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Stützmauer

Der Lebensraum wieder immer kleiner, in der Folge wird das bebaubare Land und damit auch das Bauland immer teurer. Um Grundstücke besser nutzen zu können, werden zunehmend Böschungen oder steile Hanglagen durch den Bau von »Stützmauern« eingeebnet. Eine Stützmauer ist eine künstlich hergestellte Wand, die zum Überbrücken von Hanglagen dient. Neue Stützmauern werden heute in der Regel aus Stahlbeton hergestellt, im Straßenbau erfolgt häufig eine luftseitige Verkleidung der Betonkonstruktion mit Natursteinen. Stützmauern können aber auch vollständig aus Natursteinen in Form von Schwergewichtsmauern oder als Gabionenkonstruktionen ausgeführt werden, bei kleineren Geländesprüngen, z.B. im Rahmen der Gartengestaltung, sind auch Trockenmauern möglich.

Das statische Grundprinzip aller Stützmauerarten besteht darin, dass die Stützmauer dem hangabwärts wirkenden Erddruck ihr Eigengewicht entgegenstellt. Um Material zu sparen, werden Stützmauern mit einem hangseitigen Sporn versehen, auf die dann das Erdreich gleichzeitig quasi als Gegengewicht einwirkt und die Standsicherheit erhöht. Eine solche Winkelstützmauer muss daher aus Stahlbeton hergestellt werden, da nur dieser wirtschaftliche Baustoff in der Lage ist, die gleichzeitig auftretenden Zugspannungen im Bauteilquerschnitt über die eingelegte Bewehrung aufzunehmen. Außer aus Natursteinen können Stützwände auch aus Stahlbetonfertigteilen hergestellt werden oder an Ort und Stelle aus Ortbeton, der dann in eine vom Tragwerksplaner (Statiker) vorgegebene Form gegossen (betoniert) wird. Grundsätzlich ist bei allen Stützmauerkonstruktionen zu beachten, dass diese nur auf der Grundlage einer statischen Berechnung hergestellt werden dürfen. Ausgenommen davon sind lediglich kleinere Mauern im eigenen Garten oder im öffentlichen Raum, wenn die Höhe bestimmte (geringe) Grenzen nicht überschreitet. Aber selbst eine Stützmauer geringer Höhe (z.B. 80 cm) stellt eine Gefahr dar, wenn bei der Errichtung einer solchen Mauer statische Grundprinzipien nicht beachtet werden.

Stützmauern sind seit ältester Zeit bekannt. Sie werden überall dort errichtet, wo mit einer Gefährdung des Gleichgewichts im Boden, etwa durch Erdrutsch, Risse oder äußere Einwirkungen wie Wasserdruck, zu rechnen ist. Werden Stützmauern im Bereich von Ufern hergestellt, bezeichnet man diese dann als Ufermauer. Um den Materialverbrauch bei der Herstellung von Stützmauern möglichst gering zu halten, wurden bereits früher Strebepfeiler eingesetzt, die man in Abwandlung auch bei Kirchenbauwerken sehr häufig sieht. Stützmauern aus Natursteinen sind nur mit entsprechender Handarbeit herstellbar, aber auch bei Ortbetonkonstruktionen kann auf viel Handarbeit nicht verzichtet werden. Lediglich bei werksmäßig hergestellten Winkelelementen kann der Anteil der Handarbeit verringert werden, wobei der Einsatz von Fertigteilen nur auf standardisierte Bereiche mit vergleichsweise geringen Lasten begrenzt ist.

Beim Bau von Stützmauern an Grundstücksgrenzen sind sowohl nachbarrechtliche als auch baurechtliche Vorschriften zu beachten. Im nachbarrechtlichen Sinne gilt eine Stützmauer, die im Rahmen einer Bodenerhöhung ausgeführt wird, nicht als Einfriedung. Im baurechtlichen Sinne dürfen Stützmauern an Grundstücksgrenzen oder auf Grundstücken nicht beliebig hoch ausgeführt werden, die Auflagen des lokal gültigen Bebauungsplans sind ebenfalls bindend. Das öffentliche Baurecht enthält weitere nachbarschützende Vorschriften bezüglich der möglichen Höhe und der Lage von Stützmauern.

