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Energiepass

In den Medien und den Fachzeitschriften wird der Begriff »Energiepass« synonym für den kommenden »Energieausweis« gebraucht, da bisher nicht klar war, wie dieser denn letztlich im Verordnungstext heißen wird. Der entsprechende gemeinsame Referentenentwurf von Bundesbau- und Bundeswirtschaftsministerium zur neuen Energieeinsparverordnung (EnEV) wurde mittlerweile veröffentlicht. Nach den bis jetzt bekannt gewordenen Erläuterungen zu den Verordnungstexten wird offenbar der »Energieausweis« als verbindliche Bezeichnung in der novellierten Energieeinsparverordnung, die vermutlich zum 1. Januar 2008 in Kraft treten soll, eingeführt. Von diesem Termin an muss das Dokument bei Verkauf oder Neuvermietung einer Immobilie vorliegen und auf Verlangen dem Interessenten gezeigt, nicht aber ausgehändigt (!) werden (der Wahnsinn hat Methode!). Der Gesetzgeber setzt damit die von der EU vorgegebene Richtlinie »Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden« (Richtlinie 2002/91/EG vom 16.12.2002) in deutsches Recht um, wobei die EnEV 2007 wiederum auf dem novellierten Energieeinsparungsgesetz (EnEG) vom September 2005 basiert.

Die ursprüngliche Intention dieser Verordnung ist durchaus zu begrüßen, schließlich geht es um nichts Geringeres als die deutliche Reduktion des klimabeeinflussenden CO2-Ausstoßes. Die Energiekosten steigen permanent an, eine Obergrenze ist nicht absehbar. Langfristig werden auch die fossilen Energieträger knapp werden, zudem steigt die weltweite Nachfrage weiter rapide an, hier insbesondere in den aufstrebenden Wirtschaften Chinas und Indiens. Viele Hauseigentümer und Mieter spüren zwar die Kostensteigerungen, doch wenn sie eine gebrauchte Immobilie kaufen oder in eine Mietwohnung einziehen möchten, wissen sie nichts über die zu erwartenden Heizkosten. Der Energiepass soll daher für mehr Transparenz auf dem Immobilienmarkt sorgen. Dieses Prinzip kennen wir bereits von der so genannten »Weißen Ware«, nämlich den Kühlschränken und Waschmaschinen, deren Verbrauch über ein farbiges Energiepass-Label zu erkennen ist. Damit werden »Energieschleudern« praktisch unverkäuflich. Für eine ähnliche Transparenz soll der Energieausweis auf dem Wohnungsmarkt sorgen. Der Unterschied zur »Weißen Ware« ist jedoch, dass man im Immobilienbereich keine geprüften und standardisierten Serienprodukte erhält, vielmehr handelt es sich immer um individuell errichtete Bauwerke, deren (nicht nur energetische) Qualität erheblich von der Planung und handwerklichen Ausführung abhängt.

Der ursprüngliche Sinn des Energiepasses lag darin, Immobilienkäufern bzw. Mietern objektive Anhaltspunkte über die Höhe des Energieverbrauchs des Gebäudes oder der Wohnung zu geben, gleichzeitig sollte der Hausbesitzer dazu angehalten werden, energiesparende Sanierungsmaßnahmen durchzuführen, da auch entsprechende Sanierungsvorschläge in dieses Dokument mit aufgenommen werden sollten bzw. sollen. Leider wird dieses Ziel durch die handwerklich schlecht „zusammengeschusterte“ Verordnung klar verfehlt. Nach hiesiger Einschätzung ist der Energieausweis bestenfalls ein »Papier ohne Wert«. Der Verordnungsgeber hat sich wieder einmal auf die primitivste aller denkbaren Varianten festgelegt.

Für Neubauten muss - wie in der bisherigen EnEV auch - generell ein Energieausweis ausgestellt werden, der den Primärenergiebedarf in die Berechnungen mit einbezieht. Inhalt und Form der Energieausweise, die auf den unterschiedlichen Energieeinsparverordnungen basieren, sind jedoch nicht mehr vergleichbar. In den jetzt bekannt gewordenen Referentenentwürfen wird ein farbiges Label ähnlich einer Bandtachoanzeige den Energieverbrauch anzeigen.

Wird ein bestehendes Gebäude oder Wohnungs- oder Teileigentum verkauft, neu vermietet, verpachtet, geleast, dann muss der Verkäufer bzw. Vermieter den Interessenten einen Energieausweis zugänglich zu machen, nicht aber aushändigen. Der Eigentümer muss den Ausweis auf Verlangen der nach Landesrecht zuständigen Behörde vorlegen. Für Gebäude mit einer Nutzfläche bis zu 50 m² gilt diese Verpflichtung jedoch nicht. In bestimmten Fällen. z.B. beim selbst genutzten Einfamilienhaus, wird auch zukünftig kein Energiepass benötigt. Eine Übersicht über diese Varianten finden Sie unter dem Begriff »Energieausweis«.

