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Baumurks

Gemäß Duden-Herkunftswörterbuch bedeutet »Murks« »schlechte Arbeit«. Der Verfall der Baukultur in Deutschland nimmt immer beängstigendere Ausmaße an. Verstärkt wird dieser Niedergang durch verschiedene Faktoren, allen voran durch die „Geiz-Ist-Geil-Mentalität“ und die in allen Bereichen des Bauwesens zu beobachtende rasante Dequalifizierung der am Bau Beteiligten. Die Abschaffung des Meisterzwangs für verschiedene Berufe ist ein typisches Beispiel hierfür, aber auch die politisch-ideologisch motivierten »Deregulierungen« in den Bauordnungen mit der Verlagerung der Verantwortlichkeiten auf den Bauherrn tun ihr übriges. Ausländische „Fliesenleger“ bieten inzwischen alle Leistungen rund um den Bau an, auch vor sicherheitsrelevanten Gewerken scheuen solche Personen nicht zurück, obwohl sie meist über keinerlei Fachkenntnisse verfügen. Heraus kommt dabei meist nur noch »Baumurks«, so eine weitere volkstümliche Bezeichnung für »Pfusch am Bau«, wobei »Murks« oder »Baumurks« eher verniedlichende Formen für unerträglichen Pfusch oder gar vorsätzlich hergestellte Baumängel darstellen. Dieser Begriff hat es schon zu einer eigenen Homepage Namens »www.baumurks.de« gebracht. Sucht man mit einer Suchmaschine nach diesem Begriff, landet man bei 41.900 Treffern (www.google.de, Stand 11.12.2007).

Baumurks fängt vielfach bereits bei der Planung an. Der „billigste“ Planer bekommt den Planungsauftrag, wenn überhaupt. Eine ausreichende Qualifikation und Erfahrung des beauftragten Planers (Architekt oder Bauingenieur) wird meist nicht hinterfragt. Vielfach leben Bauherren auch in dem Glauben, Planung und Ausführung „aus einer Hand“ seien ein noch günstigerer Weg zur eigenen Immobilie. Schließlich stellt der Bauträger oder Generalunternehmer (GU) ja auch den Bauleiter; der wird’s schon richten. Doch hier ist bereits der erste grundlegende Irrtum zu vermelden. Der Bauleiter des Bauträgers oder GU’s ist nicht dem Bauherrn verpflichtet, sondern ausschließlich seinem Arbeitgeber. Also wird eine Entscheidung über die Ausführung eines Gewerks immer zu Gunsten einer für den Unternehmer „günstigeren“ Lösung ausfallen, auch wenn damit ein Qualitätsverlust für den Bauherrn verbunden ist. Beispielsweise sind Porenbetonsteine ja wie Kalksandsteine auch weiß, aber eben billiger (Folge: vgl. Abb.!). Kann man doch wegen der gleichen Farbe problemlos einbauen. Wen interessiert schon eine Statik, die wird eh nicht benötigt. Es hält doch sowieso alles, „haben wir immer schon so gemacht“. Und Pläne brauchen wir auch nicht, „machen wir schließlich schon seit 30 Jahren so“, außerdem liefert doch die Fertigteilfirma ein paar Verlegepläne.

Der nächste große Irrtum ist, dass man auf in den Augen vieler Bauträger (und leider auch vieler Bauherren) „überflüssige“ Fachplaner verzichtet. Fachplaner sind z.B. der »Statiker« und der Baugrundsachverständige, aber auch auf den Prüfingenieur für Baustatik wird, soweit irgend möglich, gerne verzichtet, da jeweils Kosten für solche Leute anfallen. Der Statiker, von Laien manchmal auch als »Statistiker« bezeichnet, „der haut sowieso die zehnfachen Sicherheiten rein“, „und einen Vertrag mit der Stahl AG hat der sowieso“. „Je mehr der reinkloppt, desto besser für den.“ Der „Bodengutachter“, so die volkstümliche Bezeichnung für den Baugrundsachverständigen, kostet nicht nur Geld, sondern „der hämmert uns nur große Fundamente rein“. Und „der Prüfstatiker hat sowieso keine Verantwortung, außerdem kostet der eh viel zu viel Geld“. „Der ist sowieso grundsätzlich überflüssig, schließlich hat doch schon einer eine Statistik gemacht“; „der verteuert unseren Bau nur, kloppt noch mehr Eisen rein“ und „meckert dann auch noch rum, wenn er meint, einen Fehler gefunden zu haben“.

Der letzte und gravierendste Fehler in einer ganzen Reihe von möglichen Fehlern seitens des Bauherrn ist, auf eine vom Bauunternehmer oder den Handwerkern unabhängige Qualitäts- und Ausführungskontrolle des gesamten Baus einschließlich der Ausbaugewerke zu verzichten (vgl. Bilder). Die Erfahrung zeigt, dass bereits nur die Ankündigung einer unabhängigen Baukontrolle durch einen Prüfingenieur oder Sachverständigen die Handwerker (sofern man solche überhaupt noch auf der Baustelle antrifft) dazu motiviert, sorgfältiger zu arbeiten. Jeder Bauherr ist, sofern er Baulaie ist, mehr als gut beraten, selbst einen ausgewiesenen Baufachmann mit dieser Kontrolle zu beauftragen. Nur dieser kann rechtzeitig eingreifen, wenn sich Baumängel zeigen. Früh genug erkannt, sind diese meist mit weniger Aufwand zu beseitigen. Befindet sich das Gebäude bereits in der geplanten Nutzung, wird’s in der Regel richtig teuer. Zu spät erkannte Baumängel führen meist zu langen und teuren gerichtlichen Auseinandersetzungen, daran verdienen nur Gerichte, Bauanwälte und Bausachverständige. Der geschädigte Bauherr bekommt nach vielen Jahren vielleicht ein für ihn positives Urteil, aber noch lange kein mangelfreies Bauwerk oder zumindest eine geldliche Entschädigung. Schließlich ist der Schadensverursacher spätestens nach dem letztinstanzlichen Urteil im »Insolvenznirwana« verschwunden...

siehe auch:
- Alptraum
- Arglist auf dem Bau
- Baugrundsachverständiger
- Bauleiter
- Bauschäden
- Baustopp
- Bauträger
- Deregulierung
- GU
- Mängelrüge
- Pfusch am Bau
- Polier
- Prüfingenieur für Baustatik
- QS
- Sachverständiger
- Schlamperei
- Schlüsselfertig
- Schrottimmobilie
- Schwarzarbeit
- Schwarzbau
- Vier-Augen-Prinzip