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TRGS

Die Abkürzung »TRGS« steht für »Technische Regeln für Gefahrstoffe«, von denen (nach aktuellem Stand) 30 TRGS für die unterschiedlichen Einsatz- und Anwendungsbereiche existieren. Herausgegeben werden sie vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMWA). Die aktuell gültigen Regelungen zur Anwendung der TRGS vor dem Hintergrund der neuen Gefahrstoffverordnung sind am 31. Dezember 2004 - IIIb3-35122 veröffentlicht worden. In dem von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (FISBAU) herausgegebenen Gefahrstoff-Informationssystem heißt es einleitend:

„Die neue Gefahrstoffverordnung ist am 1.1.2005 in Kraft getreten. Es wird darauf hingewiesen, dass die Verordnung keine Übergangsbestimmungen für das technische Regelwerk (TRGS) enthält, da diesem nach § 8 Abs. 1 der Verordnung zukünftig eine andere rechtliche Bedeutung zukommt. Der neu zu berufende Ausschuss für Gefahrstoffe hat die Aufgabe festzustellen, welche der bisherigen TRGS - ggf. nach redaktioneller Anpassung - auch nach der neuen Verordnung weitergelten können und welche einer inhaltlichen Überarbeitung bedürfen. Die bisherigen technischen Regeln können jedoch auch künftig als Auslegungs- und Anwendungshilfe für die neue Verordnung herangezogen werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die noch nicht überarbeiteten Technischen Regeln nicht im Widerspruch zu der neuen Verordnung stehen dürfen. Dies ist beispielsweise bei den bisherigen Festlegungen zur Auslöseschwelle oder zu den TRK-Werten gegeben. In solchen Fällen sind die entsprechenden Festlegungen im technischen Regelwerk als gegenstandslos zu betrachten.“

Die TRGS geben den Stand der sicherheits-technischen, arbeitsmedizinischen, hygienischen sowie arbeitswissenschaftlichen Anforderungen an Gefahrstoffe hinsichtlich Inverkehrbringen und Umgang wieder. Sie werden vom

Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS)

aufgestellt und von ihm der Entwicklung entsprechend angepasst.

Die TRGS werden vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung im Bundesarbeitsblatt (BArbBl.) bekannt gegeben.

Die TRGS gliedern sich für alle Anwendungsfälle in gleicher Weise. Für die TRGS 524 mit dem Titel „Sanierung und Arbeiten in kontaminierten Bereichen“ werden die drei Abschnitte »Anwendungsbereich«, »Begriffsbestimmungen« und »Allgemeine Grundsätze« wie folgt wiedergegeben:

„Diese TRGS beschreibt eine Methode zur systematischen Sicherheitsbetrachtung für Sanierungen und Arbeiten in kontaminierten Bereichen. Sie enthält die wesentlichen Grundvorstellungen für technische, organisatorische und personenbezogene Sicherheitsanforderungen, die sich auf den Umgang mit Gefahrstoffen bei der Sanierung und Arbeiten in kontaminierten Bereichen beziehen.

1. Anwendungsbereich
(1) Diese TRGS gilt für Sanierungen und Arbeiten in kontaminierten Bereichen einschließlich Vor- und Nacharbeiten, z.B.:

Altlastensanierung,
• Bauarbeiten in kontaminierten Bereichen,
• Tätigkeiten auf, an und in Deponien,
• Brandschadensanierung, Beräumung kalter Brandstellen,
Sanierung von Anlagen oder Geräten,
• Abwracken von Schiffen oder Fahrzeugen,
Abbruch oder Sanierung von Gebäuden,
Abbruch von Anlagen,
• Untersuchungen in kontaminierten Bereichen.

(2) Diese TRGS gilt nicht für

• Sofort-, Sicherungs- und Bergungsmaßnahmen zur Abwehr akuter Gefahren unmittelbar nach Eintritt eines Schadens,
• die Reinigung, Reparatur und Wartung von Anlagen im Rahmen des bestimmungsgemäßen Betriebs dieser Anlagen (z.B. Behälter- oder Reaktorreinigung im Arbeitsgang),
• die Einlagerung von Deponiegut,
• Anlagen und Einrichtungen zur Behandlung kontaminierter Gegenstände, Materialien und Stoffe, z.B. Bodenwaschanlagen,
• Gebäude, Anlagen oder Geräte, soweit sie dem Atomgesetz unterliegen.
(3) Die in anderen berufsgenossenschaftlichen oder Technischen Regeln oder LASI-Leitfäden formulierten stoff- und verfahrensspezifischen Schutzmaßnahmen sind zu berücksichtigen (z.B. TRGS 519 "Asbest").

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Sanierung
Sanierung im Sinne dieser TRGS ist die Vorbereitung und Durchführung von Maßnahmen zur Beseitigung von Gefahren, die durch Gefahrstoffe entstanden sind.

2.2 Arbeiten
Arbeiten sind alle Tätigkeiten bei Sanierungen oder in kontaminierten Bereichen, einschließlich aller vorbereitenden, begleitenden sowie abschließenden Maßnahmen. Dazu gehören auch:

• Begehen der kontaminierten Gebäude und Anlagen zur Inspektion,
• Probenahmen, u. a. Material- und Luftproben,
• Einrichten von Baustellen,
• Reinigen kontaminierter Geräte,
• Innerbetrieblicher Transport, Zwischenlagerung und Entsorgung kontaminierter Materialien.

2.3 Kontaminierte Bereiche
Kontaminierte Bereiche sind solche Bereiche, die Gefahrstoffe in einem die Menschen und/oder die Umwelt schädigendem Ausmaß enthalten, z.B. Grundstücke, Produktionsanlagen, Ablagerungen, bauliche Anlagen, Gegenstände, Erzeugnisse, Boden, Wasser oder Luft.
2.4 Gefahren/Gefährdung
(1) Gefahren im Sinne dieser TRGS sind Zustände oder Ereignisse, die den Eintritt einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder Bedrohung des Lebens durch Gefahrstoffe erwarten lassen.

(2) Die Gefährdung ist das räumliche und zeitliche Zusammentreffen des Menschen mit Gefahren.

2.5 Gefahrstoffe
(1) Gefahrstoffe sind

1. gefährliche Stoffe und Zubereitungen sowie Stoffe und Zubereitungen, die sonstige chronisch schädigende Eigenschaften besitzen,
2. Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, die explosionsfähig sind,
3. Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, aus denen bei der Herstellung oder Verwendung Stoffe oder Zubereitungen nach Nr. 1 oder 2 entstehen oder freigesetzt werden können,
4. Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, die erfahrungsgemäß Krankheitserreger übertragen können.

(2) Gefährliche Stoffe oder gefährliche Zubereitungen sind Stoffe oder Zubereitungen, die

1. explosionsgefährlich,
2. brandfördernd,
3. hochentzündlich,
4. leichtentzündlich,
5. entzündlich,
6. sehr giftig,
7. giftig,
8. gesundheitsschädlich,
9. ätzend,
10. reizend,
11. sensibilisierend,
12. krebserzeugend,
13. fortpflanzungsgefährdend,
14. erbgutverändernd oder
15. umweltgefährlich sind;
ausgenommen sind gefährliche Eigenschaften ionisierender Strahlen.

2.6 Bestimmungsgemäßer Betrieb/Arbeitsverfahren

(1) Der bestimmungsgemäße Betrieb ist das für die Sanierung oder die Arbeiten im kontaminierten Bereich festgelegte Arbeitsverfahren.

(2) Das Arbeitsverfahren umfasst die Gesamtheit aller technischen und organisatorischen Abläufe einschließlich der Tätigkeiten der Beschäftigten.

3. Allgemeine Grundsätze

(1) Bei Sanierungen und Arbeiten in kontaminierten Bereichen ist ein sicherer Umgang mit Gefahrstoffen nur möglich, wenn alle Einflussgrößen, die zu einer Gefährdung von Beschäftigten führen können, ermittelt und bewertet sowie angemessene Schutzmaßnahmen festgelegt und eingehalten werden.

(2) Weitere Regelungen für die Vorbereitung und Durchführung von Sanierungen sowie Arbeiten in kontaminierten Bereichen (andere TRGS oder Vorschriften z.B. der Berufsgenossenschaften oder Schadenversicherer) können und sollen unter Berücksichtigung des Rahmens dieser TRGS detailliertere, dem Arbeitsschutz oder der Sicherheit dienende Festlegungen treffen (siehe „Vorschriften, Regeln und Informationsquellen“). Auch die TRGS 440 „Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Vorgehensweise (Ermittlungspflichten)“ fordert dazu auf, branchenspezifische Lösungen als konkrete Hilfestellung für die Vorbereitung und Durchführung derartiger Arbeiten zu erstellen.

(3) Aufgrund der vorliegenden Gegebenheiten sind Sanierungen und Arbeiten in kontaminierten Bereichen Einzelfälle und unterliegen in der Regel ständig wechselnden Bedingungen. Zum Schutz der Beschäftigten sind spezifische Besonderheiten zu beachten und zu berücksichtigen, die eine solide Vorbereitung und ordnungsgemäße Durchführung der Arbeiten erfordern.

