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Ziegelstreichen

Bereits in der Bibel wird im 2. Buch Mose (Exodus), Kapitel 5 vom Ziegelstreichen berichtet. Dort heißt es u.a.:

 

„...

Weiter sprach der Pharao: Siehe, des Volks ist schon zuviel im Lande; und ihr wollt sie noch von ihrer Arbeit feiern heißen?

Und der Pharao befahl an demselben Tage den Treibern des Volks und seinen Amtleuten und sprach:

Ihr sollt dem Volk kein Stroh mehr geben zum Ziegelstreichen, wie gestern und vorgestern. Lasst sie selbst hingehen und sich Stroh zusammensuchen.

...“

 

An diesem Text kann man bereits erkennen, dass das Ziegelstreichen bereits ein seit Jahrtausenden ausgeübtes Handwerk darstellt. Eine weitere Bezeichnung für Ziegelstreichen ist Handstrich. Beide Bezeichnungen beschreiben den Vorgang der Herstellung des Rohlings von Ziegeln in einem einfachen Holzgestell, welches die Grundform des späteren Lehmziegels aufweist, gleich ob diese anschließend nur an der Luft getrocknet oder noch gebrannt wurden. Der frisch aufbereitete Lehm wird von Hand in dieses Gestell eingefüllt und oben mit einem Brett oder der flachen Hand abgestrichen, womit sich auch die Bezeichnung erklärt. Soll der spätere fertige Ziegel weniger Luftporen aufweisen, was insbesondere beim Brennen von Ziegeln von Vorteil ist, wurde die Form mehrfach gestampft, um diese Luftporen soweit als möglich zu entfernen.

 

Der Handstrich ist das älteste Formgebungsverfahren für die Herstellung sowohl von luftgetrockneten Lehmziegeln als auch von gebrannten Ziegeln. Erst 1860 wurde die Ziegelherstellung durch die Erfindung der Schneckenpresse erleichtert, dadurch konnten in kürzerer Zeit mehr Rohziegel hergestellt werden. In vielen Entwicklungsländern ist die Ziegelherstellung mit dem Handstrichverfahren auch heute noch weiter gebräuchlich.

 

Nicht nur Ziegel wurden auf diese Weise hergestellt, sondern auch Dachpfannen wie Biberschwanz und Krempziegel, First- und Gratziegel, aber auch keramische Bodenfliesen. Da diese Tonwaren ein noch dichteres Gefüge als der normale Mauerziegel aufweisen mussten (und müssen), wurde der aufbereitete Lehm in eine entsprechend geformte Holzschablone eingefüllt, die wiederum an einer Unterlage festgeschraubt war. Um ein Ankleben des Tons an der Schablone zu verhindern, wurde diese vorher mit Sand eingestreut. Um den rohen Ton zu verdichten, wurde dieser mit einem hölzernen Stöpsel hineingeschlagen, der danach noch überstehende Ton wurde dann mit einem Draht abgeschnitten. Diese Arbeit war körperlich sehr anstrengend, jedoch unumgänglich, um die im Lehmgemisch enthaltenen Luftblasen so weit wie möglich zu entfernen. Je weniger Luftblasen beim Brennvorgang im Ton enthalten sind, desto geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Ziegel beim Brand in Stücke gesprengt werden. Auf diese Weise konnte man auch für damalige Zeiten hochwertige Tonziegel herstellen.

 

siehe auch: