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Brückeneinsturz

Nicht für Gebäude können bereits beim Bau oder auch später durch Materialermüdung oder Überlastung einstürzen, sondern auch Ingenieurbauwerke, zu denen die Brücken gehören. Als Hauptursachen der meist spektakulären »Brückeneinstürze« sind Planungsfehler, Pfusch am Bau während der Herstellung, mangelnde Wartung und damit einhergehend eine schleichende Abnahme der Tragfähigkeit oder Überbelastung (z.B. Fahrt von Schwerlastfahrzeugen über Brücken, die nur für geringere Belastungen ausgelegt ist) zu nennen.

Bei der Herstellung einer Brücke, insbesondere bei Stahlbeton- oder Spannbetonrücken, wird in der Regel ein Lehrgerüst benötigt, auf der die Montage der Brückenbauteile erfolgt. Diese Gerüste sind, wenn sie nicht fachgerecht ausgeführt werden, das schwächste Glied in der Kette der möglichen Fehlerursachen. Bedingt durch hohen Termin- und Kostendruck wird hier gern „gespart“ nach dem Motto „das haben wir doch immer schon so gemacht!“ oder „das haben wir noch nie so gemacht!“. Unplanmäßige Ausmitten bei der Verbindung von vertikalen Stützen mit den schräg angeordneten Aussteifungsverbänden oder ausmittiges Aufsetzen von Stützen auf den Baustellenfundamenten führen sehr rasch zu großen Biegebeanspruchungen, die dann zur Überlastung und zum Einsturz des Gerüstes führen können. Ebenfalls gerne werden Bauhilfsstützen „verlängert“, obwohl für verschiedene Stützentypen, die auf der Grundlage einer typengeprüften statischen Berechnung eingesetzt werden, dort Höchstlängen vorgegeben sind; die Spindel wird halt noch ein Stück weiter ausgedreht als zulässig. So spart man sich zwar einen größeren Stützentyp, das Risiko einer Überlastung steigt aber dramatisch an. Kommen dann noch weitere ungünstige Umstände hinzu, ist der Schaden unabweislich.

Auf den Bildern können Sie die Folgen eines fehlerhaft ausgeführten Baustellengerüsts für eine Brücke erkennen, die im Jahre 1996 beim Betonieren der Fahrbahnplatte unter der hohen Last des Frischbetons eingestürzt ist. Der Schaden war enorm, der Staatsanwalt ermittelte wegen Fahrlässigkeit. Neben dem mit diesem Teileinsturz verbundenen enormen Schaden wurde die Brücke erheblich später fertig gestellt als geplant, der Verkehr musste sich entsprechend länger durch die enge Innenstadt quälen. Für die Bergung der unbrauchbaren Brückenreste musste schwerstes Hebegerät eingesetzt werden, auch der unmittelbar an der Bruchstelle anschließende Teil der noch stehengebliebenen Brücke wurde teilweise rückgebaut.

»System hing stark von Sorgfalt am Bau ab«, so die Feststellungen der Fachleute, die die Einsturzursache untersucht haben.

Eine der spektakulästen Brückeneinstürze der letzten Zeit ist der Einsturz der Brücke über den Mississippi, die am 01.08.2007 abendlichen Berufsverkehr zusammenstürzte und mindestens 7 Todesopfer forderte. Den nachfolgenden Bericht haben wir am 03.08.2007 der Tageszeitung „Aarbote“ entnommen:

Brücke über Mississippi eingestürzt
„Historisches Ausmaß“ / Mindestens vier Tote / Experten geben Entwarnung für Deutschland

WASHINGTON (dpa/hei) Mitten im abendlichen Berufsverkehr ist am Mittwoch eine Autobahnbrücke über den Mississippi im US-Staat Minnesota eingestürzt. Mindestens vier Menschen kamen dabei ums Leben, 80 weitere wurden teil schwer verletzt, berichteten die Behörden.

Die 40 Jahre alte Brücke verband die Städte Minneapolis und St. Paul und brach am Mittwochabend (Ortszeit) plötzlich in drei Abschnitten über dem Fluss zusammen. Nach Augenzeugenberichten stürzten 50 bis 100 Fahrzeuge ins Wasser oder wurden am Flussufer unter Trümmern begraben. Mehrere Augenzeugen schilderten, es sehe aus „wie nach einem Erdbeben“. Gouverneur Tim Pawlenty bezeichnete das Unglück als „Katastrophe von historischem Ausmaß“.

Über die Einsturzursache herrschte zunächst völlig Unklarheit. Gouverneur Pawlenty erklärte, dass bei Kontrollen in den Jahren 2005 und 2006 keine gravierenden Mängel festgestellt worden seien. Allerdings hatte die zuständige Behörde der Brücke vor sechs Jahren „einige Ermüdungserscheinungen“ bescheinigt. Am Unglückstag waren Fahrbahnerneuerungsarbeiten im Gange, die möglicherweise eine noch größere Katastrophe verhinderten, da mehrere Fahrspuren gesperrt waren.

Für Deutschland geben Experten Entwarnung. „Eine fertige Brücke, die unter Verkehr steht, stürzt ohne eine Unfalleinwirkung hierzulande nicht einfach ein“, sagte Spitzen-Ingenieur Holger Svensson, der auch als „Brückenpapst“ bezeichnet wird, und verwies auf ein „sehr dichte und akribisches System von Inspektionen, das vorbildlich ist“. Auch nach Ansicht des ADAC „muss niemand Angst haben, wenn er über eine Brücke fährt“. Das gilt ebenso für die Überquerungen in der Region: Ob Schiersteiner, Weisenauer, Theodor-Heuss- oder die Wormser Rheinbrücke - alle Bauwerke sind nach Angaben von Experten sicher.

siehe auch:
- Autokran
- Bad Reichenhall
- Balkonabsturz
- Baumurks
- Baupfusch
- Giebel
- Pfusch am Bau
- Prüfingenieur für Baustatik
- QS
- Tay Bridge
- Vier-Augen-Prinzip