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Treppenformen

Schon lange, bevor mehrstöckige Häuser in Mode kamen, dürfte es Treppen gegeben haben. Es gab genügend Vorbilder in der Natur, wenn beispielsweise bei Terrainunterschieden Steinmassen so gelagert waren, dass mit wenig menschlicher Nachhilfe eine begehbare Treppe entstand. Steintreppen waren auch schon bei den ältesten Monumentalbauten sehr beliebt. Man wusste ihren repräsentativen Charakter zu schätzen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Was wäre“, so fragte der Wiener Kabarettist Gerhard Bronner boshaft, „die deutsche Fernsehshow ohne die Treppe? Nichts wäre sie.“ Die Palast-Architekten des Altertums dachten ähnlich.

Die früheste Vorstufe der häuslichen Treppe war vermutlich der schräg gestellte Baumstamm. Da die raue Rindenoberfläche bei häufiger Benutzung mit der Zeit glatt wurde, kam ein findiger Kopf auf die Idee, den Stamm einzukerben. Einbaumleitern dieser Art waren auf der ganzen Welt verbreitet. In Çatal Hüyük (in der türkischen Provinz Konya in Anatolien) besaß jedes Haus eine hölzerne Leiter aus einem viereckig zugehauenen Baumstamm, die zu einer Öffnung im Dach führte. In Nordchina gelangte man über Einbaumleitern auf den Boden der Höhlenwohnungen. Auf den Admiralitätsinseln im Stillen Ozean war dieses Prinzip ebenfalls bekannt.

Aus dem eingekerbten Baumstamm entwickelten sich schließlich die Sprossenleitern. Von da an war es bis zur einfachen Holztreppe mit verbreiterten Sprossen nur noch ein kleiner Schritt, der allerdings für den ganz unmonumentalen Wohnungsbau zur Regel wurde. Die massive Steintreppe dagegen entwickelte sich zum festen Bestandteil der Architektur. Sie hatte oft Symbolcharakter, ohne auf die niedrigen menschlichen Bedürfnisse einzugehen. Bei den Pyramiden der mittelamerikanischen Hochkulturen beispielsweise war die Steigung der Treppen nach kultischen Grundsätzen ausgerichtet, nicht nach dem menschlichen Schrittmaß.

Während sich auch die mit gewaltigem Prachtaufwand gestalteten Treppen des Barock vom ganz simplen Steigbaum ableiten lassen, hat die Wendeltreppe eine eigene Entwicklung aufzuweisen. Ihr Vorbild waren die antiken Triumphsäulen, die in spiralförmige Reliefs die Ruhmestaten ihrer Erbauer rühmen.

Im ausgehenden Mittelalter wurde die schwierig zu konstruierende und sehr teure Wendeltreppe zum Statussymbol der Bauherren. Berühmt wurde die Treppe des Schlosses Chambord an der Loire, das Franz I. von Frankreich 1519 zu bauen befahl. Es ist eine Treppe mit einer doppelten Schraubenwindung, auf der ein Herunterkommender den Hinaufgehenden nicht sieht, „eine Treppe der Ränke und absurden Verfehlungen, der ineinander verschlungenen, aber gegenläufigen Windungen“, so der französische Schriftsteller Gascar (1916-1997).

In den alten Hochkulturen, in Ägypten, Mesopotamien und Mittelamerika galt die Freitreppe als Symbol für die Vereinigung der Erde mit dem Himmel. Im Prinzip überall gleich, gibt es die unterschiedlichsten Treppenformen und Ausgestaltungen - Sprossenleitern, die als Treppe in die Baumhütten Südindiens führen, und prunkvolle Treppenhäuser im Barock. Das 19. Jahrhundert war überhaupt das Jahrhundert der breiten, repräsentativen Außentreppen. Beispiele hierfür sind die Außentreppe von Schloss Solitude bei Stuttgart und Schloss Favorite bei Ludwigsburg.

Ausgehend von diesem geschichtlichen Rückblick wird klar, dass Treppen auch vielen modischen Entwicklungen unterliegen oder die Form von bestimmten Einbausituationen bestimmt wurde und immer noch wird. Daher lassen sich je nach der Form und der Zahl der Treppenläufe unterschiedliche Treppenformen beschreiben. Unterschieden werden Treppen danach, ob die Läufe im Grundriss gerade oder gekrümmt sind, ferner, ob sie ein- oder mehrläufig sind. Einläufig bedeutet, dass die Treppe keinen Zwischenabsatz, d.h. kein Treppenpodest aufweist. Mehrläufige Treppen dagegen verfügen über mindestens ein Zwischenpodest.

Treppen werden nicht nur nach der Form unterschieden (vgl. Abb., sondern auch nach der Funktion. So dienen Treppen z.B. als Fluchttreppe, Geschosstreppe, Eingangstreppe oder Balkontreppe. Die Rolltreppe ist aus den modernen Kaufhäusern und U-Bahnstationen nicht mehr wegzudenken. Raumspartreppen werden eingesetzt, wenn nur wenig Platz zur Verfügung steht, jedoch ist deren Begehbarkeit eingeschränkt.

siehe auch:
- Blockstufe
- Eingangstreppe
- Einschubtreppe
- Fluchttreppe
- Gewendelte Treppe
- Lauflinie
- Raumspartreppe
- Rolltreppe
- Satteltreppe
- Spindeltreppe
- Treppe
- Treppengrundrisse
- Treppenteilbezeichnungen
- Treppenwange
- Trittstufe
- Umwehrung
- Wangentreppe
- Wendeltreppe