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Böschungswinkel

Jedes Kind hat es schon einmal selbst erlebt, wenn sich der natürliche Böschungswinkel (englisch Angle of slope, angle of steepest slope) des langsam trocknenden Sandes einstellt und die am Strand mühsam „gebaute“ Sandburg dabei nach und nach zerfällt. Allgemein versteht man unter einer Böschung (zu alemannisch bosch = Strauch) die Neigung des Geländes zwischen zwei verschieden hoch gelegenen Ebenen, z. B. die geneigten Begrenzungsflächen eines Straßendamms. Der Böschungswinkel, gelegentlich auch als Böschungsgrad bezeichnet, ist derjenige Winkel, unter dem sich loses Material (z. B. trockener Sand oder Kies) gerade noch anschütten oder anböschen lässt, ohne dass weiteres Material abrutscht. Der natürliche Böschungswinkel bezieht sich dabei immer auf trockenes Material, da durch die Zugabe von Wasser dieser Winkel bei vielen Materialien (z. B. auch bei Sand) verändert, d. h. vergrößert, aber auch verkleinert werden kann.

 

Die in der Abbildung dargestellte Tabelle enthält Winkelangaben, die jeweils nur als Anhaltswerte zu verstehen sind, da der Böschungswinkel neben der grundsätzlichen spezifischen Eigenschaft auch vom Zustand des Materials (Feuchtigkeit, enthaltene Fremdanteile, Temperatur) zum Zeitpunkt der Anschüttung abhängig ist. Dies ist besonders gut an den Böschungswinkeln bei feuchtem und bei trockenem Sand zu erkennen. Gleiches trifft auf Getreide zu, dessen Böschungswinkel im Brockhaus der Naturwissenschaften gar nur mit 30° angegeben ist.

 

Auch die in DIN 4124:2002-10 „Baugruben und Gräben - Böschungen, Verbau, Arbeitsraumbreiten“ angegebenen Böschungswinkel sind lediglich als Anhaltswerte zu verstehen, da gerade bei natürlich gewachsenen Böden meist noch weitere Beimengungen (z. B. organischer Art) enthalten sind, die neben Wasser den Böschungswinkel teilweise stark beeinflussen. Oftmals kann man bei stark bindigen Böden nahezu senkrecht hergestellte Baugruben auf einer nicht fachgerecht überwachten Baustelle antreffen, die zwar zum Zeitpunkt der Herstellung „steht“, die jedoch bei Entzug der Feuchtigkeit oder bei Regeneinwirkung sehr schnell instabil wird und somit dann zur Lebensgefahr werden kann.

 

Bei höheren Böschungen oder tieferen Baugruben, die nicht durch spezielle Verbaumaßnahmen gesichert werden, sind eine oder auch mehrere Bermen anzuordnen, was jedoch einen entsprechenden Platzbedarf voraussetzt. Werden Böschungen zu steil ausgebildet oder wird der Erdkörper durch äußere Einflüsse wie durch zu hohe Lasten an der Böschungskrone oder durch Grundwasser oder aufstauendes Sickerwasser ungünstig beeinflusst, kann es zum Böschungsbruch kommen, der meist ohne deutlich wahrnehmbare Vorankündigung eintritt.

 

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