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Giebel

Beim »Giebel« (althochdeutsch »gibil« = »Vorderseite«) handelt es sich um den senkrechten, meist dreieckigen Dachabschluss zwischen den geneigten Flächen des Satteldachs. Der Giebel ist der hintere und vordere Querabschluss, der sich quer zur Firstlinie befindet. Dies gilt unabhängig von der Dachform, das heißt ob es sich um ein Sattel-, Tonnen- oder Mansarddach handelt. Die Tatsache, dass im Fachwerkbau der Gabelständer in der Mitte des Giebels die Firstpfette aufnimmt, lässt den Schluss zu, dass die Wortbedeutung des Giebels auf „Gabel“ zurückzuführen ist. Für die Griechen war der Giebel eines Gebäudes mit dem Kopf oder der Stirn des Menschen gleichbedeutend, was im Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache von Fr. Kluge nachzulesen ist.

Heute verbinden wir mit dem Begriff Giebel nur noch das Giebeldreieck. Die Ortgänge werden hierbei als Abschluss der Dachkante des geneigten Daches mit dem Giebel bezeichnet. Ortgang-Formziegel bildeten ursprünglich den Witterungsschutz und auch die Windsogsicherung für diesen, dem Wetter stark ausgesetzten Dachbereich. Insbesondere ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wird dieses Band, welches die „Stirn“ des Hauses markiert, mit Schmuckziegeln hervorgehoben. Zu unterscheiden sind zwei Grundformen: winkelförmige, die Dachfläche und den Giebel überdeckende Ziegel sowie plattenartige, unter der überkragenden Deckung angebrachte Ziegelelemente.

Zierortgänge werden aus insgesamt fünf verschiedenen Schmuckziegeln zusammen gesetzt: Firstspitze/Giebelspitze, Zwischenstücke links und Zwischenstücke rechts, Traufstücke links und Traufstücke rechts.

Im Laufe der architektonischen Entwicklung änderten sich die Giebelformen bezüglich Formen und Verzierungen. Die wesentlichen Unterschiede stellen sich wie folgt dar:

• Der Giebel des griechischen Tempels ist ein von Gesimsen umrahmtes, mit plastischen Bildwerken geschmücktes flaches Dreieck (Giebelfeld, Tympanon), zuweilen mit einem Akroterion verziert.

• In der mittelalterlichen Baukunst wurde der Giebel als freier Giebel (das Dach endet bündig vor der Giebelwand, die Giebelmauer überragt die Dachfläche, häufig ist der Giebel dann auch treppenartig abgestuft) oder als gedeckter Giebel (der Giebel wird von der Dachfläche überragt) ausgebildet.

• In der Gotik wurden die Schrägen mit Krabben verziert, an der Spitze kam meist eine Kreuzblume zur Ausführung. Das spitzwinklige Giebelfeld verzierte man mit Statuten und Maßwerk.

• Im Profanbau war neben dem einfachen Steilgiebel der gestufte, das Dach überragende Treppengiebel (Staffelgiebel) beliebt, der mit Zinnen, mit Maßwerk und Friesen, mit Blendbogen u.a. geschmückt sein konnte (besonders im norddeutschen Backsteinbau).

Renaissance und Barock belebten die Giebellinie durch Volutenübergänge und gliederten die Fläche mit Pilastern und Säulen.

• Der Klassizismus wandte sich wieder dem flach geneigten antiken Giebel zu (Frontispiz).

• Seit der italienischen Renaissance wurde der Giebel auch als dekoratives Motiv, z.B. als Fensterbedachung, verwendet.

• An der Barockfassade wechseln Dreiecksgiebel und Segmentgiebel häufig in rhythmischer Folge. Wird das rahmende Gesims im Mittelteil des Giebels unterbrochen, entsteht der gesprengte Giebel, wird das Gesims vor- oder zurückgestuft, der gekröpfte Giebel.

siehe auch:
- Dachform
- Dachschmuck
- Fensterbank
- Firstpfette
- Gewände
- Giebelhaus
- Krepis
- Lisene
- Portal
- Sima
- Treppengiebel
- Tympanon
- Wimperg
- Zwerchgiebel