Der Einsturz von Stützmauern kommt häufiger vor, als viele glauben. In der Presse finden solche Einstürze wenig Resonanz, wenn weder Personenschäden zu beklagen sind und/oder in der Folge bekannte oder bedeutende Bauwerke in Mitleidenschaft gezogen werden. Besonders tückisch ist das Langzeitverhalten von mangelhaft ausgeführten Stützmauern. Hierzu muss man wissen, dass sich der hinter der Stützmauer befindliche Erdkeil erst allmählich setzt und den auf die Stützmauer einwirkenden Erddruck langsam vergrößert. Dieser Vorgang kann durchaus viele Jahrzehnte dauern. Zuerst stellen sich vielleicht kleinere Risse ein oder die Wand stellt sich allmählich schief, um dann eines Tages ohne weitere Vorankündigung einzustürzen, wie folgende kleine Pressemeldung (in Deutschland ohne Bildmaterial veröffentlicht) einmal mehr belegt:

Meldung vom Freitag, 13. Mai 2005 / 17:12 h
Stützmauer (retaining wall) in Manhattan eingestürzt

New York - Im Norden des New Yorker Stadtteils Manhattan ist eine 23 Meter hohe Stützmauer eingebrochen. (bert/sda)

Dabei wurde eine Lawine aus Schutt, Bäumen und geparkten Autos auf den darunter liegenden Highway geschüttet.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sagte dem Nachrichtensender CNN erleichtert, dass der Einsturz des fast 100 Jahre alten Stützwalls zum Glück niemanden getötet oder verletzt hat.

Nach Augenzeugenberichten war der betroffene Abschnitt der Schnellstrasse trotz Feierabendverkehrs zum Zeitpunkt des Unglücks wie durch ein Wunder gerade unbefahren. Wenige Stunden später legte ein Feuer auf einer Brücke zwischen New York und dem benachbarten Bundesstaat New Jersey auch den Bahnverkehr nach Manhattan lahm.

Und auf der Homepage

• www.wirednewyork.com/forum/showthread.php?t=6263

fand sich hierzu folgender Bericht:

Henry Hudson Parkway Is Buried After Hillside Gives Way

By TIMOTHY WILLIAMS
Published: May 12, 2005

A sizable section of retaining wall collapsed onto the Henry Hudson Parkway in hilly northern Manhattan this afternoon, sending tons of dirt, rock and trees onto the roadway, snarling traffic for miles around and leading to the evacuation of nearby buildings.

“The good news is that no one has been injured, as far as we can tell,” Mayor Michael R. Bloomberg said this evening in a news conference in Washington Heights, near the site. “The rest of the wall at the moment appears stable.”

The mayor said that a police officer happened to be on the scene when the wall collapsed and had reported that there was “no pedestrian or vehicle traffic at the time.”

When the retaining wall gave way, debris - including entire trees and hundreds of huge stones - cascaded onto the roadway, which is lined on the east side with high-rise apartment buildings situated on terraces. Immediately after the collapse around 4 p.m., firefighters rushed to the site near 181st Street in Upper Manhattan and used thermal imaging equipment and search dogs to try to determine if anyone was trapped beneath the landslide, which covered both an access road and the north side of the parkway.

Television pictures from news helicopters hovering overhead showed a number of cars parked along the base of the stone-and-mortar wall on the access road, which just a few feet south becomes Riverside Drive, but there was no sign that any occupied vehicles had been buried. Residents said that as many as a dozen parked cars were under the mound of dirt and rubble. Television pictures also showed a playground next to the collapse, behind a portion of the wall that remained intact.

Repair work on the wall, built about 1908, will begin as early as next week, Mayor Bloomberg said.

Judging by the portions of the wall that remained standing, the section that collapsed appeared to be about 300 feet long and 50 feet high. Rubble was piled at least 25 feet high on the access road, with a lesser amount spilling out onto the Henry Hudson Parkway, which is also called Route 9A.

The southbound lanes of the divided highway, as well as railroad tracks farther west, along the Hudson River shoreline, were not directly affected, although the authorities closed the parkway in both directions to traffic in the area.

The northbound parkway is "going to be closed for awhile - we don't know what awhile is," Mr. Bloomberg said.

Castle Village Apartments, a 16-story building near the collapse, remained evacuated early this evening while officials determined whether it was structurally sound. The commissioner of the Department of Buildings, Patricia Lancaster, said a preliminary investigation indicated that the building was safe.

The residents of the other buildings in the area were allowed to return home this evening.

The section of the parkway where the wall collapsed was not heavy with traffic at the time because most commuters typically exit two or so blocks south to get to the George Washington Bridge, across the Hudson River, or to the entrance to the Cross Bronx Expressway.

Television pictures showed traffic tied up along much of the West Side of Manhattan. The Holland and Lincoln tunnels were initially backed up for more than an hour as New Jersey commuters sought alternate routes home. But by 8 p.m., many of the tie-ups appeared to be easing.

City officials said that the wall was last repaired in the 1980's, and that it might have been damaged by water from a private park above the wall.

Engineers “had been doing a number of things on this wall for 15 to 20 years,” Mr. Bloomberg said.

Residents told WNBC-TV that it was well known in the neighborhood that the wall appeared to be unstable. WCBS-TV showed pictures it said were taken recently and showed part of the wall bulging.

siehe auch:
- Bruchsteinmauern
- Einfriedung
- Erddruck
- Florwallsteine
- Gabionen
- Grabenformen
- Hangsicherung
- Natursteinmauerwerk
- Pflanzsteine
- Raumgitterwand
- Schwergewichtsmauer
- Trockenmauerwerk
- Verbau
- Winkelstützmauer