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Kalziumsilikatplatte

Nicht fachgerecht ausgeführte Wärmedämmungen oder die Nichtbeachtung von Wärmebrücken führen sowohl im Altbau als auch im Neubau häufig zu entsprechenden Bauschäden, die wiederum zur Schimmelpilzbildung und damit zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Asthma oder Allergien führen. Im Sanierungsbereich werden häufig Kalziumsilikatplatten (auch in der Schreibweise Calciumsilikatplatte) eingesetzt, wobei dieses Material sowohl Haus- und Wohnungsbesitzer als auch den Baufachmann aufhorchen lassen sollte. Weitere Bezeichnungen sind Klimaplatte, Wärmedämmplatte oder (seltener) Kapillar-Dämmplatte.

 

Auf der Suche nach einem Ersatzstoff für das zu Recht in Verruf geratene Asbestmaterial fand man heraus, dass Kalziumsilikat im Hochtemperaturbereich günstige Eigenschaften aufweist und entwickelte dieses Material daraufhin zu Brandschutzplatten. Dabei zeigten sich noch weitere günstige Eigenschaften, die zur Erweiterung des Anwendungsspektrums führten, da die Platten auch klimaregulierend sind (im Sinne von Regulierung des Raumklimas) und sich damit als echte Klimaplatte erwies.

 

Das Material besteht aus gebranntem Kalk, Quarzsand, Zellulosefasern, Wasserglas und Wasser. Der verwendete Zellstoff ist chlorfrei gebleicht und stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Die Zusammensetzung und die Herstellung machen diese Platte zu einem hochwertigen, umweltverträglichen Baustoff, der außerdem nach der Brandschutznorm DIN 4102 unbrennbar ist und der Brandklasse A1 zugeordnet wird. Der sehr hohe Porenanteil von 90 % entsteht im Zuge der Herstellung infolge der Wasserverdunstung, chemische Treibmittel werden nicht eingesetzt. Dieser hohe Porenanteil bewirkt gleichzeitig eine vergrößerte Materialoberfläche, woraus eine hohe Speicherfähigkeit für Feuchtigkeit und auch eine gute Wärmedämmung resultieren. Kalziumsilikatplatten besitzen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung als Dämmstoff. Dieses Material nimmt in Bauteilen vorhandene Feuchtigkeit auf und verdunstet es bei geeigneten Umgebungsbedingungen großflächig.

 

Eine ausführliche Beschreibung des Materials und seiner Anwendungsmöglichkeiten würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, sodass hier nur die wichtigsten Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten beschrieben werden. Die Vorteile der Kalziumsilikatplatten stellen sich wie folgt dar:

 

  • nicht brennbar,
  • geringes Gewicht, einfach zu verarbeiten,
  • hohe Dämmwirkung,
  • diffusionsfähig, kapillarfähig und klimaregulierend, klimaverbessernd (luftreinigend),
  • umweltfreundliches Baumaterial - keine Umwelt- oder Gesundheitsbelastung bei der Herstellung, Verarbeitung, Anwendung und der späteren Entsorgung,
  • unverrottbar, alterungsbeständig, fäulnisresistent, resistent gegen Insekten und Nagetiere, formbeständig,
  • außerdem erlaubt das Material eine schnelle Renovierung.

 

Die Platten sind üblicherweise 100 x 125 cm groß bei einer Dicke von 25, 30 und 50 mm, dickere oder auch dünnere Platten sowie spezielle Formteile sind aber ebenfalls erhältlich. Die Platten werden mit einem geeigneten, systemzugehörigen Kleber auf den Untergrund aufgeklebt, sie können in Ausnahmefällen ggf. auch angedübelt werden, wenn die Anwendungssituation dies zulässt. Bei unebenen Flächen klebt man die Platten punktweise an )obgleich Hohlräume in der Ebene der Kleberstellen zu vermeiden sind), bei glatten Flächen erfolgt der Kleberauftrag mit einem 12 mm tiefen Zahnspachtel. Da auch die Stoßkanten vollflächig verklebt werden müssen, müssen die Platten vollständig mit einer geeigneten Säge (Kreissäge, Fuchsschwanz) geschnitten werden. Ungünstig wäre es, diese wie Gipskartonplatten lediglich zu ritzen und dann abzubrechen, da die dabei entstehende Bruchkante nicht vollflächig verklebt werden kann. Vor dem Aufkleben auf dem Untergrund müssen Farb- und Tapetenreste sorgfältig entfernt werden. Bei Wänden mit Hohlräumen oder bei schiefen Wänden, die gerade verkleidet werden sollen, werden die Hohlräume mit einem Granulat aus dem gleichen Material verfüllt. Bei bzw. nach der Anbringung der Kalziumsilikatplatten darf man die günstigen Diffusionseigenschaften nicht durch die Aufbringung von Tapeten (insbesondere Raufasertapeten) oder diffusionsdichte Farben oder die Verwendung von ungeeigneten Klebern reduzieren.

