Zur Platz sparenden Verlegung von Leitungen, Wasser- und Abwasserrohren werden in Wänden »Schlitze« benötigt bzw. häufig erst nach der Erstellung des Rohbaus hergestellt. In fachgerecht geplanten und hergestellten Schlitzen können die Leitungen und Rohre verlegt und durch anschließendes Überputzen oder Verkleiden flächenbündig im Bauteil „versteckt“ werden. Die Größe der Schlitze, d.h. der Querschnitt, ist abhängig von der Wanddicke und der statischen Beanspruchung. In der Mauerwerksnorm DIN 1053-1 sind in Tabelle 10 (vgl. Abb.) entsprechende Angaben enthalten. Werden die dort angegebenen Bedingungen eingehalten, brauchen die Schlitze in der statischen Berechnung nicht gesondert nachgewiesen zu werden.
Zu beachten ist, dass die Schlitze entweder direkt im Verband zu mauern sind (insbesondere größere Schlitze für Abwasserrohre) oder nachträglich erschütterungsarm hergestellt werden sollen, damit das Steingefüge im Umgebungsbereich des Schlitzes nicht zusätzlich gestört wird. Erschütterungsarm heißt in diesem Falle, dass Schlitze nach Möglichkeit gefräst werden sollen, womit gleichzeitig auch sichergestellt werden kann, dass die Schlitze nur in der geforderten Breite und Tiefe ausgeführt werden. Insbesondere bei porösen Steinen (Poroton oder Leichtbeton) führen Stemmarbeiten dazu, dass die Schlitze unkontrollierbar groß werden und es zu ungewollten Substanzverlusten kommt, die sich nicht nur in Bezug auf die Standsicherheit ungünstig auswirken, sondern auch auf den Wärmeschutz (bei Außenwänden) und den Schallschutz sowie ggf. den konstruktiven Brandschutz. Dies bedeutet, dass Schlitze rechtzeitig vor deren Herstellung geplant werden müssen, was jedoch aus falsch verstandener Sparsamkeit vielfach unterbleibt.
Vielfach ist zu beobachten, dass Schlitze im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur »planlos« hergestellt werden, sondern auch noch unter Außerachtlassung jeglicher statischer und konstruktiver Belange (vgl. anhängender Bilder). Falsch angeordnete und/oder zu große Schlitze in tragenden Wänden schwächen diese, in Lasteinleitungsbereichen wie z.B. Fensterstürzen oder unter aufstehenden Pfeilern kann die Tragfähigkeit so weit herabgemindert werden, dass es zu Rissbildungen oder gar zum Versagen (Einsturz) der Wand kommt. Diese Hinweise gelten dabei nicht nur für Mauerwerkswände, sondern auch für Stahlbetonwände, wobei es dort jedoch in der Regel sehr viel schwerer ist, nachträglich einen Schlitz herzustellen.
siehe auch:
- Auflagerpressung
- Auflagerschwächung
- Deckenauflager
- Durchbruch
- Lastverteilerschwelle
- Mauerverband
- Mauerverzahnung
- Mauerwerk
- Rollladenkasten
- Überbindemaße
- Überzug
- Unterzug
- U-Schalen
- Verteilerschwelle