elkage.de
Suchbegriff eingeben:

Lehrgerüst

Um Decken, Stützen oder Gewölbe oder sonstige Bauteile in die gewünschte Form bringen zu können, werden während der Bauzeit so genannte »Lehrgerüste« benötigt. Dabei handelt es sich um eine Hilfskonstruktion, die das teilfertige Tragwerk stützt und die Negativform der Konstruktion darstellt. Lehrgerüste, die oftmals fachwerkartig ausgebildet werden, bestehen aus Holz oder Stahlrohren, aber auch Aluminiumprofile werden inzwischen verwendet; Kombinationen verschiedener Materialien sind ebenfalls möglich. Die gelegentlich noch verwendete Bezeichnung Lehrbogen weist auf den Ursprung des Lehrgerüsts hin, nämlich auf den Gewölbebau. Mit dem Lehrgerüst wurde (und wird) die Wölbung eines Gewölbes festgelegt, der Maurer konnte die Bogensteine auf diesem Lehrbogen aufmauern. Nach der Fertigstellung des Gewölbes und der ausreichenden Erhärtung des Mörtels wurde der Lehrbogen wieder entfernt.

Lehrgerüste werden heute insbesondere bei der Herstellung von Stahlbetonkonstruktionen benötigt. In die Negativform wird nach dem Verlegen der Bewehrung der Beton hineingegossen, nach dem Erhärten des Betons wird das Lehrgerüst entfernt und kann an anderer Stelle wiederverwendet werden. Lehrgerüste können je nach Anwendungsfall sowohl in einer ortsfesten Ausführung als auch als fahrbare Hilfskonstruktionen ausgebildet werden, damit wird eine schnellere Verschiebung an eine andere Stelle im Rohbau ermöglicht. Wird beispielsweise eine Brücke auf ihrer gesamten Länge vollständig eingerüstet, handelt es sich dann um ein ortsfestes Lehrgerüst, wobei dies naturgemäß nur bei kleineren Brücken sinnvoll möglich ist. Bei größeren Brücken dagegen setzt man fahrbare Lehrgerüste ein, die nach dem Absenken weitergeschoben werden, wenn ein Segment oder ein Feld einer solchen Brücke fertig gestellt ist. Das Absenken der Lehrgerüste erfolgte früher über den Entfernung von Keilen, heute geschieht dies überwiegend mit Schraubspindeln, gelegentlich auch mit Sandtöpfen.

Insbesondere bei Brücken oder Gewölben müssen die Lehrgerüste ingenieurmäßig berechnet und bemessen werden, auch die örtliche Herstellung muss durch den qualifizierten Bauingenieur überwacht und begleitet werden.

Der Franzose Jean Rodolphe Perronnet (1708-1794) als Meister des Lehrgerüstbaus hat den Segmentbogenbau zur hohen Reife entwickelt. Von ihm stammt die Seine-Brücke in Neuilly (westlich von Paris) mit ihren fünf flachen Bogen, die im Jahre 1772 fertig gestellt wurde. Aufgrund der flachen Bögen entstanden vergleichsweise große horizontale Auflagerkräfte, der daraus resultierende große Gewölbeschub konnte jedoch nur aufgenommen werden, wenn alle Bögen gleichzeitig auf jeweils einem Lehrgerüst hergestellt wurden. Um den König und die versammelte Öffentlichkeit zu beeindrucken, ließ Perronnet nach der Fertigstellung aller Steinbögen alle Lehrgerüste gleichzeitig zusammenfallen, plötzlich stand die Brücke in aller Pracht da. Diese Bogenbrücke ersetzte die alte, hölzerne Brücke, die durch Eisgang zerstört wurde.

siehe auch:
- Arbeitsgerüst
- Arbeitsplattform
- Auslegergerüst
- Konsolgerüste
- Leiter
- Schalung