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Entwurfsverfasser

Die bekanntere und landläufig verwendete Bezeichnung für »Entwurfsverfasser« ist »Architekt«, gleichwohl kann der Entwurf für ein Gebäude auch von einem Bauingenieur der Fachrichtung Hochbau erstellt werden. In der Regel ist der Entwurfsverfasser Architekt oder Bauingenieur, aber auch einige Innenarchitekten oder gar Handwerksmeister können unter bestimmten Voraussetzungen als Entwurfsverfasser tätig werden. Eingeschränkt bauvorlageberechtigt sind auch Innenarchitekten, etwa für den Innenausbau. Bei kleineren Bauvorhaben mit geringem Gefährdungspotential ist die Bestellung eines Entwurfsverfassers nicht immer zwingend erforderlich. Zu ihnen zählen kleinere, Nebenzwecken dienende Gebäude, bauliche Anlagen, die der Gartengestaltung dienen, Stellplätze, Carports und Instandsetzungsarbeiten.

Der Entwurfsverfasser ist die nach Bauvorlagen- und/oder Bauunterlagenprüfverordnung verantwortliche Person, die die Entwurfs- und die Ausführungsplanung für ein Bauvorhaben erstellt und bei der Baugenehmigungsbehörde einreicht. Um dies tun zu können, bedarf es einer Bauvorlageberechtigung, die in der Regel mit der Mitgliedschaft in einer Architekten- oder Ingenieurkammer verknüpft ist. Um eine Bauvorlageberechtigung zu erwerben, müssen bestimmte Kriterien vom Architekten oder Bauingenieur erfüllt werden, dazu gehören beispielsweise der Nachweis eines erfolgreichen (Fach-) Hochschulabschlusses der Fachrichtung Architektur oder Bauingenieurwesen, verschiedene Entwürfe unterschiedlicher Schwierigkeit, der Nachweis einer ausreichenden Berufshaftpflichtversicherung usw. Der Entwurfsverfasser ist für die Einhaltung sämtlicher öffentlich-rechtlicher Anforderungen voll verantwortlich und haftet nach dem Werkvertragsrecht für seine Tätigkeit vollumfänglich.

Auch Innenarchitekten können als bauvorlageberechtigte Entwurfsverfasser agieren, jedoch ist deren Vorlageberechtigung in der Regel eingeschränkt, z.B. auf den Innenausbau. In einigen Bundesländern sind auch Meister verschiedener Bauberufe (Maurermeister, Zimmermeister) eingeschränkt bauvorlageberechtigt, wobei diese Einschränkung sich auf die Größe der Gebäude bezieht (meist 200 m² Wohn- und Nutzfläche) und ggf. auch auf die überwiegend verwendeten Baustoffe (z.B. beim Zimmermeister auf die Planung und Ausführung eines Holzhauses).

Für untergeordnete Bauvorhaben wie die Errichtung eines Carports, von kleinen Nebengebäuden und baulichen Anlagen (z.B. zur Gartengestaltung) und von Stellplätzen, von denen ein geringes Gefährdungspotential ausgeht, ist die Bestellung eines Entwurfsverfassers oftmals nicht erforderlich. Im Zweifelsfall sollte sich der Bauwillige bei der Bauaufsichtsbehörde über die Erfordernis der Bestellung eines Entwurfsverfassers informieren.

In vielen Bundesländern wurde im Zuge der (vordergründig so genannten) »Deregulierung« das Freistellungsverfahren eingeführt, was auf den ersten Blick für den Bauherrn Vereinfachungen bringen soll. Dies bedeutet jedoch grundsätzlich nicht, dass damit auf einen bauvorlageberechtigten Entwurfsverfasser verzichtet werden kann. An dieser Stelle sollte sich jeder Bauwillige den folgenden Leitsatz des Bundesgerichtshofs vor Augen halten, der da lautet:

„Ein vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren stellt lediglich eine Vereinfachung des Verwaltungsablaufs dar, nicht aber eine inhaltliche Vereinfachung der Bestimmungen.“ (BGH VII ZR 391/99).

Jeder Bauherr ist mehr als gut beraten, sich für sein Bauvorhaben einen freiberuflich tätigen Entwurfsverfasser zu engagieren. Nach Möglichkeit sollte dieser in der Region ansässig sein und über entsprechende Referenzen verfügen, die auch abgefragt werden sollten. Dies ist ein Baustein für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, schließlich ist der Bau eines eigenen Hauses in der Regel die größte Investition, die ein Bauherr im Leben tätigt. Sich auf einen dubiosen Bauträger aus einer fernen Region und dessen »Baubetreuer« zu verlassen, ist meist mit sehr hohem Risiko verbunden, langwierige und teure Streitigkeiten sind oftmals die Folge, wie unsere einschlägigen Erfahrungen deutlich belegen.

Zu den daraus entstehenden Folgen können Sie auf unserer Homepage viele entsprechende Beispiele finden. Wir raten daher zur Beauftragung eines kompetenten und örtlich bekannten Entwurfsverfassers für jedes Ihrer Bauvorhaben!

siehe auch:
- Alptraum
- Bauingenieur
- Bauleiter
- Baumeister
- Bauträger
- Deregulierung
- Eigenleistung
- Eigenverantwortung
- GU
- Mangel
- Ordnungswidrigkeit
- Organisationsverschulden
- Pfusch am Bau
- Prüfingenieur für Baustatik
- QS
- Schlamperei
- Vier-Augen-Prinzip