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Honorar

Das »Honorar« (lateinisch »honorarium« = »Ehrengabe«, »Belohnung«, italienisch »Ehrensold«, abgeleitet von »honor« = »Ehre«) ist die Vergütung der freien Berufe für erbrachte Leistungen. Zu den freien Berufen gehören z.B. die

• Ärzte,
• Rechtsanwälte,
• Steuerberater,
Architekten,
Bauingenieure (Ingenieure),
• ö.b.u.v. Sachverständige,
• Schriftsteller,
• Künstler (z.B. Maler, Grafiker, Fotomodelle, Schauspieler, wobei man bei dieser Gruppe sowie den Schriftstellern nicht von Honorar spricht, sondern von »Gage«).

Für nahezu jede Gruppe der freien Berufe wurden vom Gesetzgeber entsprechende Honorarordnungen herausgegeben, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen novelliert werden. Die Höhe des Honorars z.B. der Architekten und Bauingenieure ergibt sich aus der für diese Berufsgruppe maßgebenden »Honorarordnung für Architekten und Ingenieure«, abgekürzt »HOAI«. Werden Honorare frei vereinbart, gelten im Zweifelsfalle Angemessenheit und Üblichkeit (§ 612 BGB, § 24 Verlagsgesetz). Das Honorar für Schriftsteller und Künstler wird jeweils frei vereinbart, es kann als einmaliges Pauschalhonorar ausgezahlt werden, aber auch laufende Gewinnbeteiligungen (Absatzhonorar) sind möglich. Honorare sind immer als Bruttohonorare zu verstehen, d.h., dass diese jeweils vom Honorarempfänger zu versteuern sind, außerdem müssen aus den Honorareinnahmen sämtliche Kosten wie z.B. Büromiete, Berufshaftpflichtversicherung, Kammerbeiträge, Gehälter der Mitarbeiter, Telefonkosten, private Kranken- und Rentenversicherung usw. beglichen werden.

Freiberufler sind zwar in ihrer beruflichen Tätigkeit »frei«, unabhängig und nicht weisungsgebunden, d.h. sie erhalten keinen Lohn, dennoch können sie nicht von Luft allein leben, sie sind daher auf die Entrichtung des »Ehrensolds« durch ihre Auftraggeber angewiesen. Für den Baubereich richtet sich die Höhe des Honorars nach der bereits genannten HOAI, die entsprechende Mindestsätze und Höchstsätze vorsieht, die nicht unterschritten, aber auch nicht überschritten werden dürfen. Die HOAI ist eine vom Bund festgelegte Berechnungsgrundlage für die Inanspruchnahme der in der Gebührenordnung erfassten Leistungen. Die HOAI wurde zuletzt im Jahre 1996 novelliert, seit dieser Zeit sind also die Honorare der Architekten und Ingenieure nicht mehr an die wirtschaftliche Entwicklung angepasst worden; für viele andere Berufsgruppen eine unvorstellbare Zumutung.

Das folgende Urteil haben wir für Sie unter
• www.finanztip.de/recht/sonstiges/ur10g00004.html
gefunden:

Architektenhonorar bei vorzeitiger Kündigung

Ein Architekt wurde von einem Bauherrn mit der Durchführung der Leistungsphasen 1 bis 9 gemäß der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) zur Errichtung eines Wohn- und Geschäftshauses beauftragt. Als sich der Bauherr ohne Grund weigerte, vereinbarte Abschlagszahlungen zu leisten, kündigte der Architekt den Vertrag und verlangte die Bezahlung der bereits vollständig erbrachten Leistungen der Phasen 1 und 2. Für die weiteren Phasen stellte er das vereinbarte Honorar abzüglich der infolge der Kündigung und Nichtausführung der Arbeiten ersparten Aufwendungen in Rechnung. Bei den als erspart anzusetzenden Aufwendungen bezifferte und belegte der Architekt die mutmaßlich aufzuwendenden Personalkosten für Architekten- und Ingenieurleistungen, Zeichen- und Büromaterial, die anteilige Haftpflichtversicherung, Telefon-, Porto-, Fotokopie- und Kfz- Kosten sowie Verschleiß an Zeichen- und Schreibgerät. Die Personalkosten legte er im Einzelnen nach Stundenzahl und Stundenkosten eines Diplomingenieurs und eines technischen Zeichners dar.

Kein Zweifel bestand daran, dass der Bauherr die bereits erbrachten Leistungen der Phasen 1 und 2 in voller Höhe zu bezahlen hatte. Auch die Berechnung hinsichtlich der noch nicht erbrachten Leistungen ließ der Bundesgerichtshof unbeanstandet. Bei der Schlussrechnung eines Architekten für nicht erbrachte Leistungen muss dieser detailliert und nachvollziehbar vortragen, welchen Aufwand er auf Grund der vorzeitigen Kündigung eingespart hat. Mit der von dem Architekten vorgenommenen Aufstellung der ersparten Kosten war dem Informations- und Kontrollinteresse des Bauherrn in ausreichender Form Genüge geleistet. Der Architekt brauchte auch die Personalkosten nicht nach den einzelnen Leistungsphasen aufzuschlüsseln. Da auch der Ansatz und Zuschlag variabler, projektbezogener Gemeinkosten nicht zu beanstanden war, sprach das Gericht dem Architekten das eingeklagte Honorar zu.

Urteil des BGH vom 30.09.1999, VII ZR 206/98, RdW 2000, 18.

siehe auch:
- BGH
- Courtage
- HOAI
- Kostenplanung
- Makler
- Nebenkosten
- Notarkosten
- Unwissenheit
- Vergütung
- VOB
- Vorschuss