten Ziegeln (Einbrandverfahren) oder auf den schon gebrannten Ziegeln (Zweibrandverfahren) aufgebracht und bei hohen Temperaturen erneut gebrannt. Der glasartige Überzug erzielt je nach Grad der Lichtreflexion den typischen Oberflächenglanz. Nach dem Verpacken werden die Dachziegel gelagert und sind für die Auslieferung bereit.

 

siehe auch:

- Betondachsteine

- Biberschwanz

- Brick

- Dachaufbau

- Dachaufbauten

- Dachform

- Dachhandwerker

- Dachneigung

- Engobe

- Faserzementplatten

- Flachziegel

- Glasurziegel

- Holzschindeln

- Imbrex

- Keramik

- Klosterziegel

- Mönch und Nonne

- Pfanne

- Roter Hahn

- Schiefer

- Tegula

- Schilfrohr

- Ziegel