elkage.de
Suchbegriff eingeben:

XPS

Die Abkürzung für Polystyrol lautet »PS«. Polystyrol ist ein durch Polymerisation von Styrol (= ungesättigter, aliphatisch-aromatischer Kohlenwasserstoff, der u. a. im Steinkohlenteer und in Pyrolyseprodukten des Erdöls vorkommt) hergestellter amorpher, thermoplastischer Kunststoff. Polystyrol ist glasklar, hat eine mittlere Festigkeit und Härte sowie geringe Schlagzähigkeit. Der billige Massenkunststoff wird zu Bauteilen für Radio- und Fernsehgeräte, Verpackungen für Lebensmittel u.a. verarbeitet. Schlagfestes Polystyrol ist ein Zweiphasensystem aus hartem Polystyrol und darin eingelagerten Kautschukpartikeln (Styrol-Butadien-Copolymerisate), die dem Werkstoff höhere Zähigkeit verleihen. Es wird für Maschinenverkleidungen, Gehäuse von Elektrogeräten, Kühlschrankinnenteile und Sanitärartikel verwendet.

Extrudierter Polystyrol-Hartschaum (Abkürzung »XPS«) wird als Wärmedämmstoff eingesetzt, die Herstellung ist in der Norm DIN EN 13164 geregelt. XPS wird in einem kontinuierlichen Extrusionsprozess hergestellt: Polystyrol-Granulat wird dazu in einem Extruder (= Schneckenstrangpresse) aufgeschmolzen und unter Zugabe von Treibmitteln - hauptsächlich Kohlendioxid (CO2) - und anderen Zusätzen über eine Breitschlitzdüse kontinuierlich ausgetragen. Der entstehende Schaumstoff ist homogen und geschlossenzellig. Nach dem Abkühlen werden die Dämmstoffplatten zugeschnitten und konfektioniert. XPS zählt zu den organischen Dämmstoffen.

XPS ist ein moderner Dämmstoff, der in der heutigen Bauindustrie vielfältig eingesetzt wird und dank seiner hervorragenden Eigenschaften daraus nicht mehr wegzudenken ist. Und doch hat er schon eine über fünfzigjährige Geschichte. XPS ist hoch druckfest und dabei elastisch, wasserabweisend, unverrottbar (zumindest in den meisten Fällen), gut wärmedämmend und schwerentflammbar. Durch die geschlossene Zellstruktur ist XPS ideal als Perimeterdämmung geeignet, da durch diese Zellstruktur keine Feuchtigkeit oder gar Wasser in diesen Dämmstoff eindringen kann.

Es war das Jahr 1941 in Midland, Michigan, als das US- Verteidigungsministerium der Dow Chemical Company den Auftrag erteilte, einen Schaumstoff zu entwickeln, der sowohl leicht und feuchtigkeitsunempfindlich, als auch möglichst hoch druckfest sein sollte. Warum? Nun, man befand sich mitten im zweiten Weltkrieg und die USA benötigte schnell installierbare und belastbare Schwimm- und Auftriebskörper für militärische Landemanöver und Flussüberquerungen, z. B. in Europa. Dow führte den Auftrag erfolgreich durch und entwickelte das Wunschmaterial - der erste extrudierte Polystyrol-Hartschaum war geboren. Nach dem erfolgreichen aber begrenzten Einsatz im Krieg fanden sich aufgrund der guten wärme- bzw. kältedämmenden und feuchtigkeitsbeständigen Eigenschaften des Schaumstoffes bald weitere Einsatzmöglichkeiten, z.B. im Schiffsbau, in Kühlhäusern und sogar bei der Blumendekoration. Dem Ideenreichtum waren kaum Grenzen gesetzt und so begann The Dow Chemical Company 1948 mit der Vermarktung ihres Produktes STYROFOAM, wobei dieser Begriff auch heute noch gebräuchlich und bekannt ist.

