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Fenster

Ein modernes Haus, welches Wohnzwecken oder ähnlichen Nutzungen durch Menschen dient, ist ohne »Fenster« nicht vorstellbar. Natürliches Sonnen- und Tageslicht gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Doch die Entwicklung bis zum heutigen modernen Fenster mit Funktionsverglasung dauerte Jahrhunderte, wobei diese bis zum heutigen Tage noch immer nicht abgeschlossen ist. Sowohl die Fensterrahmen erfahren technische Verbesserungen, aber auch die Verglasung wird „intelligent“. Durch spezielle Steuerungen und Beschichtungen passt sich die Lichtdurchlässigkeit der Gläser an die Helligkeit der Umgebung an, auch ist das Potenzial zur Energiegewinnung im Winter noch nicht ausgeschöpft. Zukünftige Entwicklungen lassen erwarten, dass Fenster auch zur Stromerzeugung analog zu Solarzellen eingesetzt werden können.

Zu Recht spricht man von Fenstern als den Augen eines Hauses - das gilt sowohl für Wohnhäuser als auch für Büro- und Geschäftshäuser. Sie bieten nicht nur die Möglichkeit, Bilder von der Außenwelt im Inneren des Hauses aufzunehmen, sondern sie geben auch dem Hause selbst ein Gesicht, das von außen wahrgenommen wird. So tragen sie ganz wesentlich dazu bei, ob ein Haus als sympathisch oder unsympathisch, als aufgeschlossen oder verschlossen, als ungewöhnlich, als heiter oder bedrohlich, als verspielt oder einladend empfunden wird. Fenster sind auch ein wesentliches Gestaltungsmittel für Bauherren und Planer, um das Haus in eine Beziehung zu seiner Umwelt zu setzen. Die Spannbreite dessen, was unter »Fenster« verstanden werden kann, von Butzenscheiben bis zu kompletten Glasfassaden, eröffnet unzählige Möglichkeiten, einem Haus ein Gesicht zu geben.

Neben den Gestaltungsmöglichkeiten sind die Fenster für die Bewohnbarkeit der Räumlichkeiten elementar. Im Vordergrund steht dabei die Versorgung der Räume mit Tageslicht, ohne zugleich die Schutzfunktion der Wand durch den Lichteinlass allzu sehr zu stören. Häuser, bei dem die Fenster diese Doppelfunktion erfüllen, waren früher keineswegs selbstverständlich.

Ursprünglich bedeutet »Fenster« nichts weiter als »Öffnung in der Wand für Luft und Licht«. Und von den Germanen ist überliefert, dass sie ihre Wandöffnungen als »Windauge« bezeichneten. Auffällig ist, dass sich dieser Ausdruck auch heute noch im englischen »Window« oder im dänischen »vindue« wiederfindet. Und bei den Römern hießen die Fenster »fenestrae«. Da die Römer bereits in der Lage waren, Glas herzustellen, lag es nahe, dass sie damit auch die Wandöffnungen verschlossen. Von Rom aus verbreitete sich die Bezeichnung ebenso, wie das verglaste Fenster selbst. Die lateinische Bezeichnung für Fenster setzte sich auch in anderen Sprachen durch, beispielsweise im französischen »fenêstre«, im italienischen »finistra« oder im schwedischen »fönster«.

Erst durch den faszinierenden Baustoff Glas konnten Fensteröffnungen geschlossen werden, ohne das Licht auszuschließen und den Ausblick zu verdecken. Umso überraschender ist es aus heutiger Sicht, dass es von der Erfindung der Glasherstellung vor 5000 Jahren in Ägypten bis zum Ende des Mittelalters brauchte, bis Fenster in Europa regelmäßig verglast wurden. Dabei spielte es sicherlich eine Rolle, dass die Glasherstellung außerordentlich aufwändig war. Dem entsprechend hohen Preis stand eine sehr beschränkte Lebensdauer gegenüber. Auch die Leistungsfähigkeit von Glasfenstern war lange Zeit recht gering. Zerbrechlichkeit und Kosten des Glases bedingten hohe Sprossenanteile, so dass die Fenster oft nur wenig Licht und Wärme einließen. Im Winter wirkten die verglasten Fenster als Kältelöcher, durch die der Wind zog und in denen Eisblumen blühten. Daher galt es, diese Öffnungen klein zu halten, erst recht, als in manchen Ländern Ende des 17. Jahrhunderts die Fensterflächen als Grundlage der Steuerbemessung herangezogen wurden. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein spielten bauphysikalische Anforderungen an den Schallschutz oder den Schutz vor sommerlicher Überhitzung nur eine untergeordnete Rolle bei der Fensterplanung.