Unter Fachleuten wird der am Bedarf orientierte Energiepass klar favorisiert. Dabei wird der Energiebedarf eines Gebäudes bzw. einer Wohnung nach standardisierten Berechnungsverfahren unter Zugrundelegung der vorhandenen Bauteile ermittelt; das Nutzerverhalten spielt damit keine Rolle. Um den Energiebedarf ermitteln zu können, müssen die einzelnen wärmeübertragenden Bauteile hinsichtlich Fläche und Schichtenaufbau untersucht werden, was bei älteren Gebäuden ohne entsprechende Dokumentationen naturgemäß deutlich schwieriger ist als bei einem gut dokumentierten Neubau. Zusätzlich sollen dem Hauseigentümer bzw. Vermieter bei älteren bzw. alten Gebäuden auch energetische Sanierungsmaßnahmen aufgezeigt werden. Damit wird bereits klar, dass derjenige, der diese Berechnungen durchführen will, über entsprechende Erfahrungen und Kenntnisse auch älterer Bauteilaufbauten und Baustoffe verfügen muss. Gleichzeitig erkennt man daran aber auch, dass diese Berechnungen nur mit entsprechendem Aufwand möglich sind, was auch entsprechende Honorarkosten nach sich zieht. Vor diesem Hintergrund sind in der EnEV standardisierte Annahmen vorgegeben, die es erlauben, den Nachweis rechnerisch zu führen. Damit wird auch klar, dass die Zuverlässigkeit des so ermittelten Energieverbrauchs höchst fraglich ist.

Doch aufgrund erfolgreicher Lobbyarbeit ist es den einschlägig interessierten Kreisen der Wohnungsbaugenossenschaften und anderen institutionellen Besitzern zahlreicher Mietwohnungen gelungen, den am Verbrauch orientierten Energiepass ebenfalls in den Verordnungstext hineinzubringen. Allen Fachleuten ist bekannt, dass der vom Nutzer abhängige Verbrauch und der auf objektiv nachvollziehbaren Grundsätzen berechnete Bedarf z.T. deutlich voneinander abweichen. Beim verbrauchsorientierten Energiepass spielt das Nutzerverhalten eine eminent große Rolle, so dass dieser nur subjektive Ergebnisse liefert, die daher nicht auf gleichartige Wohnungen übertragbar sind, auch wenn diese sich im gleichen Gebäude befinden sollten. Steht beispielsweise eine schlecht gedämmte Wohnung über längere Zeit leer und wird diese dabei nur minimal beheizt (so viel, dass gerade keine Wasserleitungen einfrieren), wird aus einer Energieschleuder plötzlich ein Energiesparwunder. Dem Nepp sind damit alle Möglichkeiten eröffnet.

Auch der Kreis derjenigen, die diesen Energiepass bzw. Energieausweis ausstellen dürfen, ist sehr großzügig ausgelegt worden. Selbst Handwerker ohne Meistertitel dürfen diesen Energieausweis, wenn sie bestimmte formale Voraussetzungen erfüllen, erstellen. Ja sogar Baumarktmitarbeiter, die Dämmstoffe verkaufen, werden in eintägigen Seminaren zu mehr als zweifelhaften „Energieberatern ausgebildet“. Somit wird allen selbsternannten „Energieberatern“ der Weg geebnet, selbst wenn es sich um Scharlatane handelt. Zudem ist die Politik der Ansicht, dass das Honorar sich in einer Größenordnung von max. 80 bis 120 Euro brutto für die Ausstellung eines solchen Dokuments bewegen soll. Wie seriös arbeitende Fachleute (die es ja auch noch gibt) eine umfassende Bestandsuntersuchung, einen ausführlichen rechnerischen Nachweis, eine Beratung des Hauseigentümers bezüglich der möglichen Sanierungsmaßnahmen und auch noch Vorschläge zur Inanspruchnahme von eventuell möglichen Förderprogrammen erbringen bzw. unterbreiten sollen, bleibt wohl ewiges Geheimnis dieser in anderen Sphären schwebenden Politikern und deren Ministerialbürokraten.

