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Dachdecker

Der Beruf des »Dachdeckers« zählt zu den ältesten und wichtigsten Bauberufen überhaupt. Der Schutz von Mensch und Tier vor den Witterungseinflüssen und den Naturgewalten war und ist das vorrangige Ziel einer jeden Bautätigkeit. Ohne die fachlich einwandfreie Leistung des Dachdeckers gibt es keine dichten Dächer, und dies vom kleinen Stallgebäude bis zum hohen Kirchturm oder den Turmspitzen großer Wolkenkratzer. Der Dachdecker ist aufgrund der Ausdehnung seines Berufsbildes inzwischen auch für die Abdichtung von Fundamenten und Kellern der richtige Handwerker, ja selbst Solaranlagen werden vom Dachdecker inzwischen installiert. In Norddeutschland gibt es eine spezielle Ausbildungsrichtung des Dachdeckers für die Verarbeitung von Reet, da dieses Naturmaterial nicht mit den üblichen „harten“ Bedachungsstoffen wie Schiefer oder Dachziegeln aus gebranntem Ton vergleichbar ist und spezielle Handwerkstechniken für dessen Verarbeitung erlernt werden müssen. Die Ausbildungsdauer beträgt in der Regel drei Jahre. Der Volksmund bezeichnete früher einmal scherzhaft das Dachdeckerhandwerk als »Handwerk zwischen Himmel und Erde«.

Grundsätzlich müssen Gebäude, die von Menschen und Tieren bewohnt bzw. benutzt werden, vor eindringender Feuchtigkeit, wozu nicht nur Regen oder Schnee gehören, sondern auch Grundwasser oder aufsteigende Bodenfeuchtigkeit, dauerhaft geschützt werden. In diesem Zusammenhang muss man wissen, dass auch Stahlbetonwände und -fundamente nicht in jedem Falle eine ausreichende Dichtigkeit gegen eindringendes Wasser aufweisen, häufig benötigen diese Bauteile einen zusätzlichen Schutz in Form einer Abdichtung aus Bitumenbeschichtungen oder Folien. Beton ist kein absolut dichter Baustoff, er ist mehr oder weniger porös. Durch die Kapillarwirkung kann somit Feuchtigkeit in höher gelegene Bauteile aufsteigen. Werden Kellerräume als Wohn- oder Lagerräume genutzt, kann eine zu hohe Bauteilfeuchte schnell zu Bauschäden bis hin zur Schimmelpilzbildung führen. Damit ist der Dachdecker bereits bei der Herstellung der Fundamente gefragt. Er bringt eine Abdichtungsebene gegen das Grundwasser ein, um damit die statisch tragende Konstruktion gegen eindringendes Wasser und Bauteile gegen Frostschäden zu schützen.

Nur absolut trockene Keller oder Räume im Tiefparterre können später auch zu Wohnzwecken ausgebaut werden, wenn man keine Minderung der Wohnqualität in Kauf nehmen möchte. Aber auch eine einwandfreie Abdichtung im Bereich der Nasszellen von Bädern und Duschen ist unumgänglich, um Durchfeuchtungen von angrenzenden Bauteilen zu vermeiden. Auch Balkone, Terrassen oder begrünte Tiefgaragendecken müssen sorgfältig abgedichtet werden, um die geforderte Wohnqualität zu erreichen. Werden Balkone oder Terrassen nicht fachgerecht abgedichtet und gegen eindringendes Niederschlagswasser geschützt, führt dies schnell zu nicht unerheblichen Bauschäden, durch Bauteile hindurch diffundierendes Wasser führt häufig zu Schimmelpilzbildung in Wohnräumen. Regenwasser muss generell vom Gebäude weggeführt werden, Wärmebrücken müssen konsequent vermieden bzw. minimiert werden. Kondensierendes Wasser im Bereich von geometrischen (z.B. Gebäudeecken oder auskragenden Balkonplatten) oder stofflichen Wärmebrücken (z.B. bei gedämmten Zwischensparrenbereichen) bietet den überall in der Luft vorhandenen Schimmelpilzsporen eine wichtige Grundlage für deren ungehemmte Vermehrung.