Die ersten menschlichen Behausungen waren fensterlos; es gab in den frühgriechischen und italischen Siedlungen nur Licht- und Abzugsöffnungen. In den griechischen Palästen und Bürgerhäusern auf Kreta allerdings waren schon Aussichtsfenster bzw. relativ große Fenster in den oberen Stockwerken; die Tempel wiederum wiesen zumeist, abgesehen von wenigen Ausnahmen, keine Fenster auf. Zur Fensterfüllung verwendeten die Römer seit dem 1. Jh. n. Chr. als erste Glas, während im vorderen Orient Gitterwerk aus Ziegeln, Metall und Holz als Materialien dienten. In den Burgen des Mittelalters schützte man sich vor der oft grimmigen Kälte durch geöltes Pergament, oder man hängte Teppiche oder Holzläden vor bzw. ins Fenster, die die fehlenden Fensterscheiben ersetzen sollten. Glas gab es zwar schon, aber nur die Reichen konnten es sich in einzelnen Fenstern des Hauses leisten. Die bleigefassten Butzenscheiben ließen Licht herein, verhinderten aber die Sicht nach außen. Erst allmählich wurden Glasfenster auch in einfacheren Häusern gebräuchlich. Da es auch an Beleuchtungsmöglichkeiten mangelte, war es in den Zimmern meist zugig und dunkel. Um den Einfall des Lichts zu erhöhen, kam in der Romanik das schräg zur Mauerstärke eingeschnittene Fenstergewände auf. Lage, Größe und Form der Fenster wurden mitbestimmend für die äußere Erscheinung kirchlicher Bauten.

Das Ende des 17. Jahrhunderts war offenbar das Jahrzehnt der Steuern. In England wurde die Salzsteuer verdoppelt, Preußen erhob eine Perückensteuer, Berlin besteuerte die unverheirateten Frauen, und schließlich beschloss das englische Parlament im Jahre 1697 eine Fenstersteuer für Häuser mit mehr als sechs Fenstern. Sie wurde wiederholt erhöht und schließlich 1851 aufgehoben. Die Franzosen begrüßten diese Idee und führten 100 Jahre später ebenfalls eine Steuer für Fenster ein. Aber Fenster waren nicht nur für den Fiskus interessant. Bei Goethe geht Götz von Berlichingen ans Fenster seiner Burg Jagsthausen, lässt seinen allseits beliebten Spruch los und „schmeißt das Fenster zu“. Zigeunerinnen wissen, dass man Neuigkeiten erfahren wird, falls man im Traum zum Fenster hinausschaut. In den bayerischen Alpen benutzten junge Burschen das Fenster statt der Tür, um mit Hilfe einer Leiter zu ihrem Liebchen zu kommen. Der etwas umständliche Brauch wurde als „Fensterln“ bezeichnet. Ein paar tausend Jahre früher hätten sie sich schwer getan.

In frühen Hausbauzeiten war der Mensch wahrscheinlich froh, dass er seine Behausung einigermaßen dicht bekam, und Löcher in den Wänden hätten wohl nicht dazu beigetragen. Als Licht- und Luftquelle war ein Rauchloch über dem Feuer völlig ausreichend, wie es noch heute im primitiven Wohnbau erhalten blieb. In vorgeschichtlicher Zeit durchbrach man die Mauern schon mit schlitzartigen Lichtöffnungen. Qalat Jarmo in den Zagros-Bergen des irakischen Kurdistan war um etwa 6500 v.Chr. eine Ansiedlung sesshafter Bauern. Ihre quadratischen Wohnbauten aus Lehm und Schlamm wiesen bereits Fensteröffnungen auf.

