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Petersdom

Das zentrale Heiligtum der römisch-katholischen Kirche ist der »Petersdom« in Rom. Der Petersdom wird auch als »Peterskirche«, »Basilika St. Peter« oder »Vatikanische Basilika« bezeichnet. Die italienische Bezeichnung »San Pietro in Vaticano« weist darauf hin, dass die zweitgrößte christliche Kirche der Welt die Grabeskirche des Apostels Simon Petrus ist (Petrus = griechisch »Fels«). Im Petersdom finden auf 15.160 Quadratmetern (= 1,5 ha!) bis zu 60.000 Personen Platz, mehr als 100.000 Menschen passen auf den barocken Platz vor der Basilika. Der Bau ist 211,5 m lang und 132,5 m hoch (andere Quellen nennen 133,3 m). Die Innenlänge des Langhauses beträgt 187 m bei einer Breite von 27,5 m, das Querschiff ist 138 m breit. Die Kuppel, die allein 14.000 Tonnen wiegt, weist einen für damalige Verhältnisse unglaublichen Durchmesser von 42,35 Metern. Der Petersdom, dessen Bau 1506 begonnen wurde, zählt damit zu den spektakulärsten Bauwerken der Menschheitsgeschichte. Noch größer ist nur noch die Basilika »Notre-Dame de la Paix« in Yamoussoukro im Staat Elfenbeinküste (wenn die Außengebäude hinzugerechnet werden), die, errichtet nach dem Vorbild des Petersdoms, im Jahre 1990 eingeweiht wurde. Die Kuppel des Petersdoms ist 119 m hoch (nach anderen Quellen 117,57 m), darunter befindet sich der Papstaltar mit dem Bronze-Baldachin. Neben der Hauptkuppel weist der Petersdom acht kleinere Nebenkuppeln auf, im Inneren befinden sich etwa 800 Säulen und 390 Riesenstatuen aus kostbarem Marmor, Travertin, Stuck und Bronze, weiterhin 45 Altäre.

Im Petersdom sind 165 Päpste begraben, darunter auch der im April 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. Mit dem ersten Bau wurde bereits vor dem Jahr 326 begonnen, die Weihung erfolgte durch Kaiser Konstantin. Die im Laufe der Zeit baufällig gewordene Vorgängerkirche wurde 1506 abgerissen, der noch heute erhaltene Nachfolgebau, den wir als Petersdom kennen, wurde 1623 von Papst Urban VIII. geweiht. Der Petersdom ist eine der vier römischen Patriarchalbasiliken, entgegen der weit verbreiteten Auffassung ist er jedoch nicht die Kathedrale von Rom, dies ist die Lateranbasilika (Bischofskirche des Bischofs von Rom). Nach der Verlegung des Hauptwohnsitzes des Papstes vom Lateranpalast an den Vatikan, die im 14. Jahrhundert erfolgte, kam dem Petersdom die heute noch sichtbare Bedeutung zu.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. befand sich der vatikanische Hügel außerhalb des antiken Roms auf der anderen Seite des Tibers in Sichtweite des mit öffentlichen Bauwerken bestückten Marsfelds. Unter dem römischen Kaiser Nero entstand dort ein Circus (im römischen Altertum lang gestreckte Arena für Wagen- und Pferderennen) mit einem Palast. In Überlieferungen heißt es, dass dort Schlangen lebten, die groß genug seien, einen Säugling zu verschlingen. Zur Erschließung dieses tiefer gelegenen, sumpfigen Gebiets baute man eine neue Brücke über den Tiber. Von dieser Brücke finden sich heute nur noch wenige Spuren im Fluss. Um 1950 wurden bei Ausgrabungen Reste des Circus gefunden, ebenso eine ganze Reihe von Gräbern unter dem Petersdom. Nach frühchristlicher Überlieferung soll Apostel Simon Petrus im Herbst des Jahres 64 n.Chr. im Circus des Nero mit dem Kopf nach unten gekreuzigt und anschließend auf dem vatikanischen Friedhof an der Stelle des Petersdoms in einer Nekropole beigesetzt worden sein. Nekropole (griechisch „Totenstadt“) ist die allgemeine Bezeichnung für Begräbnisstätten der Antike, die wie eine Stadt angeordnet waren (Grabhäuser, Straßen, Gänge); der Begriff wurde auch übertragen auf vor- und frühgeschichtliche Gräberfelder. Heute befindet sich über dem Ort, an dem der Apostel beerdigt sein soll, das größte Gotteshaus des Abendlandes.

