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Brandrisiko

Das wesentliche Ziel aller gesetzlichen Forderungen zum Brandschutz ist ausschließlich auf den Personenschutz ausgerichtet. Ein Sachwertschutz (Erhalt der Gebäudesubstanz) ist nur in der Hinsicht enthalten, dass der Nachbar vor einem Brandübergriff geschützt und dass ein Brand auf eine Fläche von max. 40 m x 40 m (Abstand von Brandwänden) begrenzt werden soll. Hiermit sollen der Feuerwehr Rettungs- und Löscharbeiten ermöglicht werden.

Den Versicherungen geht es dagegen vordringlich um den Sachschutz, um das Schadenvolumen zu begrenzen. Die Versicherungen setzen voraus, dass zunächst einmal alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind. Bei Schadensfällen wird diese Voraussetzung auch überprüft und bei Mängeln kann der Versicherungsnehmer, der gesetzlich für die Einhaltung der erforderlichen Brandschutzmaßnahmen verantwortlich ist, mit in die Verantwortung gezogen werden. Das kann, wenn ein entsprechendes „Mitverschulden“ durch die Versicherung nachgewiesen wurde, zu reduzierten Versicherungsleistungen führen, im schlimmsten Falle zum vollständigen Verlust der Kostenerstattung durch die Versicherung. Kann den Planern ein Planungsfehler oder eine mangelhafte Bau- und Qualitätskontrolle mit „fehlerhaft“ ausgestellter Bescheinigung nachgewiesen werden, tragen diese entsprechende Mitverantwortung. Kommen bei einem Brand Personen zu schaden, ermittelt automatisch die Staatsanwaltschaft; diese sollte ein Jeder bedenken, der als Planer auf diesem Sektor tätig ist.

Zum Abschluss der Sachversicherung und ggf. auch der Betriebsunterbrechung wird dann das jeweilige »Brandrisiko« abgeschätzt. Das Brandrisiko setzt sich aus der Nutzung sowie dem Gebäude selber zusammen. Die Nutzung kann man wenig beeinflussen, weil einem Mieter einer Wohnung nicht vorgeschrieben werden kann, weiche Einrichtungen - Möbel, Gardinen etc. - er verwenden darf. In einem Industriebetrieb ergibt sich die Nutzung auch ganz einfach aus dem jeweiligen Gewerbe. Hier haben die Versicherungen nur Einfluss darauf, wie groß Abschnitte mit besonders gefährlichen Stoffen hinsichtlich Brandentstehung, Brandlasten, Brandweiterleitung oder auch explosiven Stoffen sein können.

Beim Bauwerk ist zu beachten, dass die im Gebäude vorhandenen Baustoffe - brennbar/nichtbrennbar - hinsichtlich deren Brandverhalten einen wesentlichen Einfluss auf das Brandrisiko haben, d.h. das im Gebäude vorhandene Risiko ist primär abhängig von den Brandlasten. Die Brandlasten bestimmen maßgeblich den Brandverlauf hinsichtlich

• Brandentstehung bzw. Brandentwicklung,
• Brandausbreitung und
• Entstehung eines »Flashovers« (schlagartige Entzündung aller brennbaren Materialien), d.h. Vollbrand.

Aus internationalen Untersuchungen ist bestätigt, dass das Brandgeschehen um so kritischer ist, je größer der Anteil der brennbaren und brandschutztechnisch ungeschützten Bauteile im Gebäude ist. In der Abbildung ist die Zusammensetzung der Brandlastanteile in einem Gebäude zusammengefasst.

Im Wohnungsbau stellt die bauweisenspezifische Brandlast einen wesentlichen Part dar. In einem mehrgeschossigen Wohnungsbau mit einer durchschnittlichen Wohnnutzfläche von etwa 800 m² kann sich die Brandlast bei unterschiedlichen Konstruktionsarten bis zum Faktor 4 unterscheiden. In einem Massivbau sind die 2- bis 4-fach geringeren Mengen an brennbaren Stoffen gegenüber einem Holzbau möglich, wie entsprechende Untersuchungen zeigen.

Durch die Bauweise werden nicht nur die Höhe der Brandlasten und damit das Brandrisiko wesentlich beeinflusst sondern auch die Sanierungskosten. Ein Massivbau hat in der Regel geringere Sanierungskosten, weil wesentliche Teile weiter bzw. wieder verwendet werden können. Außerdem wird der Brand durch die Massivbauweise wirkungsvoller begrenzt. Ein weiterer Gesichtspunkt ist, dass die Eintrittshäufigkeit eines Brandes neben der mobilen Brandlast ebenfalls von der Bauweise abhängt. Insgesamt betrachtet ist somit der Werteerhalt einer Massivbauweise günstig.

Die Versicherungen haben früher bei der Massivbauweise einen wesentlichen Rabatt in den Prämiensätzen gegeben. Nach der Öffnung des Marktes fielen diese Überlegungen zur Rabattierung weg, weil eine Massivbauweise (Mauerwerkbau mit Stahlbetondecken) vorausgesetzt wurde. Mittlerweile setzt hier jedoch wieder ein Umdenken ein, weil im Zuge der politisch motivierten »Deregulierungsbestrebungen« und den damit einhergehenden »neuen« Bauordnungen bauliche Erleichterungen im Brandschutz bereits möglich sind bzw. werden. Damit wird das Brandrisiko wieder größer und die Schadensminimierung wird in den Verantwortungsbereich der Versicherungen abgeschoben. Die Bauordnungen geben nur noch einen relativ schlechten Mindeststandard vor, d.h. der bewährte deutsche Sicherheitsstandard wird eindeutig reduziert. Die Massivbauweise und damit auch die Mauerwerksbauweise gewährt jedoch den bisherigen Standard, sodass damit zukünftig auch wieder Rabatte möglich werden könnten.

siehe auch:
- Backdraft
- Baustellenbrandschutz
- Brandbekämpfungsabschnitt
- Brandlast
- Brandmeldeanlage
- Brandrauch
- Brandwand
- Flashover
- Feuerwiderstandsdauer
- Fluchtweg
- Komplextrennwand
- Sprinkleranlage
- Versicherungs-Check für Bauherren