Catal Hüyük im anatolischen Hochland der südlichen Türkei ist eine der ältesten Städte der Erde (etwa 6500 v.Chr.). Die Häuser waren ohne Zwischenraum aneinandergebaut, wie ein indianischer Pueblo, mit stufenförmiger Anordnung der Flachdächer.

Das Licht konnte durch eine Reihe kleiner Fenster in die Räume gelangen, die in zwei der vier Außenwände hoch oben unterhalb der Dachkante angebracht waren. Im 3. Jahrtausend v.Chr. hatten die mesopotamischen Häuser hoch angebrachte, rechteckige Fenster, die oft durch ein Holzflechtwerk oder Terrakotta-Gitter verschlossen wurden - in Mesopotamien war man misstrauisch. Im alten Ägypten sollen nicht nur die großen Häuser der Wohlhabenden mehrere Gitterfenster gehabt haben, sondern auch die kleinen Häuser. Allerdings sind die Meinungen geteilt: „Der kleine Mann lebte in einer strohgedeckten Behausung aus Lehmziegeln, die sich eng an das Nachbarhaus drückte und nur aus ein oder zwei fensterlosen Räumen bestand“, so ein Zitat von Wolf Schneider.

Die Kreter waren im Fensterbau vorbildlich. Für die Zeit um 1800 v.Chr. waren die breiten, unverglasten Aussichtsfenster der minoischen Paläste ein unerhörter Luxus. Selbst die Bürgerhäuser konnten in den Obergeschossen mit großen Fenstern in regelmäßigen Abständen aufwarten. Weit weniger fortschrittlich war man in Karthago. Die vielstöckigen Häuser zeigten zu den düsteren Gassen hin keine Fenster, sondern nur einige wenige gingen zum Innenhof.

Ähnlich war es bei den griechischen Häusern der späteren hellenistischen Zeit. Auch die Griechen zogen es nämlich vor, auf ihren Innenhof zu schauen, allerdings durch größere Fenster mit Gitterwerk aus Holz oder Metall, sogar aus Alabaster. In Arabien hatte man noch eine andere Art des Fensterverschlusses gefunden. Man nahm dazu einen „Stein“, so berichtete der römische Gelehrte Plinius um 65 n.Chr., „der so durchsichtig wie Glas ist und zu Fensterscheiben gebraucht wird“. Der Stein, von dem Plinius berichtete, war Glimmer oder Blättergips.

Fensterglas - eine „unerhörte Verschwendung“

Glas war im Zweistromland und in Ägypten seit dem 3. Jahrtausend v.Chr. bekannt. Aber erst die Römer kamen auf die Idee, ihre Fenster damit zu verglasen, und zwar schon in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n.Chr. Bei Ausgrabungen in Pompeji fand man runde, gucklochartige Öffnungen in manchen Hauswänden, die mit einer dicken Glasscheibe verschlossen waren. Allerdings waren Glasscheiben so selten und kostbar, dass Plinius der Ältere in der Verwendung von Glas herausragende Beispiele „unerhörter Verschwendung“ sah.

Von der heute gewohnten Durchsichtigkeit konnte damals nicht die Rede sein. Die ersten Fensterscheiben waren rund, dick, nicht sonderlich klar und unregelmäßig und dienten wohl eher dem Zweck, Licht hereinzulassen und das schlechte Wetter draußen zu halten. Während der römischen Kaiserzeit kam den Fenstern wachsende Bedeutung zu. Nicht nur die öffentlichen Gebäude, sondern auch die Bürgerhäuser zeigten mehr und größere Fensteröffnungen, die wohl auch zumindest teilweise verglast waren.

Vom Mittelalter an bekam das Fenster eine baukünstlerische Funktion. Form und Größe richteten sich nach dem jeweiligen Baustil, oder, wie es ein altes Lexikon ausdrückt: „Die äußere Gestaltung der Fensterumrahmung ist für den Charakter der Façade eines Gebäudes von hoher Bedeutung und ist in den verschiedenen Baustilen eine wechselnde.“ In der Gotik mit seinen spitzbogigen Fenstern erlebte der Glasfensterbau einen Boom, in der Renaissance stand der Rundbogen gleichberechtigt neben dem geraden Fenstersturz, im Barock liebte man Überdachungen in reichen Giebel- oder Segmentbogenformen, der Klassizismus führte wieder zu klaren Linien zurück, das 20. Jahrhundert sieht das Fenster als wandgestaltendes Element.

