elkage.de
Suchbegriff eingeben:

Bauherr

Im rechtlichen Sinne ist der Bauherr bzw. die Bauherrin die natürliche oder juristische Person, auf deren Veranlassung und Verantwortung ein Bauvorhaben ausgeführt wird. Geschlechtsneutral oder bei mehreren Bauherren bzw. bei anderen Rechtsformen wird auch der Begriff Bauherrschaft verwendet. Als Bauherr können auch mehrere Personen auftreten, wie Bauherren- oder Eigentümergemeinschaften.

 

Der Bauherr hat einen bauvorlageberechtigten Entwurfsverfasser (Architekt oder Bauingenieur) und in der Regel einen Bauleiter (richtet sich nach den Vorgaben der jeweiligen Landesbauordnung) zu bestellen. Den Bauherrn trifft die Verpflichtung zur Anzeige des Baubeginns, der Baufertigstellung und der Wiederaufnahme von Bauarbeiten nach einer evtl. Unterbrechung. Wird das Bauvorhaben noch während der Realisierungsphase an eine andere Person oder eine Eigentümergemeinschaft verkauft, muss der bisherige Bauherr die zuständige Bauaufsichtsbehörde über den Bauherrenwechsel in Kenntnis setzen, da sich damit auch die Verantwortlichkeiten ändern und alle Rechte und Pflichten auf den neuen Bauherrn übergehen.

 

Der Bauherr muss nicht zwangsläufig Eigentümer des Baugrundstücks sein, es besteht auch die Möglichkeit, im Zuge eines Erbbaurechts auf einem Grundstück eines anderen Eigentümers eine Baumaßnahme durchzuführen und dieses Gebäude zu nutzen. Die Bauaufsicht ist aber berechtigt, die Zustimmung des Grundstückseigentümers zu verlangen (z. B. bei einem solchen Erbbaurecht).

 

Durch die inzwischen weitgehend erfolgten „Deregulierungen“ im Bauordnungsrecht aller Bundesländer ist der Bauherr im Grunde ausschließlich allein verantwortlich für die Einhaltung aller öffentlich-rechtlichen Vorschriften, die im Zusammenhang mit dem Bau eines Hauses beachtet werden müssen. Diese Verlagerung der Verantwortlichkeiten birgt in mancher Hinsicht sehr hohe Risiken, die der durchschnittliche Bauherr nicht oder nur sehr bedingt überblicken kann. Die Landesgesetzgeber und insbesondere die völlig ahnungslose Politik („denn sie wissen nicht, was sie tun“) verkaufen diese „Deregulierungen“ als „Weiterentwicklung im Sinne des Verbraucherschutzes“ und preisen dies sogar als willkommene Erleichterungen an, der „mündige Bürger“ soll´s richten. Für den konstitutionellen Bauherrn, der einschlägige Erfahrungen mit den teils höchst unterschiedlichen Landesbauordnungen gesammelt hat, mag dies in gewissen Grenzen noch zutreffen, der normale Häuslebauer ist damit allerdings eindeutig überfordert, wie nicht nur die Unteren Bauaufsichtsbehörden berichten, sondern auch zahlreiche Bußgeldverfahren, Baustopps und Zwangsanordnungen belegen.

 

Nicht übersehen werden darf zudem, dass inzwischen nahezu 99 % aller Wohnhäuser und Wohnungen von Bauträgern gebaut werden (Stand: August 2011), die gar kein Interesse daran haben, dass der Bauherr (der er in diesem Falle ja gar nicht mehr ist) bzw. Käufer einer solchen Wohnung zu viel Einblick in Planung und Realisierung hat. Und in den seltensten Fällen erhält der Käufer vom Bauträger mit der Zahlung des vereinbarten Kaufpreises vollständige Unterlagen zum Haus. Hierzu zählen z. B. alle Baupläne, der Lageplan und Freiflächenplan, die Entwässerungspläne, die Werkpläne (mindestens Maßstab 1:50 mit Darstellung aller wesentlichen Details wie z. B. Wandschlitze, Deckendurchbrüche, Materialgüten und -abmessungen usw.), das Baugrundgutachten, die vollständige statische Berechnung sowie die zugehörigen Schal- und Bewehrungspläne, der vollständige Nachweis der Energieeinsparung mitsamt Energieausweis, ggf. der Schallschutznachweis (bei Mehrfamilienwohnhäusern oder Reihenhäusern), der Nachweis des konstruktiven (vorbeugenden) Brandschutzes (ebenfalls bei Reihen- oder Mehrfamilienwohnhäusern), Überwachungsprotokolle (Baustellenprotokolle) über erfolgte Bewehrungs- und andere Abnahmen von Fachplanern und nicht zuletzt das Bautagebuch usw. Diese Unterlagen werden von einem Bauträger wohl nur in absoluten Ausnahmefällen an den Käufer übergeben, weshalb ein richtiger Bauherr, der seinen Wohntraum mit freiberuflichen Planern realisiert, hier ganz klar im Vorteil ist, zumal er durch die Einschaltung von unabhängigen Sachverständigen auch die Bauqualität in erheblichem Maße positiv beeinflussen kann. Und gerade beim Bau eines Hauses gilt, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt!

 

siehe auch: