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Terrasse

Im bautechnischen Sinne ist die »Terrasse« (französisch = »Erdstufe«, »Erdwall«, von lateinisch »terra« = »Erde«, »Erdboden«) eine künstlich geebnete, wenig oder mäßig geneigte Erderhebung oder befestigte Fläche, die dem Erdgeschoss eines Gebäudes vorgelagert ist oder dieses umschließt. Die (meist zum Garten hin orientierte) Terrasse ist gegenüber dem Geländeniveau angehoben und wird durch Stützmauern oder Böschungen, die auch stufenartig ausgebildet sein können, begrenzt. Terrassen können auch auf Flachdächern eingerichtet werden, diese bezeichnet man dann als Dachterrassen. Diese begehbaren Flachdächer finden sich häufig in klimatisch günstigen Gebieten, insbesondere im Mittelmeerraum.

Bei auf einer Anhöhe errichteten Gebäuden können sich mehrere hintereinander liegend gestaffelte Terrassen ergeben, wie das Beispiel von Sanssouci in Potsdam zeigt. Terrassen waren wirkungsvolle Bestandteile der Gartengestaltung, wie entsprechende Gartenterrassen der meist höher gelegenen Villen der italienischen Renaissance sowie der nachfolgenden Perioden belegen. Aber auch heute sind Terrassen ein herausragendes Gestaltungselement vieler Neubauten und Villen mit vorgelagerten Gartenbereichen.

Die Dachterrasse besteht aus einer tragenden Unterkonstruktion und einer wasserfesten, begehbaren Deckschicht. Gärtnerisch gestaltete Dachterrassen werden auch als Dachgärten oder Hängende Gärten bezeichnet. In innerstädtischen Gebieten bietet die Dachterrasse meist einen ungestörten Aufenthaltsort während der warmen Jahreszeit, ohne dazu kostbares weiteres Bauland zu benötigen.

Von geologischen Terrassenbildungen ging in vielen Fällen die Entwicklung ältester Baukomplexe und Stadtanlagen aus: Terrassen-Heiligtümer wie z.B. Asklepieion auf der griechischen Insel Kos und Terrassenstädte wie beispielsweise in Catal Hüyük in Südanatolien und Machu Picchu in Peru. In Griechenland gelangte der Terrassenbau erst im 4. und 3. Jahrhundert v.Chr. zur vollen Entfaltung, wobei jedoch Dachterrassen noch nicht hergestellt wurden, weil die Dächer in der Regel mit einem flachen Satteldach ausgerüstet waren. Diese Form der Terrasse ist der prägendste Typus der Terrassenarchitektur, deren Entwicklungsgeschichte bis in die Gegenwart hinein verfolgt werden kann. Frühe Beispiele von Dachterrassen finden sich an den Tempeln und Palästen des Orients, z.B. in Ägypten in Luxor und Karnak sowie in Mesopotamien.

Über den Gewölbekonstruktionen römischer Bauten finden sich häufig ebene Flächen, die als Dachterrassen interpretiert werden können. Sie bestehen aus mehreren Schichten eines speziellen Mörtels, der aus einer Mischung aus Lavastücken, Kalk und Puzzolan bestand und eine Abdichtung gegen Feuchtigkeit bewirkte; die Oberflächen wurden geglättet und waren somit gut begehbar. Dachterrassen fand man auch bei einigen syrischen Basiliken, die aus der Zeit des 6. Jahrhunderts v.Chr. stammen.

Die klassische Region der Dachterrassen ist Südeuropa. In Italien finden sich an Wohnbauten auf Capri, Ischia, Procidia, der Halbinsel von Sorrent, an der Küste von Amalfi sowie am Fuße des Vesuvs die besten Beispiele in Hülle und Fülle. In der romanischen Architektur Italiens, vor allem auf Sizilien und Sardinien, kommen seit dem 11. Jahrhundert Gebäude vor, die vollständig mit einer Terrasse bedeckt sind, z.T. kombiniert mit Kuppeln, Tonnen- oder Kreuzgewölben. Auch zahlreiche normannische oder staufische Kastelle in Unteritalien und auf Sizilien besitzen Dachterrassen, wie z.B. das Kastell Friedrich II. in Catania. In der italienischen Renaissance besaßen die Bogengänge in den Höfen der Palazzi gewöhnlich eine Dachterrasse.

