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Pantheon

Aufgrund der Ähnlichkeit der Namen des römischen »Pantheon« und des griechischen »Parthenon« besteht leicht die Gefahr der Verwechselung, gleichwohl handelt es sich in beiden Fällen um Bauwerke. Auch wenn das Wort »Pantheon« die Gesamtheit der Gottheiten einer bestimmten Religion meint, verbindet man heute mit Pantheon zuerst den gleichnamigen Bau in Rom. Von Agrippa, dem Schwiegersohn des Augustus, errichtet und unter Kaiser Hadrian von etwa 118 bis 125 n.Chr. erneuert, wurden im römischen Pantheon die sieben Hauptgötter der Römer verehrt. Das Pantheon, dessen Name »Das Hochheilige« bedeutet (eine andere Quelle übersetzt dies in »Tempel für alle Götter«), gilt als besterhaltener römischer Tempel. Dies ist dem Umstand zu verdanken, dass der Tempel 609 zur Kirche Maria Rotonda (Santa Maria ad Martyres) geweiht wurde. Heute findet man in ihm die Gräber des Malers Raffael und vieler Angehöriger des italienischen Königshauses.

Das Pantheon ist noch heute eine der größten Kuppeln der Welt. Der zylindrische Unterbau mit einem für etwa 2000 Jahre unübertroffenen Durchmesser von 43,3 m wird von einer freitragenden massiven Kuppelkonstruktion aus römischem Beton überwölbt. Auf den ersten Blick wirkt der schmucklose Rundbau des Pantheons relativ unspektakulär, vor allem, wenn man bei einem Spaziergang durch die „ewige Stadt“ andere, äußerlich ähnliche Bauwerke gesehen hat. Ein breiter, nicht sonderlich einfallsreich gestalteter Portikus mit acht korinthischen Granitsäulen und einem dreieckigen Giebelfeld verbirgt einen zylindrischen Bau mit einer flach wirkenden Kuppel.

Die Kuppel des Pantheons ist bereits im 2. Jahrhundert nach Christus erbaut worden, also anderthalb Jahrtausende vor der des Petersdoms. Im Innern des Pantheons tut sich jedoch eine ganz andere Welt auf, der Raumeindruck ist überwältigend. Der Kuppeldurchmesser beträgt 43,3 m; mit exakt der gleichen Höhe bildet sie einen vollkommenen Halbkreis. Ganz oben wird sie von einer 9 m breiten, kreisförmigen Öffnung, einem Oculus, durchbrochen, der einzigen Lichtquelle des gesamten Raumes. Doch nicht nur diese Harmonie beeindruckt, sondern auch die Größe. Die Pantheon-Kuppel blieb bis zum Ende des Barocks die größte der Welt. Die Kuppel der Hagia Sophia in Istanbul beispielsweise misst nur 33 Meter, die des Doms von Florenz 40 Meter und die des Petersdoms 42 Meter. Mit dem Akzent auf den inneren Raumeindruck hat sich der römische Baustil im 1. Jahrhundert n.Chr. aber auch weit vom griechischen abgesetzt, der auf äußere Vollkommenheit abzielte, das Innere der Gebäude jedoch oft vernachlässigte.

Die scheinbar so vollkommene, leichte Konstruktion, die sich über dem Pantheon wölbt, ruht in Wahrheit auf einem meterdicken und statisch genau ausgetüftelten Untergrund. Allein die Fundamente des Tempels reichen 4,5 Meter in die Erde und bestehen aus einem über 7 Meter breiten Gussmauerwerk. Darauf ruht ein zweischaliges Mauerwerk von immerhin noch sechs Metern Dicke. Es enthält acht mächtige Stützpfeiler und ein ausgeklügeltes System an Hohlräumen und Entlastungsbögen. Zum Bau der Ziegelmauern kamen auch bipedale Ziegel zur Verwendung.

Diese gewaltigen Mauern tragen dann eine relativ flache Kuppelschale, die erst nachträglich von innen zum steilen Halbrund ausgemauert worden ist, Die Schale besteht aus zwei Lagen Gussbeton, der durch die Beimischung von Vulkanasche nach oben immer leichter wird. Die Römer stellten hier den ersten Leichtbeton der Welt her! Beide Lagen wurden über einer Holzverschalung in einem Stück gegossen. Zwischen ihnen sorgen Ziegelrippen für die Ableitung der Druckkräfte. Der Querschnitt ist so exakt dem Kräfteverlauf angepasst, dass der Gewölbeschub ohne Strebepfeiler vom Unterbau aufgenommen werden kann. Wie Untersuchungen gezeigt haben, enthalten der Unterbau und die kassettierte Kuppelkonstruktion Betone unterschiedlicher Dichte, sodass sich das Gewicht nach oben, zur 9 m großen Lichtöffnung im Scheitel, erheblich verringert