Erst in neuerer Zeit wurde das Bewusstsein für archäologische Zusammenhänge durch wissenschaftliche Forschungen bei entsprechenden Ausgrabungen wieder belebt. Nach dem 313 zwischen den Kaisern Konstantin I. und Licinius geschlossenen Toleranzedikt wurde die christliche Kirche den anderen Religionsgemeinschaften rechtlich gleichstellt. Aus den archäologischen Befunden geht hervor, dass die Christen nach Abschluss dieses Toleranzedikts Kaiser Konstantin das Grab zeigten, welches seit alters her als das Petrusgrab verehrt worden war. Auch damals schon musste für den Bau einer monumentalen Basilika das Baufeld eingeebnet werden. Konstantin ließ aufgrund der vorherrschenden Hanglage die unterhalb des verehrten Grabes liegenden Gräber zuschütten und den hinter dem Grab liegenden Hügel abtragen. Letztendlich stand damit das Grabmal allein in der Apsis. Um seine besondere Bedeutung hervorzuheben, wurde das Petrusgrab mit kostbarem Marmor verkleidet.

Bei den Ausgrabungen im Bereich des Anfang des 4. Jahrhunderts zugeschütteten Friedhofs wurden zahlreiche Grabhäuser freigelegt, die mit Stuck, Mosaiken und Wandmalereien verkleidet waren, vereinzelt fanden sich auch christliche Gräber. Im mutmaßlichen Petrusgrab wurden im Boden selbst keine Gebeine gefunden, sondern nur in einer seitlichen Stützmauer, die auch als „rote Mauer“ bezeichnet wird. Nicht belegbar ist, ob diese Gebeine wirklich die Überreste von Petrus sind und erst von Konstantin aus den Katakomben von San Sebastiano in die Mauer umgebettet wurden. Diese Frage nach der Herkunft der Gebeine muss daher wohl offen bleiben. Als gesichert gilt nur, dass die zu Anfang des 4. Jahrhunderts verehrte Stätte als das Petrusgrab angesehen wurde. Die Kuppel des heutigen Petersdoms jedenfalls befindet sich genau über diesem Grab. Die fünfschiffige Basilika mit einschiffigem Querhaus wurde 326 geweiht und 468 durch Papst Simplicius ausgebaut. Ihr Grundriss wurde zum Vorbild für den abendländischen christlichen Kirchenbau. In den Resten dieses teils abgetragenen, überbauten alten Petersdoms ist heute eine Papst-Grablege eingerichtet, die so genannten „Vatikanische Grotten“. Ab dem Jahr 1541 wurde die von Konstantin errichtete Basilika von den Päpsten Nikolaus V., Pius II. und Julius II. umfassend renoviert.

Zu dieser Zeit war das Gotteshaus schon 1200 Jahre alt. Papst Julius II. befand, dass die bereits einsturzgefährdete Basilika keinen angemessenen Platz für sein Grabmal bieten würde, sodass er zunächst einen Erweiterungsbau und schließlich einen Neubau in Auftrag gab. Die Grundsteinlegung für den neuen Dom erfolgte am 18. April 1506. Auch damals war der Bau einer solch großen Kirche extrem kostspielig, sodass man den Bau durch den Verkauf von Ablässen und den Peterspfennig (Abgabe an den Papst) finanzierte. In Deutschland tat sich hier besonders der Dominikanermönch Johannes Tetzel hervor. Tetzels vor allem auf den Gelderlös abzielende Predigten bildeten einen Höhepunkt des mittelalterlichen Ablasshandels und veranlassten Martin Luther zur Veröffentlichung seiner 95 Thesen über den Ablass, die schließlich zur Reformation führten.

Der erste Entwurf des Neubaus stammte vom italienischen Baumeister und Maler Donato Bramante, der zusammen mit Peruzzi auch bis zu seinem Tod 1514 Bauleiter des ehrgeizigen Projektes war. Viele der Entwürfe Bramantes werden heute in den Uffizien (den ursprünglichen Verwaltungsgebäuden) in Florenz aufbewahrt. Nach der Grundsteinlegung ging der Bau nur schleppend voran, die Entwürfe wurden geändert, es wurde diskutiert, ob die Peterskirche ein Zentralbau werden oder in Form eines griechischen Kreuzes konstruiert werden sollte.