Generell gilt, dass für Neubauten der bedarfsorientierte Energieausweis ausgestellt werden muss, und zwar sowohl für Wohngebäude als auch für Nichtwohngebäude (wie z.B. Bürobauten). Bei bestehenden Nichtwohngebäuden wiederum kann zwischen beiden Energieausweis-Varianten gewählt werden. Da die novellierte EnEV lediglich einen Kompromiss darstellt, ist der Verordnungstext durchaus kompliziert ausgefallen und selbst für Fachleute nicht auf Anhieb verständlich. So finden sich z.B. Regelungen zu älteren Gebäuden, die vor dem 1.11.1977 (vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung nach dem Ölpreisschock von 1973/1974) errichtet wurden. Ein entsprechendes Ablaufdiagramm, welches diese Regelungen grafisch darstellt, finden Sie unter dem Begriff »Energieausweis«.

Der im Energieausweis ausgewiesene Energiekennwert ist aufgrund vieler Annahmen bestenfalls als überschlägige Auskunft über die Energieeffizienz eines Gebäudes anzusehen. Beim bedarfsorientierten Energiepass wird der Energiebedarf anhand der Gebäudesubstanz auf der Grundlage standardisierter Rechenverfahren ermittelt, beim Verbrauchsausweis lediglich aus dem Heizenergieverbrauch eines Gebäudes auf der Grundlage der letzten drei aufeinander folgenden Kalenderjahre. Diesen verbrauchsorientierten Energiepass kann man somit auch als »Hausmeisterausweis« bezeichnen, da er von jedem Laien auf Grundlage eines abgelesenen Verbrauchs (der Heizkostenabrechnung) und unter Verwendung eines entsprechenden Programms ausgestellt werden kann. Wir prognostizieren, dass es schnell Programme geben wird, die neben der Heizkostenabrechnung auch gleich den benötigten Energiepass mit »auswerfen«, sozusagen als »Abfallprodukt«. Nicht und nur gering beheizte leerstehende Wohnungen in einer Wohnanlage sorgen außerdem dafür, dass der Energieverbrauch einer Energieschleuder rechnerisch „aufgepeppt“ wird. Auch der sparsame Mieter, der z.B. mit 18°C in seiner Wohnung leben kann, weil er vielleicht selten anwesend ist, „verbessert“ damit die Energieeffizienz!

Da diese Variante lediglich als faule Kompromisslösung, die von wirtschaftlich starken Lobbyisten wie z.B. Wohnungsgenossenschaften durchgesetzt wurde, anzusehen ist, kann man nur jedem Erwerber einer Immobilie und jedem Mieter empfehlen, sich nicht mit verbrauchsorientierten Energieausweisen zufrieden zu geben, sondern den Bedarfsausweis zu verlangen. Aber auch dieser ist wegen standardisierter Annahmen (wer weiß z.B. Beispiel, welchen U-Wert ein Fenster aus den 70er Jahren aufweist oder welcher Dachaufbau tatsächlich ausgeführt wurde?) nur ein erster Orientierungswert, nicht mehr und nicht weniger. Und die Qualität des Ergebnisses ist auch noch abhängig von der Qualifikation, der Sorgfalt und der Höhe des Honorars des Ausstellers. Bei geringem Honorar kann niemand die erwartete Qualität liefern, hier kann also nur die »Massenproduktion« den Aussteller ernähren. Eine unabhängige Kontrolle der Nachweise (wie in Dänemark) ist nicht vorgesehen und wird politisch auch nicht gewünscht. Damit muss zwangsläufig die Aussagekraft des Energieausweises erheblich in Zweifel gezogen werden.

Soll der Energieausweis die ihm zugeschriebene Verlässlichkeit irgendwann einmal erreichen, muss die soeben erschienene Energieeinsparverordnung schnellstmöglich wieder deutlich verändert werden, der verbrauchsorientierte Energieausweis muss dabei zugunsten des bedarfsorientierten Energiepasses abgelöst werden. Oberstes Ziel muss es sein, den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß wirksam zu verringern. Insbesondere der Gebäudebestand muss energetisch erheblich verbessert werden, auch müssen wirksame Sanktionsmöglichkeiten bei Zuwiderhandlungen und Nichtbeachtung der Verordnungen eingeführt werden, ebenso eine Kontrollinstanz. Der wirksame Klimaschutz geht uns alle an, schließlich haben wir nur eine Erde.

siehe auch:
- Abgabe
- Blower-Door-Test
- CO2
- Dampfbremse
- Dampfsperre
- Energieausweis
- Energiekennwert
- Energiekosten
- EnEV
- Geothermie
- Heizen oder Geizen?
- Leckagen
- Luftdichtheit
- kWh
- Nebenkosten
- Passivhaus
- Solarthermie
- Taupunkt
- Treibhauseffekt
- Zweite Miete