Optisch wird die Kuppel von einem Kranz aus Säulen und Pilastern getragen. Die Pilaster sind der Wand vorgelagert, die Säulen bilden fast eine Art Gitterstäbe vor sieben großen Nischen. Diese bleiben damit quasi »ausgesperrt« und ziehen den Kuppelraum nicht optisch in die Breite. Zwei breite Gesimse zwischen Säulen und Kuppel brechen alle vertikalen Linien auf und sorgen dafür, dass sich das Gewölbe dem Betrachter noch mehr entzieht. Geschmückt ist die Kuppel mit fünf Reihen von Kassetten. Da sie nach oben hin nimmer schmaler und feiner werden, täuschen sie eine noch größere Höhe vor. Früher waren sie mit vergoldeter Bronze verziert, aus der im Barock jedoch der Altarbaldachin des Petersdoms gegossen wurde. Im Zenith der Kuppel stellt ein fast neun Meter großes Loch die einzige Lichtquelle des Raumes dar. Mit seinen 16 original-römischen Säulen der Vorhalle, dem echten Fußboden und der prachtvoll hinterbliebenen Kassettendecke gehört das Pantheon zu den Bauwerken der Antike, die am besten erhalten geblieben sind.

Kaiser Augustus (63 v.Chr. - 14 n.Chr.) rühmte sich, eine Stadt aus Ziegelsteinen vorgefunden und eine aus Marmor hinterlassen zu haben. Unter anderem nahm er sich die Gestaltung des kaum bebauten Marsfeldes nordwestlich des Kapitols vor. Dort ließ sein Freund und Schwiegersohn Marcus Vispanius Agrippa (64 v.Chr. - 12 n.Chr.) 27 v.Chr. auf eigene Kosten einen rechteckigen Tempel von 20 x 44 Meter errichten, des wohl spektakulärsten und bedeutendsten Gebäudes im antiken Rom. Er wollte ihn der Herrscherfamilie weihen. Augustus jedoch lehnte dieses Ansinnen vorsichtshalber ab und verfügte, dass der Tempel den sieben Planetengöttern geweiht wurde: Merkur (Handel), Venus (Liebe), Mars (Krieg), Jupiter (Herrschaft), Saturn (Vegetation), Uranus (Himmel) und Pluto (Tod). Allerdings rechnete seine Familie Venus und Mars unter ihre Vorfahren, sodass der Bau trotz allem eng mit dem Herrscherhaus verbunden war.

Noch heute steht der Name des Agrippa über dem Eingang. Doch der Tempel, den Agrippa erbaute, brannte 80 n.Chr. nieder, und der nachfolgende, von Domitian errichtete, wurde 110 n.Chr. das Opfer eines Blitzschlages. Kaiser Hadrian (63-138) ließ daraufhin diesen Tempel abreißen und begann 118 oder 119 n.Chr. mit einem Neubau, der von dem Schema, nach dem Tempel bisher angelegt wurden, völlig abwich. Kuppelsäle der Thermen scheinen mehr Vorbild gewesen zu sein als Sakralbauten. Dennoch war offensichtlich eine gewandelte religiöse Vorstellungswelt die Ursache dafür, dass man sich zu einem Kuppelbau entschloss. Doch die Reminiszenz an die Planetengötter, die ja die wichtigsten Roms waren, dürfte weiterhin bestanden haben. Vermutlich stellte die großartige Kuppel das Himmelsgewölbe dar und in den sieben »vergitterten« Nischen - vier davon rechteckig, drei halbrund - waren Statuen der Planetengötter aufgestellt.

Die Verkleidung der Wände besteht aus buntem Stein, darunter Porphyr, einem purpurfarbenem Vulkangestein, das in der Antike den Kaisern vorbehalten war. Allerdings stammen Teile der Innengestaltung wie der Architrav zwischen Säulen und Kuppelschale aus barocker Zeit.

608 verschenkte der byzantinische Kaiser das Pantheon an den Papst, der daraus die Kirche »Santa Maria ad Martyres« machte. Dank dieser Umwidmung entging das Pantheon der Zerstörung und ist heute das am besten erhalten gebliebene Bauwerk der römischen Antike. In seinem Inneren sind der Renaissance-Maler Raffael (1453-1520), über dessen Sarkophag die Madonna steht, König Vittorio Emanuele (1820-1878) und weitere bedeutende Italiener bestattet. Nach seinem Vorbild werden auch andere Begräbnisstätten von nationalem Rand, wie die ehemalige Kirche Sainte-Geneviève in Paris (1764), als Pantheon bezeichnet. Das Pantheon gilt als Nationalkirche Italiens - und sein etwas schmuckloses Äußeres rührt daher, dass die ehemalige prächtige Bronzeverkleidung des Pantheons für die Säulen des Baldachins im Petersdom eingeschmolzen werden musste. Architektonisch war es das Vorbild für das Kapitol in Washington D.C.

siehe auch:
- Beton
- Bipedaler Ziegel
- Gewölbe
- Kalk
- Kuppeln
- Mausoleum
- Monument
- Opus Caementitium
- Parthenon
- Portlandzement
- Schnellzement
- Weltwunder
- Zement