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Petra

Petra, das griechische Wort für Fels, ist ein durchaus passender Name für diese verlassene, aus Sandsteinklippen herausgeschlagene Stadt der Nabatäer im Tal Moses in Jordanien. Ihre Farben in leuchtenden Rosa-, Rot- und Violetttönen hinterlassen einen unvergesslichen Eindruck von dieser vielleicht schönsten unter den verlassenen Stätten der Welt, die damit zu Recht seit dem 6. Dezember 1985 zum Weltkulturerbe der Unesco zählt. Petra ist somit eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Welt.

 

Petra liegt im südlichen Jordanien am Wadi Musa (deutsch: Mosestal) in einer Höhe zwischen 800 m und 1350 m. Der erste Europäer, der die Stadt „entdeckte“, war der Schweizer Forschungsreisende Johann Ludwig Burckhardt (1784-1817). Er reiste im Sommer des Jahres 1812, verkleidet als indisch-moslemischer Kaufmann Ibrahim Ibn Abdullah, durch den Nahen Osten. Er sprach nicht nur fließend Arabisch, sondern hatte auch den Koran studiert und kannte sich somit mit den kulturellen Gepflogenheiten des Orients bestens aus. Nahe des Toten Meeres stieß er auf Beduinen, die ihm von Monumenten im Wadi Musa, dem Tal des Moses, erzählten. Burckhardt konnte die Nomaden überreden, ihn in das geheime Tal zu bringen. Sie führten ihn durch einen schmalen Spalt in einer Felswand. Der Weg war teilweise nur zwei Meter breit, dafür ragten die Felswände rechts und links über 200 Meter in die Höhe. Doch nach einem etwa 1,5 Kilometer langen Fußmarsch tat sich mit einem Mal ein Felskessel vor dem Schweizer Abenteurer auf und er stand einer 40 Meter hohen rotleuchtenden Fassade im römisch-hellenistischen Stil gegenüber. Er hatte Petra, die lange Zeit vergessene Hauptstadt der Nabatäer, gefunden.

 

Er ging davon aus, eine verlassene griechische Stadt gefunden zu haben, denn viele der Tempelruinen, Grabkammern, Theater und Paläste sind in einem hellenistischen Stil errichtet. Andere weisen assyrische Elemente auf, während wiederum andere eine Kombination aus beiden sowie den klassisch-römischen Stil darstellen. Die gesamte Anlage erstreckte sich über eine relativ große Fläche, die einer für damalige Zeiten sehr großen Stadt entspricht.

 

Petra war tatsächlich die Hauptstadt eines arabischen Volkes, der bereits genannten Nabatäer, die das Tal ab etwa 300 v. Chr. besiedelten und die Karawanenrouten zwischen Arabien und dem Mittelmeer kontrollierten. Sie kamen von der arabischen Halbinsel nach Südjordanien und siedelten sich in und um Petra an, wobei sie für ihre Hauptstadt eine strategisch äußerst günstige Lage wählten. Die enge Schlucht (arabisch: Siq) war nicht nur leicht zu verteidigen, sondern lag außerdem an der Kreuzung zweier der wichtigsten Handelsstraßen: der Route, die vom Mittelmeer zum Persischen Golf führte und der Weihrauchstraße von Jemen nach Damaskus. Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. kontrollierten die Nabatäer das heutige Palästina und Jordanien, den Sinai und einen Teil der arabischen Halbinsel. Durch die Eroberung von Damaskus dehnten sie ihre Macht bis nach Syrien aus. Sie sicherten den Karawanen - natürlich gegen hohen Tribut - sicheres Geleit zu. In der Stadt wurden vor allem Gewürze, Weihrauch und Myrrhe umgeschlagen.

 

Dieser Kontakt mit der Außenwelt vermittelte neue Ideen, insbesondere in der Blütezeit Petras, der Herrschaft Aretas IV., in den Jahrzehnten nach Christi Geburt, als die Stadt entstand und ein raffiniertes Bewässerungssystem sowie ein Netz aus Satellitenstädten angelegt wurde. Als der letzte König, Rabel II., im Jahr 106 starb, wurde das Nabatäerreich nach der Eroberung durch Trajan Teil des Römischen Reiches. Der wirtschaftlichen Blüte der Stadt tat dies keinen Abbruch. Erst als im 4. Jahrhundert Palmyra, eine Oasenstadt im Norden der Syrischen Wüste, Petra den Rand ablief und zudem immer mehr Händler auf die Seewege auswichen, begann der wirtschaftliche Niedergang. Ein Erdbeben im Jahre 551 zerstörte die halbe Stadt. Im 7. Jahrhundert wurde Petra von den Arabern erobert und begann dann zu verfallen. Danach blieb Petra, von einem Besuch der Kreuzritter im 13. Jahrhundert abgesehen, für mehr als 1000 Jahre nur den lokalen Stämmen ein Begriff. Deren Abkömmlinge lebten bis in die 1980er Jahre in den Ruinen.

 

Den Eingang zur Stadt bildet eine schmale Sandsteinschlucht mit über im Mittel 70 m und bis zu 200 m hohen Wänden, die sich unvermittelt zum Tal hin öffnen, das sich mit der imposanten Fassade des Schatzhauses präsentiert. Diese vielleicht schönste und berühmteste Ruine Petras ist auch die besterhaltene, da der empfindliche Sandsteinfels an dieser Stelle vor Wind und Regen geschützt ist. An der Spitze der Fassade aus Säulen und Halbgiebeln befindet sich eine große Urne, die, so die Legende, einen großen Schatz enthalten soll. Die Urne ist von vielen Einschusslöchern gezeichnet, sie zeugen von neuzeitlichen Versuchen, sie zu zerbrechen.