Der bürgerliche Name des Baumeisters Bramante lautete „Donato d´Angelo Lazzari“. Lazzari wird nicht nur von seinen Freunden, sondern auch von seinen Feinden ehrfurchtsvoll Bramante genannt, das italienische Wort bedeutet soviel wie „gierig“. Genau das ist Bramante. Gierig danach, Geschichte zu schreiben. Bramante will sich und der katholischen Kirche mit dem Bauwerk ein Denkmal setzen. Er wird es nie zu Gesicht bekommen. Es vergehen schließlich noch fast 120 Jahre, bis der Dom 1623 geweiht wird. Bramante setzte sich übrigens bei Papst Julius II. gegen Michelangelo und Antonio da Sangallo als erster Baumeister durch, er konnte jedoch zu seinen Lebzeiten nur einige Pfeiler errichten. Bramante stirbt nur ein Jahr nach dem Tod von Papst Julius II. Doch der „Gierige“ weiß, dass er den riesigen Bau niemals zu Lebzeiten vollenden kann. Um zu verhindern, dass andere Baumeister seine Pläne verändern und ihm seinen Platz in der Geschichte streitig machen, schafft er Fakten. Bis zu seinem Tod 1514 lässt er aus Ziegelsteinen die sieben Meter dicken Hauptpfeiler des Domes hochziehen. Damit waren seine Nachfolger gezwungen, so zu bauen, wie er es wollte. Und Nachfolger gibt es viele. Die größten Künstler und Baumeister jener Zeit sind zeitweilig auf der Baustelle beschäftigt: Raffael, da Sangallo, Maderno, Bernini und Michelangelo.

Von 1515 bis 1546 ging der Bau unter Leitung von Raffael, Da Sangallo und Peruzzi nur schleppend voran. Raffael, der von 1514 bis 1520 als verantwortlicher Baumeister fungierte, erlangte vor allem als Maler große Berühmtheit. Während seiner Zeit als Dombaumeister ließ er allerdings meistens seine Schüler zum Pinsel greifen. Antonio da Sangallo schließlich leitete die Bauarbeiten von 1536 bis 1546. Er stammte aus einer bekannten Architektenfamilie und versuchte, die Pläne seines Vorgängers komplett umzuwerfen.

Zwischen 1520 und 1546 stoppte erst der Ausbruch der Pest den Weiterbau, dann fallen 1527 die Truppen Karls V. in Rom ein und plündern die Stadt. Papst Julius II., der eigentliche Bauherr des Petersdoms, ist da schon seit 14 Jahren tot. Die Trauer über ihn hält sich in Grenzen. Julius II. hat schließlich viele Feinde. Besonders berüchtigt sind seine Wutausbrüche. Er traktiert Untergebene mit Fäusten und prügelt sie mit seinem Gehstock. Mit wechselnden Geliebten zeugt er drei Kinder und steckt sich mit Syphilis an, die zu der Zeit vor allem unter den Priestern Roms weit verbreitet ist.

Nach langem Hin und Her war es schließlich Papst Paul III, der den begnadeten Baumeister, Bildhauer und Maler Michelangelo (1475-1564) mit der Ausarbeitung eines neuen Entwurfs beauftragte. Dieser übernahm 1547 im Alter von 71 Jahren die Bauleitung und führte den Bau in seiner heutigen Form aus, er entwarf auch die Rippenkuppel. Michelangelo orientierte sich zwar an dem zentralen Grundriss Bramantes, plante jedoch im Gegensatz zu diesem eine gigantische Kuppel. Er lässt sich schriftlich zusichern, dass seine Entwürfe auch über seinen Tod hinaus verbindlich sein werden. Und weil er den Bau für das Werk seines Lebens hält, verzichtet der Künstler großzügig auf sein Honorar. Auf der Baustelle gibt Michelangelo den Tyrannen. An seinem ersten Tag feuert er alle bisherigen Mitarbeiter. Er lässt ausrichten, dass er nicht mit der von der Kirche eingesetzten Bauaufsicht verhandeln wolle, sondern nur dem Papst Paul III. selbst Rechenschaft schulde. Den bisherigen Bau, so giftet er, wolle er im übrigen am liebsten abreißen. Viel zu dunkel und überladen sei dieser, glaubt Michelangelo. Es müsse majestätischer und großartiger werden. Innerhalb von wenigen Tagen fertigt Michelangelo ein Modell aus Ton an, das bis auf wenige Ausnahmen dem heutigen Petersdom entspricht.