 

Besonders in folgenden Anwendungsfällen ist das Material konkurrenzlos:

 

Gerade im Denkmalbereich oder bei aufwändig gestalteten Fassaden besteht häufig keine Möglichkeit, eine Außendämmung aufzubringen, aber auch bei anderen Außenbauteilen, die nicht oder nur sehr begrenzt von außen zugänglich sind (z. B. erdangeschüttete Kellerwände), können innenseitig Kalziumsilikatplatten angebracht werden, ohne dass man die sonst bei Innendämmungen aus anderen Materialien üblichen Bedenken teilen muss. Die Wärmedämmleistung von Kalziumsilikatplatten ist zwar geringer (Lambda = 0,065 W/(m*K)) als von Hartschaumplatten gleicher Dicke, dafür benötigt man aber auch keine zusätzliche innenseitige Dampfsperre, die bei fehlerhafter Ausführung zu weiteren Bau- und Gesundheitsschäden führt. Deshalb eignen sich Kalziumsilikatplatten auch für die nachträgliche Innendämmung von Fachwerkgebäuden, ohne dass die wertvolle Bausubstanz dadurch gefährdet wird. Voraussetzung ist aber, dass die Stoßfugen der Platten fachgerecht ausgebildet werden. Ergänzende bauphysikalische Untersuchungen durch einen qualifizierten Baufachmann sind jedoch sinnvoll.

 

Ein weiteres Einsatzgebiet für Kalziumsilikatplatten ist die nachträgliche Innendämmung von Kellerräumen, die aus wasserdichten Betonbauteilen bestehen. Im Betonkeller entstehen im Sommer häufig Probleme durch Kondensation, da die wärmere Luft aus den Kellerräumen auf den vergleichsweise kühlen Bauteiloberflächen unter den Taupunkt abkühlt und somit zu entsprechenden Problemen führt. Inwieweit jedoch solche Räume zu Wohnzwecken ausgebaut werden können, muss situationsbezogen vom Fachmann beurteilt werden, da auch noch andere Faktoren wie ausreichende Belichtung und Belüftung zu berücksichtigen sind.

 

Der pH-Wert von Kalziumsilikatplatten liegt ´wegen des hohen Kalkanteils des Ausgangsstoffs über pH = 10, sodass diese alkalischen Platten kein Wachstumsmilieu für Schimmelplize bieten (die pH-Werte von 4,5 bis 7 bevorzugen, d. h. sauere bis neutrale Untergründe). Deshalb dürfen auch keine Raufasertapeten oder ähnliche Materialien aufgebracht werden, die diesen Vorteil zunichte machen und den Schimmelpilzen wieder einen geeigneten Nährboden bieten. Im Neubau ist es jedem Falle sinnvoll, von vornherein alle Bauteile und Wärmebrücken so zu gestalten, dass die Taupunkttemperatur an der Bauteilinnenfläche nicht unterschritten wird und somit erst gar keine Kondensations- und damit Schimmelprobleme auftreten.

 

Die enorme Wasserspeicherfähigkeit der Kalziumsilikatplatten gleicht zwar Feuchtigkeitsschwankungen aus, erfordert aber trotz allem eine ausreichende natürliche Belüftung, um überschüssige Feuchtigkeit auch abtransportieren zu können. Nur bei aufnahmefähiger Luft kann die in den Platten gespeicherte Feuchtigkeit in Form von Wasserdamo auch wieder an die Umgebungsluft abgegeben werden.

 

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