In der Natur findet man an verschiedenen Orten ein Material, das dem Beton sehr ähnlich ist, woher auch der gelegentlich verwendete Ausdruck »Naturbeton« stammt, die richtige Bezeichnung für dieses Gestein lautet jedoch »Nagelfluh«. Das Gestein entstand vor Millionen Jahren unter Vermischung von Wasser, Kies, Sand und einem natürlichen Bindemittel. Die Nagelfluh [althochdeutsch „fluoh“ = Felswand] ist ein verkittetes Konglomerat der alpinen Molasse (= Sedimente in Außen- und Innensenken aufsteigender Faltengebirge, Konglomerate, Sandsteine und Mergel), dessen Gerölle an der Felsoberfläche nagelkopfartig herauswittern. Unterschieden werden Kalknagelfluh und bunte Nagelfluh (aus Kristallingeröllen).
Während der Eiszeit von Alpengletschern an den Gebirgsrand verfrachtetes Geröllmaterial blieb in der Regel unverfestigt. Nur an Stellen, wo sich größere Mengen stapelten (besonders an der Biber bei Brannenburg in Bayern), kam es zu einer intensiven Verfestigung. Rundtrümmer, eingebettet in eine feine Matrix aus dem gleichen Material, bilden einen zwar porigen, aber doch recht festen Stein. Der Regionalname des Konglomerates nimmt Bezug auf die nagelkopfartig aus der "Fluh" (Felswand) herausschauenden Gerölle. Nagelfluh setzt sich zusammen aus Granit, Gneis, Diabas und Amphibolit ([griechisch], vorwiegend aus Plagioklas und Hornblende bestehendes metamorphes Gestein) sowie weitere Grünsteine, vor allem Marmor und Kalkstein verschiedener Art. Die Bindung wird vorwiegend durch den Kalk bewirkt. Die Poren haben nur wenige mm Durchmesser, doch werden bei der Bearbeitung immer wieder auch große Partikel herausgerissen, so dass sich oft kirsch- bis pflaumengroße Löcher einstellen. Deren Vielfalt und die Buntheit der Komponenten machen den Stein zu einem beliebten Bau- und Dekorationsmaterial, das in den meistern Partien eine erstaunliche Festigkeit, einen geringen Abrieb und hohe Frostbeständigkeit aufweist.
Der Nagelfluh, dessen Kennzeichen die waschbetonartige Zusammensetzung ist, ist ein grau-buntes polymiktes Konglomerat des Pleistozän (quartäres Eiszeitalter) mit einer Rohdichte von ca. 2,3 kg/dm³, die Biegezugfähigkeit beträgt 6 N/mm², die Druckfestigkeit 34,5 - 38 N/mm², die Wasseraufnahme etwa 2,8 Gew.-%, er ist frostbeständig und teilweise auch polierfähig.
siehe auch:
- Aragonit
- Beton
- Breccie
- Diagenese
- Dolomit
- Gesteine
- Kalkstein
- Konglomerat
- Metamorphose
- Opus Caementitium