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Handwerkspfusch

In Zeiten von hohen Steuern, hoher Arbeitslosigkeit, rasant steigenden Energiekosten und der Geldgier international agierender Konzerne (für die 50 Millionen Euro als »Peanuts« gelten oder die behaupten, dass die Energiekosten noch viel zu niedrig sind) wird der Faktor Arbeit hierzulande immer bedeutsamer. Deshalb kommen viele Bauherren, aber auch öffentliche Auftraggeber bereits seit einiger Zeit auf die Idee, grundsätzlich den »billigsten« Planer, Bauunternehmer, Handwerker usw. mit der Ausführung zu beauftragen. Es ist nicht klug, zuviel Geld für eine bestimmte Leistung auszugeben, aber genauso unklug ist es, zunächst einmal mit aller Gewalt sparen zu wollen. Denn wer billig baut, baut letztlich oftmals sehr teuer, wie nicht nur wir aus langjähriger Erfahrung zu berichten wissen. Diese Erkenntnis geht durch alle Lebensbereiche, hiervon ist nicht nur der Bau betroffen.

Genauso wie bei den Planern gibt es auch bei den Bauunternehmern und Handwerkern »Billigheimer«, die vordergründig für wenig Geld eine gute Leistung versprechen. Jeder Bauherr und Auftraggeber muss sich jedoch selbst die Frage stellen und beantworten, wie jemand bereit sein kann, für zu wenig Geld eine gute Leistung zu erbringen. Ist der Firmensitz dann noch weit weg von der Baustelle oder dem eigenen Wohnsitz, geht man im Zweifelsfalle wirklich lange Wege, um vielleicht doch noch etwas zu retten. Als erstes sollte man daher Handwerker aus der näheren Region ins Boot holen. Diese verfügen zum einen über belegbare Referenzen, die man selbst hinterfragen kann, zum anderen können es sich seriös arbeitende Handwerker gar nicht erlauben, schlechte Leistungen in deren Heimatregion zu erbringen, da sie dann „schnell weg sind vom Fenster“, wie der Volksmund so schön sagt.

Die Ursachen für den Verfall der Bauqualität sind vielschichtig. An erster Stelle steht sicherlich der Verfall der erzielbaren Preise, ausgelöst durch den scharfen Wettbewerb. Die Märkte öffnen sich für Anbieter aus den ehemaligen Ostblockstaaten. Politische »Deregulierungsbestrebungen« führen weiter dazu, dass das Bildungsniveau durchgängig durch alle Berufssparten sinkt (Pisa lässt grüßen), der Meisterzwang für einige Handwerksberufe wurde abgeschafft. Auch üben die Bauberufe keinen Anreiz mehr auf junge Leute aus, das Image z.B. eines Maurers ist mies, das Wetter insbesondere im Winter ebenfalls. Die handwerklich begabten jungen Leute gehen in Berufe, die ein besseres Ansehen genießen und vielleicht sogar besser bezahlt werden.

Somit können sich jetzt Personen auf dem Markt etablieren, die bestenfalls über eine unzureichende Ausbildung im angeboten Handwerkssektor verfügen. Der »Fliesenleger« aus Osteuropa ist hierfür ein Beleg. Aber auch viele Pseudo-Handwerker, die sich als »Hausmeister-Service« tarnen, bieten vielfältige und häufig unterschiedlichste Handwerksleistungen an. Dass hierbei die notwenige Qualifikation meist völlig fehlt, ist einleuchtend, wenn man sich die Palette der angebotenen Leistungen ansieht. Heute wird gemauert, morgen tapeziert, übermorgen werden Elektroleitungen verlegt usw. Die in Deutschland bereits eingesetzte Entwicklung führt im Ergebnis dazu, dass wir früher oder später auch auf dem Handwerkssektor amerikanische Verhältnisse erhalten werden. Dort gibt es keine mehrstufige Berufsausbildung mit der Möglichkeit, abschließend eine Meisterqualifikation zu erwerben. In den USA kann Jedermann zu jeder Zeit seinen Beruf wechseln wie andere Leute ihr Hemd. Dort ist es beispielsweise durchaus üblich, dass ein selbsternannter »Handwerker« mehrmals kommen muss, um eine Abwasserleitung in der Küche zu reparieren, bis sie endlich dicht ist. Aus diesem Grunde finden in Deutschland ausgebildete Handwerksmeister in den angelsächsischen Ländern vergleichsweise einfach einen Arbeitsplatz.