Für den oberen Abschluss von Gebäuden war seit dem Ende der Renaissance entsprechend der allgemeinen Entwicklung der Abschluss der Terrassen mit einer Balustrade üblich. Die Dachterrassen des Dresdner Zwingers (Kronentorseite) bestanden aus großen, sorgfältig vermörtelten Steinplatten auf kräftigen Eichenholzbalken ohne besondere Dichtungsmaterialien. Für Wohnhäuser wurde eine dichte Balkenlage, Ausstopfen der Fugen und mehrfache Teerung mit Sandzuschlag, ggf. eine Brettlage als Schutzschicht, vorgeschlagen. Ein starkes Gefälle zur Ableitung des Oberflächenwassers war stets unerlässlich. Seit dem Ende des 18. Jh. kamen kräftige, mit Teer und Pech, auch Leinöl oder Harz getränkte Papiere in mehreren Lagen als Dichtungsschicht für flach geneigte Dächer zur Anwendung. Sie wurden auch als so genannte Harzplatten verlegt und miteinander verklebt. Um sie begehen zu können, erhielten sie einen Belag aus Fliesen oder Steinplatten. Aus diesen Anfängen heraus entwickelten sich, besonders forciert durch die Einführung der Dachpappe und des Bitumens, vielfältige Konstruktionen für Dachterrassen auf Holz- oder massiven Unterkonstruktionen. Im Zuge der weiteren Verbesserung der Abdichtungstechnik entstanden zahlreiche Dachterrassen und schließlich Terrassenhäuser.

Wer den Bau einer Terrasse plant, sollte vorher klären, ob hierfür eine Baugenehmigung erforderlich ist und ob es Einschränkungen bezüglich des Grenzabstands zum Nachbargrundstück gibt. Ist dies geklärt, muss der potenzielle Bauherr sich entscheiden, auf welchem Untergrund die Terrasse hergestellt wird und sich weiter darüber im klaren sein, dass bei unzureichend tragfähigem Untergrund spätere Nachsetzungen nicht ausgeschlossen werden können. Die Terrasse kann dazu entweder auf dem gewachsenen oder dem aufgeschütteten Untergrund gebaut werden, wobei insbesondere das aufgeschüttete Erdreich dazu neigt, sich über lange Zeiträume noch weiter zu setzen, was dann zu entsprechenden unschönen Unebenheiten in der Terrassenoberfläche führt. Besser ist es, die Terrasse auf eigens hierfür hergestellten Fundamenten, auf die eine Stahlbetonplatte aufgelegt wird, zu gründen. Wird die Tiefe der Fundamente ausreichend groß gewählt und sowohl Plattendicke als auch Bewehrung nach den statischen Erfordernissen von einem Bauingenieur festgelegt, können ungleichmäßige Setzungen nahezu ausgeschlossen werden. Der Terrassenbelag sollte so ausgebildet werden, dass kein Wasser in den Untergrund versickern kann und damit im Winter die Gefahr besteht, dass es zu Frosthebungen kommt. Das auftreffende Oberflächenwasser muss in jedem Falle sorgfältig abgeleitet werden können, sinnvoll wird es häufig auch sein, eine Dränage anzubringen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Stromversorgung der Terrasse mit Installation mindestens einer Steckdose (die gegen Regenwasser dicht sein muss und im Haus ein- und ausgeschaltet werden kann), um damit später Elektrogeräte (z.B. den elektrischen Grill) oder die stimmungsvolle Terrassenbeleuchtung anschließen zu können.

Zu diesem Thema haben wir am 13.10.1997 im Handelsblatt folgendes interessante Urteil gefunden:

Rücksichtnahme trotz Baugenehmigung

Ein Eigentümer eines Reihenhauses wollte in seinem Garten auf einem 80 cm hohen Sockel eine Terrasse mit Mauer und einer zwei Meter hohen Pergola errichten. Baurechtlich war gegen die Errichtung nichts einzuwenden.

Dies stellt nach Auffassung des Baden-Württembergischen Verwaltungsgerichtshofs jedoch keinen Freibrief dar. Auf die Belange der Nachbarn muss auch dann Rücksicht genommen werden, wenn ein Anbau nach dem Baurecht zulässig ist. Da es sich um eine Reihenhaussiedlung mit sehr schmalen Grundstücken handelte, wirkte der geplante Terrassenbau für die Nachbarn äußerst störend und musste daher unterbleiben.

Urteil des Baden-Württembergischen VGH, Az. 5 S 1252/96

siehe auch:
- Altan
- Arkaden
- Beischlag
- Einfriedung
- Erker
- Laube
- Loggia
- Pergola
- Stützmauer
- Veranda
- Wintergarten