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Anbau

Während der Stand- und Nutzungsdauer eines bestehenden Gebäudes kann es aufgrund geänderter Anforderungen durch die Nutzer (beispielsweise durch Familienzuwachs oder den Wunsch nach einem zusätzlichen Arbeitsraum) erforderlich werden, dieses um zusätzliche Gebäudeteile räumlich zu erweitern. Eine solche raumbildende Erweiterung eines bestehenden Gebäudes wird als Anbau bezeichnet. Je nach Größe des verfügbaren Grundstücks sowie der zusätzlich gewünschten Gebäudefläche kann es erforderlich sein, den Anbau statt eingeschossig auch mehrgeschossig auszubilden. Bei Hanglagen oder in den Fällen, wo die vorhandene Grünfläche nicht zu sehr reduziert werden soll, kann ein Anbau auch unterirdisch realisiert und der Anbau dann wieder mit Erdreich überdeckt und begrünt werden. Die folgende Auflistung zeigt mögliche Varianten von Anbauten auf (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

 

  • Erweiterung eines Wohnhauses im Grundriss um mindestens einen Raum, wobei diese Erweiterung auch über eine vorhandene Gebäudeecke hin ausgebildet werden kann,
  • Anbau einer Garage,
  • Wintergartenanbau,
  • Schaffung zusätzlicher Lager- oder Abstellräume (unter- oder überirdisch),
  • angebaute Brennstofflagerräume (z. B. für Heizöl oder Pellets),
  • Erker,
  • Balkon,
  • Tiefgarage.

 

Unterschieden werden muss dabei zwischen einem Anbau und einem Vorbau. Beim Vorbau handelt es sich in der Regel um ein vor die Außenwand vorspringendes Bauteil, welches gegenüber der eigentlichen Außenwand von untergeordneter Bedeutung ist (beispielsweise Tür- und Fenstervorbauten, Erker, Loggien und Balkone, wenn gewisse Größen nicht überschritten werden). Im Gegensatz zum Vorbau kann ein Anbau zur optischen Auflösung der Außenwand führen, wobei dies selbstverständlich auch von der Länge und Breite, dem Material und der architektonischen Gestaltung des Anbaus und dessen Eingliederung in die Fassadenstruktur abhängig ist.

 

Üblicherweise besteht ein Anbau aus einer neuen Gründung, Außenwänden und einem Dach. Häufig erhält ein Anbau auch mindestens eine Geschossdecke. Anstelle der Außenwände können aber auch Stützen wie bei einem angebauten Carport treten, da auch solche Gebäudeteile im Gegensatz zu angebauten Vordächern oder Hauseingangsüberdachungen ohne eigene Stützen im baurechtlichen Sinne eine raumbildende Wirkung zeigen.

 

Je nach Bundesland gibt es im baurechtlichen Sinne teils deutlich unterschiedliche Anforderungen, die vor und während der Realisierung eines Anbaus zu berücksichtigen sind. Da Bauordnungsrecht Ländersache ist, ändern sich diese Regelungen vergleichsweise schnell, sodass an dieser Stelle nur einige allgemeine Hinweise gegeben werden können, welche grundsätzlichen Dinge erfüllt werden müssen, damit der Anbau den bauordnungsrechtlichen Anforderungen entspricht:

 

Grundsätzlich ist vor Baubeginn zu klären, ob für das Baugrundstück ein Bebauungsplan existiert, in welchem sich entsprechende Festsetzungen bezüglich der zulässigen Art der Nutzung, der Gesamtgröße eines Gebäudes (einschließlich Anbau), zur Dachform, zur Geschossigkeit, zur Flächenausnutzung usw. finden. Daher sollte zunächst bei der Bauaufsichtsbehörde Einblick in die entsprechenden Unterlagen genommen werden. Im Zuge der „Deregulierung im Bauordnungsrecht“ kann es durchaus sein, dass eine Baugenehmigung nicht mehr erforderlich ist, wenn bestimmte Randbedingungen eingehalten werden. In solchen Fällen kann ein Anbau möglicherweise im Rahmen eines Freistellungsverfahrens oder Anzeigeverfahrens realisiert werden. Da noch vielerlei andere baurechtliche Belange zu berücksichtigen sind, wird es unumgänglich sein, auch für einen Anbau einen bauvorlageberechtigten Planer hinzuzuziehen, der diese Anforderungen verantwortlich überprüft und in der Planung berücksichtigt.

 

Auch wenn ein Anbau nach Auffassung des Bauherrn klein und unbedeutend ist, muss dieser sowohl standsicher als auch dauerhaft sein. Deshalb ist in erster Linie eine statische Berechnung erforderlich, die in manchen Fällen zusätzlich auch durch einen Prüfingenieur für Baustatik geprüft werden muss (abhängig wiederum von länderspezifischen Regelungen). Soll der Anbau beheizt werden, ist in der Regel der Nachweis der Energieeinsparung (nach der zum Zeitpunkt der Antragsstellung des Bauantrags bzw. des Datums der Freistellungsanzeige gültigen EnEV) zu führen. Je nach Nutzung und Größe bzw. Lage des Anbaus sind möglicherweise auch besondere brandschutztechnische Anforderungen (beispielsweise bei Grenzbebauung) zu erfüllen, sodass auch ein Brandschutzkonzept und der Nachweis des konstruktiven Brandschutzes erforderlich werden können. Bei Nutzungsänderungen und/oder bei Grenzbebauung ist es in einigen Fällen auch erforderlich, den Anbau unter Beachtung von Schallschutzanforderungen zu konzipieren, sodass hierzu entsprechende bauphysikalische Nachweise geführt werden müssen. Je nach Bundesland müssen für diese Planungen entsprechende Fachplaner (meist Nachweisberechtigte oder staatlich anerkannte Sachverständige) hinzugezogen werden. Und nicht zuletzt ist es in den meisten Bundesländern erforderlich, einen Bauleiter einzuschalten, der in der Realisierungsphase die Verantwortung für den reibungslosen Baufortschritt und auch die Einhaltung aller baurechtlichen sowie bautechnischen Anforderungen übernimmt.

 

Die Nichtbeachtung dieser wichtigsten Grundsätze stellt jeweils eine Ordnungswidrigkeit dar und kann je nach Bundesland mit teils erheblichen Bußgeldern belegt werden.

 

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