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Lohndumping

Immer wieder finden sich in der Presse Berichte über Razzien auf Baustellen und dabei festgestellte Verstöße gegen tarifvertraglich festgelegte Mindestlöhne. Dieses Phänomen ist nicht mehr neu, bereits seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wird diese Entwicklung beobachtet, wobei sich der Trend in letzter Zeit offensichtlich deutlich verstärkt hat.

Der abwertend gebrauchte Begriff »Lohndumping« beschreibt die gezielte Vereinbarung eines Niedriglohnes unterhalb der Höhe des Existenzminimums oder des Sozialhilfesatzes zu Lasten des Arbeitnehmers. Die Gewerkschafter verwenden ebenfalls den Begriff Lohndumping in Verbindung mit Unternehmen, die Löhne zahlen, die unterhalb branchenüblicher tariflicher Vereinbarungen liegen.

Es finden sich einige Varianten und synonym gebrauchte Begriffe für Lohndumping wie »Dumpinglohn«, »Lohn-Schlachter«, »Hungerlohn« oder »Niedriglohn«. Insbesondere auf dem Bau trifft man vielfach auch als »Lohnsklaven« oder »Billiglöhner« bezeichnete Personen mit fehlender oder unzureichender Qualifikation an, die vorzugsweise aus den östlichen EU-Mitgliedsstaaten oder aus Nicht-EU-Ländern stammen und hier oftmals illegal arbeiten.

Die Auftraggeber solcher Lohnsklaven sind an dieser Entwicklung nicht unbeteiligt, streben sie doch ein »billiges Bauwerk« an. Und das erhalten sie dann meist auch - im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Billigheimern kann man keine gute Qualität erreichen, dieser Ansatz widerspricht sich bereits. Gute Qualität muss angemessen bezahlt werden, nicht überhöht, aber auch nicht zu gering. Somit führt Lohndumping fast automatisch zu Baupfusch und Baumurks. Und dass der Staat bei diesem „Spiel“ munter mitmacht, belegt der aus der Tagespresse entnommene Bericht, den wir als Bild angehängt haben. Vordergründig wird auf „Vereinbarungen“ verwiesen, um sich die Hände in Unschuld waschen zu können. Wird allerdings die Baufirma bereits bei den Auftragsverhandlungen über Knebelverträge dazu gezwungen, sich auf ein nicht auskömmliches Preisniveau einzulassen, dann sind die Exzesse wie miese Bauqualität und Lohndumping quasi vorprogrammiert. Und am Ende wird’s doch teuer, denn wer billig baut, baut teuer. Teuer wird es immer dann, wenn der Baupfusch saniert werden muss oder wenn die Dauerhaftigkeit eines Bauwerks um viele Jahre kürzer ist oder ein erhöhter Energiebedarf erforderlich wird, weil Wärmebrücken nicht fachgerecht ausgeführt wurden usw. Im Falle eines staatlichen Auftraggebers zahlt die Zeche am Ende auf jeden Fall der Steuerzahler, bei privaten Bauherren zunächst dieser selbst, im Zweifelsfalle aber auch wieder die Beitragszahler für Haftpflichtversicherungen oder auch der Steuerzahler über Beitragsausfälle bei den Sozialversicherungsträgern und erhöhte steuerliche Abschreibungen wegen der Geltendmachung von vorzeitigen Sanierungskosten usw.

Ziel muss es sein, dass auch auf dem Bau wieder Löhne gezahlt werden, die es dem Bauarbeiter ermöglichen, einen angemessenen Lebensunterhalt sicherzustellen, wenn dieser in Vollzeit arbeitet. Werden dann auch noch auskömmliche Honorare für die Planer bezahlt und unabhängige Baufachleute mit der Qualitätskontrolle beauftragt, dann steht einem mangelarmen Gebäude (mangelfrei wird es wohl nicht geben) nicht mehr viel im Wege...

siehe auch:
- Abgabe
- Alptraum
- Baumurks
- Baupfusch
- Bauträger
- Deregulierung
- Fehlerarten
- Gefahrenabwehr
- Handwerkspfusch
- HOAI
- Pfusch am Bau
- Preisdumping
- QS
- Schlamperei
- Schwarzarbeit
- Unwissenheit
- Vier-Augen-Prinzip