Während Bramante nur gleichwertige Räume vorsah, ordnete Michelangelo die Nebenräume dem Hauptraum unter. Dadurch kam man von dem ursprünglich reinen Zentralbau in Form eines griechischen Kreuzes ab und der Bau entwickelte sich zu einem Kompromiss zwischen Zentral- und Langbau in Form eines lateinischen Kreuzes. Der Papst ist begeistert. Nicht so sehr vom Entwurf, sondern von Michelangelos günstigem Kostenvoranschlag. 300.000 Scudi (heute etwa 3,5 Millionen Euro) billiger - rechnet er dem Papst vor - käme der Bau im Vergleich zum Vorgängermodell. Weil die Kirche knapp bei Kasse war, willigt sie ein. Seit dem Baubeginn im Jahre 1506 hatte man zur Finanzierung des Petersdoms bereits die Regeln des Ablasshandels gelockert: Die Briefe, die Gläubigen gegen Bezahlung Sünden erlassen, kann man in halb Europa kaufen. So ist für neun Dukaten Kirchenraub und Meineid vergessen, sich von einem Mord reinzuwaschen, kostet gerade einmal acht Dukaten. Eine Praxis, die den Augustinermönch Martin Luther schon am 31. Oktober 1517 zur Veröffentlichung seiner 95 Thesen veranlasst hatte. Die stellen die Autorität des Kirchenoberhaupts in Frage. Strafen und Schuld zu erlassen, so argumentiert Luther, sei nicht Sache des Papstes. Die Abspaltung der evangelischen Kirche nimmt so ihren Anfang.

Michelangelo kümmert das 1547 wenig. Verzweifelt ist er trotzdem. Streit mit der Baukommission und Geldmangel führen dazu, dass es auf der Baustelle Petersdom bis 1588 kaum vorangeht. Allerdings ohne Michelangelo. Da liegt er bereits seit 24 Jahren unter der Erde. Nach Michelangelo übernahmen die Baumeister Vignola und Giacomo della Porta die Bauleitung. Die Schüler Michelangelos nahmen jedoch einige Änderungen vor und gaben der Kuppel eine etwas steilere Form. Dennoch sollte der Petersdom noch nicht zur Ruhe kommen. Denn als das Konzil von Trient 1563 beschloss, für Kirchen eine longitudinale längsgerichtete) Struktur zu empfehlen, wurde auch der Petersdom verlängert.

In den Jahren 1607 bis 1614 entstand unter dem Baumeister Carlo Maderno das Langhaus mit Vorhalle sowie die barocke Fassade, die 1612 fertig gestellt wurde. Maderno, der als wichtigster Baumeister des italienischen Frühbarocks gilt, baut nach den Entwürfen von Michelangelo weiter und vollendet schließlich das Werk. 1590 wird feierlich der letzte Stein gelegt. Um alle Blicke in Richtung Petrusgrab zu lenken, errichtete der junge Gian Lorenzo Bernini 1624 direkt über dem Grab einen Bronzebaldachin mit aufgesetztem Kreuz auf vier 29 m hohen, gewundenen Säulen. Fast 120 Jahre nach Baubeginn weihte Papst Urban VIII. am 18. November 1623 die neue Grabeskirche. Während dieser langen Bauzeit hat das Gebäude 20 Päpste und 40 Architekten verschlungen, nur Maderno erlebte als einer den wenigen Baumeister schließlich die Vollendung des gewaltigen Werks.

Die imposante Kuppel des Petersdoms ist mit einem Durchmesser von 42,35 m die größte freitragende Ziegelkuppel der Welt und damit auch das größte freitragende Ziegelbauwerk überhaupt. Der Durchmesser des Pantheons ist zwar 86 cm größer, die Kuppel des Petersdoms ist jedoch 43,2 m höher als die des Pantheons. Doch wie war es den Römern möglich, schon im 16. Jahrhundert ohne die heute bekannten technische Hilfsmittel eine solche architektonische Meisterleistung abzuliefern? Klar war: für den Bau waren Stützgerüste erforderlich. Doch keine Holzkonstruktion könnte vom Boden aus die Last der Steine in mehr als 100 Metern Höhe sicher tragen. Darmstädter Forscher unter Leitung von Professor Koob simulierten kürzlich im Rechner ein „schwebendes“ Gerüst, welches sich nicht am Boden, sondern nur auf dem unteren Kranz der Kuppel abstützt. Vermutlich war nur mit dieser Technik der Bau der Kuppel überhaupt möglich.

