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Fischbauchträger

Der »Fischbauchträger« ist ein oft im Industriebau angewendeter Fachwerkträger, bei dem die erforderliche Bauhöhe für die zu erreichende Tragsicherheit durch ein unter dem Träger umgelenktes Zugband erzeugt wird. Diese Bauweise ist heute nicht mehr üblich, da durch neue Baustoffe und Bauverfahren schlankere Bauweisen möglich sind. Zudem wird der Fischbauchträger von den meisten als nicht sonderlich ästhetisch empfunden.

Der Oberbaurat Friedrich August von Pauli (1802-1883) brachte den linsenförmigen Fachwerkträger aus gekrümmten Gurten erstmals in ein exaktes, berechenbares System. Zuvor schon hatte sich Leonardo da Vinci um 1487 bis 1490 mit dieser Form eines Fachwerkträgers theoretisch auseinandergesetzt.

George /1781-1848) und Robert (1803-1859) Stephenson verwendeten 1825 diesen Träger erstmals beim Bau der Gaunless Bridge. Claude Navier (1785-1836) stellte ein Jahr später ebenfalls Überlegungen für einen Fischbauchträger an, und schließlich gelang es dem Hofarchitekten G.L.F. Laves (1789-1864) ab 1835, den direkten Vorläufer des „Pauli-Trägers“ - zunächst noch aus Holz - zu bauen.

Bei einem Fischbauchträger nimmt der gekrümmte Obergurt die Druckkräfte, der Untergurt die Zugkräfte auf. Die Spannung innerhalb des Trägers bleibt auch unter Belastung gleich, denn er ist in der neutralen Achse gelagert. Seinen Namen verdankt der Fischbauchträger seinem Aussehen, er wird aber auch nach seinem Begründer „Pauli-Träger“ genannt.

Über den Entwurf und den Bau der Eisenbahnbrücke über den Morseebach im Jahre 1865 ist wenig bekannt. Sicher ist, dass der Pauli-Träger beim Bau der Großhesseloher Isarbrücke bei München 1856 bis 1857 von Heinrich Gerber (1832-1912) erstmals erfolgreich eingesetzt wurde. Nachdem er sich auch bei der 1860 fertiggestellten Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Mainz mit der beachtlichen Stützweite von viermal 105,20 Metern bewährt hatte, gelang der Durchbruch des Systems Pauli-Träger im Stahlbrückenbau in Deutschland. Wenige Jahre nach der Fertigstellung der Großhesseloher Brücke gab es bereits über vierzig weitere Brücken im System Pauli.

Die Saltash-Brücke über den Tomar bei Plymouth von Isambard Kingdom Brunel (1806-1859) wurde 1859 von Prinz Albert eröffnet. Die beiden Fischbauchträger mit je 139 Metern Spannweite sind die größten, die jemals gebaut wurden. Der Obergurt des Trägers ist eine Röhre, das Zugelement des Untergurts eine Kette, dazwischen befinden sich Hängerseile mit einem Gegenfachwerk. Die Fahrbahn für die eingleisige Bahnstrecke hängt unmittelbar unter dem Träger. Brunel war einer der kreativsten Ingenieure seiner Zeit. Er baute außer der in der Abbildung dargestellten Stahlbrücke eine Unmenge von Holzfachwerkbrücken, war im Eisenbahnbau tätig, begann mit dem Bau der Clifton-Hängebrücke und entwarf nebenbei sogar Schiffe.

siehe auch:
- Ausklinkung
- Auslegerbrücke
- Brückenbau der Antike
- Firth of Forth
- Gerbergelenk
- Gerberträger
- Gerberverbinder
- Hebel
- Konsole
- Kragarm
- Lavesscher Balken
- Ponton
- Umlenkkräfte
- Verblattung
- Viadukt