Der Dachdecker deckt also nicht nur Dächer mit den unterschiedlichsten Materialien ein, sondern dichtet auch Balkone, Terrassen, begrünte Flachdächer und Tiefgaragendecken ab, sondern auch Kellerwände und -schächte, Fundamente und andere Bauteile, die mit Wasser in Berührung kommen können. Der qualifizierte Dachdecker kennt die einschlägigen Normen und Fachregeln wie z.B. die Flachdachrichtlinien. Jeder Bauherr ist also mehr als gut beraten, für sein Objekt einen lokal ansässigen Dachdeckermeisterbetrieb mit der Eindeckung bzw. Abdichtung seines Alt- oder Neubaus zu beauftragen. Nur der Fachmann verfügt über die notwenigen Kenntnisse der verschiedenen Baumaterialien, die im Bereich der Dacheindeckung Verwendung finden, sondern auch über die handwerklich richtige Ausführung. Schwierige Dachdetails wie First- und Gratanschlüsse, Kehlen und Rohrdurchführungen, aber auch Gaubenanschlüsse und Dachflächenfenster gehören zum handwerklichen Rüstzeug des Dachdeckers.

Aufgrund der Aufweitung des Aufgabengebiets des Dachdeckers auch auf die Abdichtungen von Wänden und Decken (z.B. Decken von Tiefgaragen) kann man diesen inzwischen auch als »Dach-, Wand- und Abdichtungstechniker« bezeichnen. Will man eine Ausbildung zum Dachdecker absolvieren, muss man nicht nur über gute Rechenkenntnisse und eine gute Auffassungsgabe verfügen, sondern auch gut räumlich denken können und einen Sinn für Formen und Linienführung haben. Ausgebildet wird der Dachdecker im in Deutschland üblichen Dualen System, d.h.: sowohl in der Berufsschule als auch im Dachdeckerbetrieb (der von einem Meister geführt werden muss), wobei auch noch zusätzliche ausbildungsbegleitende überbetriebliche Unterweisungen stattfinden.

Nicht jeder Dachdecker ist gleichzeitig auch ein Fachmann für den Einbau von Solaranlagen, wie vereinzelt werblich hervorgehoben wird. Die hierzu benötigten Spezialkenntnisse können nur durch konsequente Weiterbildung erworben werden. Die Technik der Solarkollektoren ist inzwischen nahezu ausgereift, auch architektonischen Ansprüchen genügen moderne Anlagen. Den Einbau der Kollektoren kann der Dachdecker zwar übernehmen, der versierte Heizungsanlagenbauer ist jedoch ebenfalls vonnöten. Die Planung einer Solaranlage gehört nach eigener Erfahrung grundsätzlich in die Hände eines von Lieferinteressen unabhängigen und auf solche Systeme spezialisierten Fachmanns.

Ein weiteres Betätigungsfeld des Dachdeckers ist der Einbau von Dachflächenfenstern. Häufig übernimmt der Dachdecker auch die Montage von Regenrinnen und Regenfallrohren sowie Blitzschutzanlagen, somit ergeben sich Überschneidungen zum Spengler.

Ausdrücklich gewarnt wird vor den sogenannten »Dach- und Fassadenhaien«, deren Lockvogelangebote man häufig in der Tageszeitung lesen kann oder die von Tür zu Tür gehen und in der Art von Drückerkolonnen ihre zweifelhaften Leistungen anbieten. Solche vermeintlichen Billiganbieter richten häufig größere Folgeschäden an, die dann teuer vom ortsansässigen Dachdeckermeister saniert werden müssen.

Je nach Region und den dort vorherrschenden strukturellen Gegebenheiten wird sich der Dachdecker auf bestimmte Bereiche spezialisieren; einige Betriebe können durchaus auch mehrere Fachbereiche mit entsprechend qualifizierten Fachleuten abdecken. Diese Bereiche sind:

Schiefer-/Dachplattendeckung (z.B. im Sauerland mit seinen typischen Naturschieferdächern und -fassaden)
Dachziegel-/Dachsteindeckung,
Dach-/Bauwerksabdichtung,
• Außenwandbekleidungen,
Blitzschutz,
• Solartechnik,
• Metalldeckung,
Dachentwässerung und
Reetdachdeckung (z.B. in Norddeutschland).

Der Ausspruch „Das kannst du halten wie ein Dachdecker“ entstand Ende des 19. Jahrhunderts, weil die Dachdecker nicht kontrollierbar waren: kein Bauherr hatte den Mut, aufs Dach zu klettern, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist

siehe auch:
- Asbest
- Bezirksschornsteinfegermeister
- Dachhandwerker
- Flaschner
- Gilde
- Klempner
- Kupferschmied
- Maurer
- Reetdach
- Restaurator
- Spengler
- Tischler
- WU-Beton
- Zimmermann
- Zunft