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Bauleiter

Der Bauleiter ist der Hauptverantwortliche der am Bau Beteiligten. Er ist verantwortlich für die ordnungsgemäße Ausführung der Bauarbeiten und muss die Sicherheit auf der Baustelle überwachen, er muss weiterhin dafür sorgen, dass die Baumaßnahme nach den baurechtlich genehmigten Bauvorlagen ausgeführt wird. Der Bauleiter wird vom Bauherrn eingesetzt, lediglich für unbedeutende Bauvorhaben mit geringem Gefährdungspotenzial ist ein Bauleiter nicht erforderlich. Als Bauleiter sind nur qualifizierte Architekten oder Bauingenieure mit entsprechender Berufserfahrung geeignet, je nach Länderrecht muss ein Bauleiter dazu bauvorlageberechtigt sein. Für spezielle Gewerke, für die der Bauleiter die erforderliche Sachkunde und Erfahrung nicht besitzt, hat dieser einen oder mehrere Fachbauleiter zu bestellen (z.B. für die Elektrotechnik oder für Klimaanlagen).

Der Bauleiter ist verantwortlich für die fachübergreifende Koordination aller Bauarbeiten und gegenüber dem Bauherrn verpflichtet, auch die öffentlich-rechtlichen Belange zu berücksichtigen (z.B. Einhaltung von Grenzabständen, Überwachung und Kontrolle der Unfallverhütungsvorschriften usw.).

In einigen Bundesländern wurde der Bauleiter aus den entsprechenden Landesbauordnungen leichtfertig entfernt (z.B. in Thüringen) und durch den Bauunternehmer ersetzt. Dies beruht einfach darauf, dass man sich politisch nicht auf eine gewisse Mindestqualifikation des Bauleiters festlegen konnte oder wollte, so dass dieser als Begriff nicht mehr enthalten ist. In NRW hat man diesen gravierenden Mangel aus dem Jahre 1995 erkannt und bei der Novellierung der Landesbauordnung im Jahre 2001 den Bauleiter wieder eingeführt.

Der gravierende Nachteil eines Bauunternehmers anstelle des Bauleiters ist der, dass dieser ausschließlich sein eigenes Gewerk (z.B. den Rohbau) sieht und danach von der Baustelle abzieht und damit mit den Folgearbeiten (z.B. Estrich, Elektroarbeiten usw.) nichts mehr zu tun hat. Eine durchgängige Verantwortung ist damit nicht gegeben, im Zweifelsfalle ist der Bauherr dann allein für Fehler und Mängel verantwortlich, obwohl dieser in den allermeisten Fällen fachlich dazu überhaupt nicht in der Lage ist.

Auch hier zeigt sich wieder die politische Unfähigkeit und Ignoranz gegenüber dem „mündigen Bürger“, der bei seinem Lebenswerk, welches ein Hausbau in der Regel für eine durchschnittliche Familie immer darstellt, allein gelassen wird. Es kann nicht angehen, dass für jedes Auto eine durchgehende, intensive und kontinuierliche Kontrolle von der Herstellung bis zur Verschrottung vorgeschrieben ist (turnusmäßige technische Überwachung, Abgasuntersuchungen, am Ende eines Autolebens sogar ein Verwertungsnachweis), bei einem Einfamilienhaus, welches im Normalfall ungleich mehr kostet und nahezu immer ein Unikat ist, diese Überwachung jedoch nahezu vollständig entfallen soll bzw. sogar in einigen Bundesländern bereits Fakt ist.

Nach aller Erfahrung tummeln sich gerade dort, wo weder unabhängig von Lieferinteressen geprüft noch überwacht wird, besonders viele schwarze Schafe, die nur auf schnelles Geld aus sind. In allen diesen Fällen ist jeder Bauherr mehr als gut beraten, sich zumindest einen guten Bauleiter zu suchen und diesen gegen ein angemessenes Honorar mit der Überwachung sämtlicher Bauarbeiten zu beauftragen. Hier gilt der Grundsatz, den schon Lenin richtig erkannt hat:

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“

siehe auch:
- Alptraum
- Architekt
- Baugenehmigung
- Bauingenieur
- Baumeister
- Baumurks
- Baupfusch
- Bautechnische Nachweise
- Bauträger
- Gilde
- Oberbauleiter
- Prüfingenieur für Baustatik
- QS
- Vier-Augen-Prinzip
- Zunft