Gerade sicherheitsrelevante Arbeiten wie an der Elektroinstallation oder dem Rohbau dürfen nicht von Halbwissern oder Amateuren ausgeführt werden. Und auch bei den Ausbaugewerken können viele Fehler gemacht werden, insbesondere an der Wärmedämmung, der Luftdichtheitsebene oder den Abdichtungen gegen von außen eindringende Feuchtigkeit. Diese Mängel können später ganz erhebliche Folgekosten für die unumgänglich erforderlichen Sanierungen nach sich ziehen, langwierige und teure Gerichtsverfahren sind oftmals die Konsequenz für »Geiz ist geil«. Aber eine »Billigheimer-GmbH« verschwindet sehr schnell im »Insolvenznirwana«!

Volkswirtschaftlich betrachtet führt eine Beauftragung immer nur des »billigsten« Handwerkers dazu, dass diejenigen, die gute und hochwertige Handwerksleistungen erbringen können und wollen, früher oder später vom Markt verschwinden, weil sie im ruinösen Preiswettbewerb keine auskömmlichen Preise mehr erzielen können. Nicht der Beste erhält den Auftrag, sondern der vordergründig Billigste. Und ist das Kind erst in den Brunnen gefallen, dann ist das Entsetzen groß, man sucht schließlich meist doch die Hilfe des seriösen und kompetenten Handwerkers vor Ort. Parallelen zu den Planern sind unverkennbar, denn auch qualifizierte und seriös arbeitende Architekten, Bauingenieure und andere Fachplaner leiden unter diesem Phänomen.

In der Schweiz gibt es eine sinnvolle Regelung, die besagt, dass grundsätzlich die beiden „billigsten“, aber auch der teuerste Anbieter vom Vergabeverfahren der öffentlichen Hand ausgeschlossen werden. Die öffentlichen Auftraggeber sind gehalten, diese Regelung umzusetzen. Somit überlegt sich jeder Anbieter zweimal, ob er mit einem »Billigangebot« in das Wettbewerbsverfahren einsteigt. Ein sauber und fair kalkulierter Preis für eine Handwerksleistung führt damit eher zum erhofften Auftrag.

Deshalb kann von hier nur der Ratschlag erteilt werden, nicht auf den vermeintlich »Billigsten« zu setzen, sondern auf einen örtlich ansässigen Handwerksbetrieb. Dieser wird schon aus eigenem Interesse darum bemüht sein, eine gute Leistung zu einem fairen Preis anzubieten. Es wird wohl nie möglich sein, ein absolut mängelfreies Werk herzustellen, deshalb ist es wichtig, dass der Handwerker auch nach Abschluss der Arbeiten noch greifbar ist für seine Garantieleistungen, die dieser im Zweifelsfall auch ohne großes Gejammere erbringen wird. Eine windige »KAfweM-GmbH« (Abkürzung für » Kann-Alles-für-wenig-Moos-GmbH«) verschwindet im Regressfall ebenso schnell wie der gedopte Radrennfahrer, der bei der Tour de France bergab fährt.

Beherzigen Sie bei Ihrem Bauvorhaben den (nicht mehr neuen) Grundsatz: „Wer billig baut, baut teuer!“ Setzen Sie auf eine preiswerte Leistung, die ihren »Preis wert« ist! Zu verschenken hat schließlich niemand etwas.

siehe auch:
- Alptraum
- Baumurks
- Baupfusch
- Bauträger
- Bauunternehmer
- Deregulierung
- Eigenverantwortung
- Entwurfsverfasser
- Gilde
- GU
- Mängel
- Maurer
- Ordnungswidrigkeit
- Organisationsverschulden
- Pfusch am Bau
- Planungsbüro
- Preisdumping
- QS
- Schlamperei
- Vier-Augen-Prinzip
- Zunft