 

Nach Burckhardts Entdeckung hielt man Petra zuerst für eine Nekropole (griechisch für Totenstadt), eine antike Begräbnisstätte, die wie eine Stadt angeordnet war und über Grabhäuser, Straßen und Gänge verfügte. Inzwischen weiß man jedoch, das Petra eine Stadt war, in der bis zu 20.000 Menschen gelebt haben. Im Siq sind noch die in den Fels gehauenen Kanäle zu sehen, die die Stadt mit Wasser versorgten. Es gab öffentliche Brunnen und Thermen nach römischem Vorbild. Sogar Obst- und Gemüsegärten wurden auf Terrassen innerhalb der Stadt angelegt und künstlich bewässert. Die Hauptstraße war gepflastert und mit Säulen gesäumt. An ihr müssen sich viele kleine Läden aneinander gereiht haben. Der Baustil der Stadt erinnert an zeitgenössische Bauten in Pompeji und insbesondere an Alexandria, der größten Stadt in der Region.

 

Noch erhalten sind die Gräber, die Tempel und das Theater. Sie sind in den Sandstein der Felswände gehauen und leuchten zu jeder Tageszeit in einem anderen Rotton. Die ältesten Gebäude sind Gräber aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., die in der so genannten Straße der Fassaden vierstöckig übereinander in den Felsen gebaut sind. Die meisten werden von typisch nabatäischen Zinnenfriesen gekrönt. Östlich des Stadtkerns befinden sich die imposanten Königsgräber, deren Fassaden schon mit aufwändigen hellenistischen Elementen geschmückt sind. Die unterschiedlichen Stile machen es jedoch schwer, die Gebäude in Petra zu datieren. Die Nabatäer kombinierten assyrische, arabische, griechische und römische Elemente.

 

Das Gebäude, dem sich Burckhardt so plötzlich gegenüber sah, wird Phara Chasna Firaun oder Schatzhaus des Pharao genannt. Es muss zwischen 100 v. Chr. und 150 n. Chr. erbaut worden sein. Die zweistöckige Fassade hat ein vorgeblendetes Säulenportal über dem Eingang und darüber einen zentralen Rundbau mit Zeltdach, der das Gebäude in ästhetischer Hinsicht davor bewahrt, von der mächtigen Felswand erdrückt zu werden, ohne dem darunterliegenden Geschoss mit seinem Portikus zu sehr zur Last zu fallen. Zwei Treppen unterhalb der Kolonnaden führen zu kleinen, doch opulenten Räumen und schließlich in einen Altarraum. Er könnte mit Gips ausgestaltet und dann angemalt worden sein - eine den Nabatäern geläufige Technik, auch wenn heute keine Überreste mehr davon existieren.

 

Seitlich der Fassade lassen sich noch in den Felsen geschlagene Tritte erkennen, die den Bildhauern als Stütze dienten. Die inneren Räume dagegen sind schlicht aus dem Felsen gehauen. Vermutlich diente das Schatzhaus, das wohl bekannteste Fotomotiv der Felsenstadt, als Tempel oder als Grab. Seinen Namen hatte es von einer Legende der Beduinen, wonach in der Urne ein Schatz von Pharao Ramses III. verborgen sei. Die Erbauer waren nicht nur begnadete Baumeister, sondern sie gingen auch überaus geschickt bei der Sicherstellung der Wasserersorgung der Wüstenstadt vor. Sie bauten auch für heutige Zeiten bemerkenswerte Aquädukte mit gerade ausreichendem Gefälle, über die sie das Brauch- und Trinkwasser in die Stadt leiteten. Das Wasser selbst wurde in Röhren aus Terrakotta geführt, die an den Stößen mit Gips abgedichtet waren. Der Einzugsbereich für die komplexe Wassergewinnung reichte etwa 25 km im Umkreis um die Stadt herum, wobei über 200 Zisternen zur Wasserspeicherung dienten.

 

In ähnlichem Stil und genauso imposant ist das Kloster Ed-Deir, das vielleicht die Grabstätte von König Rabel II. darstellt. Seinen Namen bekam es von den Einsiedlern, die von der Mitte des 4. bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts hier lebten. Es hat eine Fassade im römisch-hellenistischen Stil mit Pilastern, einem gesprengten Giebel und Scheinportalen rechts und links neben dem Eingang. Im Mittelpunkt der Stadt steht die Chasa Bint Faraun, das Haus der Tochter des Pharao aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., das wohl ein Heiligtum der nabatäischen Hauptgottheit Dushara war.

 

In eine Ausbuchtung des Kessels wurde in späterer Zeit ein halbrundes Theater im griechischen Stil gehauen, das wohl bis zu 7000 Plätze hatte. Für den Bau hatte man mehrere ältere Gräber in der Felswand abgetragen und aufgelassen.

 

Quellen:

  • Trevor Howells, Die großen Bauwerke der Menschheit; Area Verlag, Erftstadt 2006
  • Christa Pöppelmann / Mark Schubert, Weltwunder von der Antike bis heute; Compact Verlag, München 2005

 

siehe auch: