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HWL-Platten

Die verschiedentlich benutzte Abkürzung »HWL-Platten« steht für die bekanntere Bezeichnung »Holzwolleleichtbauplatten«. Weitere Bezeichnungen sind »Heraklith-Platten« (benannt nach dem bekanntesten Hersteller solcher Platten) oder scherzhaft wegen ihres typischen Aussehens auch »Sauerkrautplatten«. Das Wort „Leichtbauplatte“ suggeriert, dass es sich um eine leichte Platte handelt. Dem ist aber nicht so. Bestandteil von HWL-Platten sind neben langfaserig gehobeltem Laub- oder Nadelholz nämlich mineralische Bindemittel, also Zement (Portlandzement) oder kaustisch (unterhalb der Sintergrenze) gebrannter Magnesit, gelegentlich (aber selten) auch Gips. Damit zählen HWL-Platten zu den schwersten Platten unter den Holzwerkstoffen. Die Herstellung von HWL-Platten beruht auf einem im Jahre 1908 in Österreich erteilten Patent. Durch die Einführung der europäischen Dämmstoffnorm zum 1. Juni 2003 wurde der bis dahin offiziell gebrauchte Begriff »Holzwolleleichtbauplatte« durch den Begriff »Holzwolle-Platte« ersetzt, gleichwohl wird der alte Begriff in der Praxis weiter verwendet. Am Aufbau der HWL-Platten hat sich durch diese Umbenennung jedoch nichts verändert.

HWL-Platten, die mit Zement als Bindemittel hergestellt sind, sind wenig feuchtempfindlich, weshalb sie auch im Außenbereich, z.B. als Putzträger bei Fassaden, eingesetzt werden. Aufgrund des hohen Gewichts eignen sich die steifen HWL-Platten auch als Wandbaustoff für schalldämmende Konstruktionen, aber auch bezüglich des vorbeugenden Brandschutzes finden solche Platten Verwendung (Zement oder Magnesit brennen schließlich nicht); eine Feuerwiderstandsdauer von 30 Minuten (F 30) stellt kein Problem dar, da sie als schwer entflammbar eingestuft sind. Hinsichtlich der Wärmedämmeigenschaften sind HWL-Platten dagegen deutlich weniger gut als andere hölzerne Plattenbaustoffe, lediglich die Wärmespeicherfähigkeit ist besser, da es sich um einen vergleichsweise massiven Baustoff handelt. Zur Verbesserung der Wärmedämmeigenschaften hat die Industrie daher spezielle Mehrschichtplatten entwickelt, bei denen der Kern aus Wärmedämmstoff wie Polystyrol oder Steinwolle besteht und beidseitig jeweils eine Deckschicht aus zementgebundener Holzwolle aufweist. Die Verarbeitung von HWL-Platten gestaltet sich ähnlich einfach wie die der anderen Holzwerkstoffe auch; solche Platten können gesägt, gebohrt und genagelt werden.

Zur Herstellung der HWL-Platten werden nur ökologisch unbedenkliche Ausgangsstoffe benötigt. Das Holz wird aus heimischen Hölzern wie Fichte und Kiefer gewonnen, der Zement aus Kalkstein, Kalkmergel, Ton und Sand. In einer Holzwollemaschine werden die zuvor (in der Regel an der Luft) getrockneten Holzstämme zu Holzwolle verarbeitet. Chemikalien wie Formaldehyd oder Pilzgifte kommen nicht zum Einsatz. Durch die Verwendung von Zement oder Magnesit als Bindemittel werden die Holzfasern vollständig von diesem mineralischen Bindemittel umhüllt, so dass diese nicht oder nur sehr schwer entflammbar sind, nicht verrotten können und ihr hohes Raumgewicht erhalten. Zementgebundene HWL-Platten sind grau, magnesitgebundene HWL-Platten dagegen beige.

HWL-Platten können sowohl zur Verkleidung von Wänden als auch von Decken eingesetzt werden. Bleiben HWL-Platten unverputzt, wirken diese aufgrund ihrer offenen Porenstruktur als Schallabsorber. Verputzt man sie, sind sie nicht nur ein guter Putzträger, sondern wegen ihres hohen Gewichts auch gute Schalldämmplatten. Aufgrund dieser positiven Eigenschaften werden HWL-Platten bereits seit Jahrzehnten im Baubereich eingesetzt; in den letzten Jahren werden sie jedoch zunehmend durch andere Plattenbaustoffe wie Gipskartonplatten oder OSB-Platten verdrängt.

Nachteilig sind der relativ hohe Energieverbrauch bei der Herstellung von HWL-Platten, außerdem können sie kaum wieder verwendet werden, dafür jedoch problemlos auf einer Deponie entsorgt werden. Wie bei allen anderen Baustoffen auch gibt es auch für HWL-Platten entsprechenden Normen, und zwar DIN 1101 sowie DIN 1102.

siehe auch
- Feuerwiderstandsdauer
- Holzwolleleichtbauplatten
- Magnesia
- Magnesiazement
- Magnesit
- MDF
- OSB-Platten
- Putzträger
- Spanplatte
- Steinholz
- Zement