Sehr schnell hatten die Einsatzgebiete im Baubereich alle anderen Anwendungen überflügelt - der blaue Dämmstoff (von den Mitbewerbern werden XPS-Platten in anderen Farben, z. B. in Grün, Gelb oder Violett, hergestellt) wird zunehmend extensiv in Wohn- und Industriebauten zur Wärmedämmung in Wänden, in Böden und auf Dächern eingebaut. Aber auch das Umkehrdach ist ohne die Erfindung von XPS kaum denkbar, wird doch diese Wärmedämmung unterhalb der äußeren Abdichtungsebene eingebaut, da sie druckfest ist und wegen der guten Dämmeigenschaften dünner ausgeführt werden kann als andere Dämmstoffe (allerdings muss die Windsogsicherung besonders beachtet werden). Aufgrund seiner vergleichsweise gutmütigen Eigenschaften fand XPS aber auch den Weg in den Straßenbereich der parallel verlaufenden Alaska-Öl-Pipeline, wurde damit doch die aus technischer Sicht erforderliche Frostschutzschicht, die unterhalb des Straßenbelags eingebaut wurde, damit realisiert. Der Hersteller bezeichnet dieses XPS als »STYROFOAM«, ein auch hierzulande und aktuell immer noch sehr bekannter Markenbegriff.

Was so gut in Amerika funktionierte, sollte auch in Europa erfolgreich sein. 1963 begann die Vermarktung von STYROFOAM in »Old Europe« und wurde im Jahr 1964 schnell durch einen weiteren Polystyrol-Extruderschaum ergänzt: dem grünen Styrodur von der Firma BASF. Es folgten dann das violette JACKODUR von Gefinex-Jackon, das gelbe GLASCOFOAM von Poliglas und das gelbe ISOFOAM von Sirap Gema. Alle diese Produkte haben vergleichbare Eigenschaften.

Aufgrund der nun bereits seit Jahrzehnten bestehenden Erfahrungen mit den farbenfrohen (durchgefärbten) XPS-Produkten sind diese Dämmstoffe heute aus dem Baugeschehen nicht mehr wegzudenken. Aufgrund des deutlichen Kostenvorteils gegenüber beispielsweise Schaumglas sind XPS-Dämmstoffe nicht nur als Randdämmungen an Stahlbetondecken oder Stahlbeton-Ringbalken sowie Außenstürzen unverzichtbar, sondern auch in zahlreichen anderen Einbausituationen, wodurch dieser Dämmstoff inzwischen in nahezu jedem Neubau eingesetzt wird. Auch unter statisch tragenden Bodenplatten werden zunehmend XPS-Platten eingebaut, auch wenn hierzu noch keine jahrzehntelangen Praxiserfahrungen und damit Langzeiterfahrungen vorliegen. Die insgesamt fünf Hersteller von XPS-Produkten zeigen sich jedenfalls sämtlich innovativ und bemühen sich, die Umweltanforderungen in den Herstellungsprozessen im Sinne des Umweltschutzes umzusetzen. Besonders die Substitution des früheren (und sehr klimaschädlichen) Treibmittels FCKW durch HFCKW und nachfolgend dann durch CO2 und/oder HFKW haben die Umweltbilanz dieses Dämmstoffs deutlich verbessert.

XPS und der eng damit verwandte Polystyrol-Hartschaumstoff (EPS) entstehen durch unterschiedliche Herstellverfahren. Dabei weist der XPS gegenüber dem EPS eine höhere Druckfestigkeit auf. Beide zu den Hartschäumen zählenden Dämmstoffe haben vergleichsweise gute Wärmedämmeigenschaften. Wird XPS unter Einsatz von HFCKW- oder HFKW aufgeschäumt, können die Dämmeigenschaften nochmals verbessert werden, was dieses XPS dann naturgemäß teurer werden lässt als Standard-Dämmstoffe gleicher Dicke.

siehe auch:
- Bauschaum
- CO2
- EPS
- Foamglas
- Mineralwolle
- Perimeterdämmung
- PIR
- Pordränplatten
- PUR
- Steinwolle
- TWD
- WDVS