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Flur

Im baurechtlichen Sinne versteht man unter einem »Flur« einen abgeschlossenen Raum oder Gang, der innerhalb einer Wohnung oder eines Gebäudes die daran angrenzenden Räume bzw. Nutzungseinheiten erschließt.

Bei einem »notwenigen Flur« handelt es sich um einen baulich abgeschlossenen Nebenraum innerhalb eines Gebäudes, der zur Erschließung einer oder mehrer Nutzungseinheiten dient, z.B. in einem Mehrfamilienwohnhaus. Flure gehören in Gebäuden mit mehreren Nutzungseinheiten (unabhängig von der jeweiligen Nutzung innerhalb einer Nutzungseinheit) zu den Rettungswegen, indem sie die Verbindung zwischen den Ein- und Ausgängen und den Treppenräumen herstellen. Sobald zwei oder mehr Wohn- oder Nutzungseinheiten innerhalb eines Gebäudes vorhanden sind, wird zur Erschließung dieser Nutzungseinheiten ein Flur erforderlich, wenn diese ausschließlich über einen innerhalb des Gebäudes gelegenen Raum erschlossen werden.

An notwenige Flure werden erhöhte Anforderungen sowohl an die Verkehrssicherheit als auch an den Brandschutz gestellt. Flure müssen danach eine ausreichende Breite aufweisen, um Gegenstände wie Möbel hindurch transportieren oder im Ernstfall eine Rettung ermöglichen zu können. Aber auch die Lagerung von Materialien oder gar brennbaren Stoffen ist innerhalb eines notwenigen Flurs nicht zulässig. Im Brandfall muss ein Flur zudem über einen definierten Zeitraum ausreichend standsicher sein, meist verbunden mit der Forderung, keine brennbaren Baustoffe zu verwenden. Liegt der Flur innerhalb eines Gebäudes, ohne dass dieser durch natürliches Tageslicht über Fenster beleuchtet wird, sind diese mit künstlichem Licht ausreichend zu beleuchten. Grundsätzlich sind in notwendigen Fluren keine Stolperfallen wie Absätze oder Höhensprünge zulässig. Darunter fallen beispielsweise auch Stufenfolgen mit weniger als drei Stufen.

Dass beengte Verhältnisse im Flur auch zu Streitigkeiten führen können, belegen verschiedene vor deutschen Gerichten ausgetragene Auseinandersetzungen. In einem Presseartikel vom 9. Februar 2006 wird beispielsweise berichtet, dass im konkreten Fall Kinderwagen nicht im Gemeinschaftsflur abgestellt werden dürfen, wenn dadurch die Mitbewohner in unzulässiger Weise behindert werden. In einer alternden Gesellschaft wie der unsrigen ist es zwar geboten, auf Familien mit Kindern Rücksicht zu nehmen. Dennoch muss diese Rücksichtnahme nicht so weit gehen, dass rücksichtsloses Versperren von Hausfluren durch Kinderwagen von den übrigen Hausbewohnern hingenommen werden muss. Diese Grenzen der Familienfreundlichkeit hat das Oberlandesgericht in einem entsprechenden Urteil aufgezeigt (Aktenzeichen: 15 W 444/00).

Im verhandelten Fall ging es darum, dass den Nachbarn einer jungen Familie kaum noch ausreichend Platz zur Verfügung stand, um ungehindert in ihre eigenen Wohnungen zu gelangen, da im Hausflur ständig Kinderwagen den Weg versperrten. Die zur Verfügung stehende Gasse wies nur noch eine Breite von 50 cm auf, und das auch über längere Zeit und nicht nur gelegentlich. Die Mehrheit der Eigentümergemeinschaft verabschiedete daraufhin eine neue Hausordnung, in der ausdrücklich geregelt wurde, dass solche Einschränkungen nur noch gelegentlich vorkommen dürfen. Die Kinderwagen mussten daher in einem Kellerraum untergebracht werden, da in der Wohnung selbst offensichtlich ebenfalls nicht genug Platz war. Verständlich ist, dass die junge Familie mit dieser Regelung nicht einverstanden war. Sie begründete dies damit, dass es ihr nicht zuzumuten sei, den Kinderwagen ständig über die Kellertreppe hinunter und auch wieder hinaufzuschleppen, da im Haus ja kein Aufzug vorhanden sei. Mit diesen unterschiedlichen Auffassungen befassten sich schließlich drei Gerichtsinstanzen, angefangen vom Amtsgericht über das Landgericht bis letztlich zum Oberlandesgericht in Hamm.

Die Richter des Oberlandesgerichts entschieden in letzter Instanz, dass lediglich das vorübergehende Abstellen des Kinderwagens im Gemeinschaftsflur gestattet sei (Aktenzeichen 15 W 444/00). Danach dürfen die Eltern, wenn sie sich nur kurz in der Wohnung aufhalten, während dieser Zeit den Kinderwagen im Hausflur abstellen, da es ihnen nicht zuzumuten sei, jedes Mal den Kinderwagen in den Keller zu schaffen und kurze Zeit später wieder von dort über die Treppe nach oben zu transportieren.

Anders verhält es sich dagegen, wenn keine Ausflüge oder ähnliches geplant seien. Aber auch in den Abendstunden sowie während der Nacht darf der Kinderwagen nicht im Gemeinschaftsflur abgestellt werden, schließlich müsse auch den Nachbarn ermöglicht werden, während dieser Zeit den Flur ungehindert zu benutzen. Letztlich müsse es den Nachbarn zudem auch ermöglicht werden, selbst einmal sperrige Gegenstände durch den Flur zu transportieren.

Einen wichtigen Aspekt haben die Richter allerdings nicht erwähnt: Gerade der Flur in einem Mehrfamilienhaus muss im Falle eines Unglücks (z. B. bei einem Brandereignis) als Rettungsweg nutzbar sein, auch die Feuerwehr muss ggf. über den Gemeinschaftsflur schnell und ungehindert zum Brandherd gelangen können. Dieser Gesichtspunkt wiegt nach hiesiger Auffassung nochmals deutlich schwerer als die Einschränkungen der Nutzung der Nachbarn durch einen abgestellten Kinderwagen.

siehe auch:
- Arkaden
- Brandlast
- Nachbar
- Nebenraum
- Rettungsweg
- Rolltreppe
- Treppe
- Vestibül
- Wehrgang