(4) Grundsätzlich sind verschiedene Gefahrstoffe vorhanden, die in unterschiedlichen Konzentrationen auftreten können. Dieser Umstand ist bereits in der Vorbereitungsphase, insbesondere bei den durchzuführenden Untersuchungen, zu beachten. Ist eine eindeutige Bewertung der Gefahr nicht möglich, muss mit der höchstmöglichen Gefährdung für die Beschäftigten gerechnet werden. In jeder Phase der Arbeiten sind Einzelfallentscheidungen zu treffen.

(5) In der Praxis hat sich vielfach ein arbeitsteiliger Ablauf entwickelt. Die Vorbereitung und Durchführung von Sanierungen und Arbeiten in kontaminierten Bereichen erfolgt in der Regel von mehreren Beteiligten, z.B. Firmen oder Sachverständige. Dies erfordert einen hohen Grad an Koordinierung, Verlässlichkeit sowie Verbindlichkeit, insbesondere hinsichtlich der Aussagen und Ergebnisse aus der Vorbereitungsphase.“

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Aktuell (Stand: 22.04.2007) sind folgende TRGS in Kraft:

TRGS 150 „Unmittelbarer Hautkontakt mit Gefahrstoffen, die durch die Haut resorbiert werden können - Hautresorbierbare Gefahrstoffe -“
TRGS 200 „Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen“
TRGS 201 „Einstufung und Kennzeichnung von Abfällen zur Beseitigung beim Umgang“
TRGS 220 „Sicherheitsdatenblatt“
TRGS 400 „Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Anforderungen“
TRGS 402 „Ermittlung und Beurteilung der Konzentrationen gefährlicher Stoffe in der Luft in Arbeitsbereichen“
TRGS 403 „Bewertung von Stoffgemischen in der Luft am Arbeitsplatz“
TRGS 420 „Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) für die betriebliche Arbeitsbereichüberwachung“
TRGS 430 „Isocyanate - Exposition und Überwachung“
TRGS 440 „Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Vorgehensweise (Ermittlungspflichten)“
TRGS 500 „Schutzmaßnahmen: Mindeststandards“
TRGS 514 „Lagern sehr giftiger und giftiger Stoffe in Verpackungen und ortsbeweglichen Behältern“
TRGS 515 „Lagern brandfördernder Stoffe in Verpackungen und ortsbeweglichen Behältern“
TRGS 519 „Asbest - Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten“
TRGS 521 „Faserstäube“
TRGS 524 „Sanierung und Arbeiten in kontaminierten Bereichen“
TRGS 531 „Gefährdung der Haut durch Arbeiten im feuchten Milieu (Feuchtarbeit)“
TRGS 540 „Sensibilisierende Stoffe“
TRGS 553 „Holzstaub“
TRGS 554 „Dieselmotoremissionen (DME)“
TRGS 555 „Betriebsanweisung und Unterweisung nach § 20 Gefahrstoffverordnung“
TRGS 610 „Ersatzstoffe und Ersatzverfahren für stark lösemittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe für den Bodenbereich“
TRGS 612 „Ersatzstoffe, Ersatzverfahren und Verwendungsbeschränkungen für dichlormethanhaltige Abbeizmittel“
TRGS 613 „Ersatzstoffe, Ersatzverfahren und Verwendungsbeschränkungen für chromathaltige Zemente und chromathaltige zementhaltige Zubereitungen“
TRGS 617 „Ersatzstoffe und Ersatzverfahren für stark lösemittelhaltige Oberflächenbehandlungsmittel für Parkett und andere Holzfußböden“
TRGS 618 „Ersatzstoffe und Verwendungsbeschränkungen für Chrom(VI)-haltige Holzschutzmittel
TRGS 900 „Grenzwerte in der Luft am Arbeitsplatz »Luftgrenzwerte«“
TRGS 903 „Biologische Arbeitsplatztoleranzwerte - BAT-Werte - (Bekanntmachung des BMA nach § 52 Abs. 4 Gefahrstoffverordnung)“
TRGS 905 „Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe“
TRGS 907 „Verzeichnis sensibilisierender Stoffe“

Die vollständigen Verordnungstexte können den einschlägigen Veröffentlichungen des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung (BMWA) entnommen werden. Aktuelle Informationen zu Gefahrstoffen in der Bauwirtschaft und sämtliche von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft erarbeiteten Branchenregelungen in Form der bekannten Produkt-Codes sowie die von GISBAU erarbeiteten Broschüren und Handlungsanleitungen sind auch im Internet unter

• www.gisbau.de (Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaften der Bauwirtschaft - GISBAU, Hungener Straße 6, 60389 Frankfurt am Main)

erhältlich.

siehe auch:
- Altlasten
- Asbest
- Baustellenverordnung
- BGR 128
- Emissionen
- Krebserzeugende Stoffe
- Mineralwolle
- PAK
- PCB
- PCP
- PVC
- SiGeKo
- TA Luft
- Teer
- Thiokol
- TRK-Werte
- UVV
- VOC