Die Arbeiter auf der größten Baustelle des 16. Jahrhunderts haben aber andere Probleme. In ihren windschiefen Hütten regnet es hinein, Ratten fressen ihnen das Brot weg und, um an sauberes Wasser zu kommen, müssen sie kilometerweit laufen. Geschuftet wird trotzdem. Und wie. 23 Meter lange Stämme für das Stützgerüst der Kuppel müssen genauso wie tonnenschwerer Marmor nur mit bloßer Muskelkraft durch die Gegend gewuchtet werden. Hunderte sterben bei der gefährlichen, aber immerhin gut bezahlten Arbeit. Denn die Tagelöhner im Auftrag des Herrn verdienen mehr als alle anderen Arbeiter in Rom, nur verlassen können sich die Männer nicht auf ihren Lohn. Manchmal gibt es nichts zu tun und nichts zu verdienen. Das Manchmal dauert einmal sogar ein Vierteljahrhundert, und zwar von 1520 bis 1546 durch den Ausbruch der Pest.

Erst vor wenigen Jahren gab es eine neue Restaurierung. 1999 wurden die aufwändigen Renovierungsarbeiten an der Fassade abgeschlossen. Kritiker nörgelten damals, das „Gesicht“ des Gotteshauses sei verschandelt worden, weil es statt in blendendem Weiß jetzt stellenweise rötlich, an anderen Stellen ockerfarben schimmert. Experten sind sich hingegen einig, dass Architekt Carlo Maderno die Fassade mit ihren acht mächtigen Travertin-Säulen vor rund vier Jahrhunderten genau in diesem Farbton verziert hatte - blendend weiß sei sie nie gewesen. Über derlei farbliche Unstimmigkeiten hinaus sind sich jedoch Gläubige und Touristen aus aller Welt einig: Für den Petersdom lohnt es sich schon, nach Rom zu kommen.

Die Kuppel des Petersdoms kann heute entweder über einen Lift oder über eine Treppe mit 537 Stufen erreicht werden. Von oben bietet sie einen hervorragenden Panoramablick über den gesamten vatikanischen Komplex und über Rom. Im inneren Kuppelfries findet sich in zwei Meter hohen Buchstaben das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium: „Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regni caelorum“ (Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und Dir gebe ich die Schlüssel zum Himmelreich). Der Petersdom zählt mit Recht zu den bautechnischen Meisterleistungen der Menschheit. Wie kein anderes Bauwerk hat der Petersdom die Weltgeschichte beeinflusst und mitgeschrieben. Oder besser gesagt: Er schreibt noch immer.

Noch größer als der Petersdom ist nur noch die christliche Basilika Notre-Dame de la Paix in Yamoussoukro im Staat Elfenbeinküste. Sie wurde zwischen 1986 und 1989 nach dem Vorbild des Petersdoms (mit kleineren Abweichungen) unter Verwendung von viel italienischem Marmor mitten im Urwald errichtet und verschlang etwa 250 Millionen Euro an Baukosten; extrem viel Geld für ein bettelarmes Land wie die Elfenbeinküste. Die Kuppel dieser Basilika ist zwar etwas niedriger als die des Petersdoms, das darauf angebrachte Kreuz jedoch viel größer, sodass sie eine Höhe von 158 m erreicht. Die Grundfläche beträgt etwa 30.000 m², damit ist diese etwa doppelt so groß wie die des Petersdoms. Die mit Glasmosaik verzierten Fenster stammen aus Frankreich, zusammen ergeben sie eine Fläche von etwa 7000 m².

siehe auch:
- Basilika
- Gewölbe
- Glaskunst
- Katakombe
- Kuppeln
- Mausoleum
- Monument
- Pantheon
- Parthenon
- Stabkirche
- Stahl- und Eisenbau
- Via Appia
- Ziegel