Im regnerischen England leisteten sich die Reichen etwa ab 1180 den Luxus, ihre Wohnungen mit Glasfenstern zu versehen. In Deutschland begnügte man sich zu der Zeit noch meistens mit Ersatzstoffen wie Pergament oder geölter Leinwand. In den reichen Städten Deutschlands begann sich die Fensterverglasung erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts durchzusetzen. Das Problem der Flachglasherstellung für Fensterscheiben (und für Spiegel) war im späten Mittelalter mehr oder weniger gut gelöst worden. Das aufgeblasene Glas wurde durch Pendelschwingungen der nach unten gehaltenen Pfeife zu einem walzenförmigen Hohlkörper verlängert, der aufgeschnitten und zu Flachglas verarbeitet wurde.

Enea Silvio de Piccolomini, der spätere Papst Pius II., hielt es 1448 für Wiens größte Sehenswürdigkeit, dass die meisten Häuser der Stadt mit Glasfenstern ausgestattet waren. Es handelte sich dabei um in Blei gefasste Butzenscheiben, die aus „Mondglas“ hergestellt wurden: runde Glasscheiben, durch Schleudern der geblasenen Glaskugeln entstanden. Das Gießen größerer Glastafeln gelang erst Ende des 17. Jahrhunderts dem Franzosen Lucas de Nehou. Sie wurden allerdings fast nur zu raumhohen Spiegeln für die Spiegelkabinette prunklüsterner Schlossherren verarbeitet.

Der Weg zu hellen luftigen Räumen mit preiswertem Tafelglas in unaristokratischen Mengen wurde durch den belgischen Ingenieur Emile Fourcault (+ 1920) geebnet. Bei seiner 1902 erfundenen Maschine zur mechanischen Fensterglasherstellung wurde die zähflüssige Glasschmelze als breites Band aus der Arbeitswanne gezogen und nach dem Passieren von wasserdurchströmten Kühlschirmen von Walzen geformt. Fourcaults Verfahren war erst 1914 industriell verwertbar, nachdem der Erfinder sich vorher finanziell ruiniert hatte.

Im Jahre 1959 wurde von Pilkington Brothers Ltd. in England das Floatglasverfahren eingeführt. Bei dieser Technik erstarrt die Glasschmelze auf einer Metallschmelze schwimmend. Das Endergebnis ist ein Glas mit glatter und ebener Oberfläche, das auch ohne Schliff die Welt auf der anderen Seite des Fensters ohne expressionistische Verzerrung zeigt.

Moderne Fenster lassen sich nicht nur auf verschiedene Weise öffnen, sie erfüllen auch noch technische Anforderungen wie guter Schallschutz, hoher Brandschutz und in zunehmend hohem Maße auch hohen Wärmeschutz. Dazu werden die Herstellverfahren verbessert, Funktionsverglasung mit 2 oder inzwischen 3 Scheiben senken den Energiedurchlass. Die Fenster können in (fast) allen denkbaren Formen hergestellt werden. Zur nochmaligen Verbesserung des Wärmeschutzes können Rollladen die Fensteröffnung außen verschließen. Zum Schutz gegen Insekten können Insektengitter integriert werden, die auch bei geöffnetem Fenster verhindern, dass diese ins Haus gelangen. Fenstergläser können inzwischen auch durch spezielle Nano-Beschichtungen so ausgestattet werden, dass sie nicht mehr geputzt werden müssen; einfaches abspülen mit klarem Wasser oder auch ein Regenschauer reicht, um die Glasscheibe zu reinigen.

siehe auch:
- Antikglas
- Behaglichkeit
- Bleiruten
- Blendrahmen
- Butzenscheibe
- ESG
- Fensterarten
- Fenstersteuer
- Floatglas
- Galgenfenster
- Glas
- Isolierglas
- Mondglas
- Schwitzwasser
- Setzholz
- Stulp
- Taupunkt
- VSG
- Waldglas
- Wolfsrachen