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Elementarschutzversicherung

In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist eine eindeutige Tendenz bezüglich der Zunahme der Wetterkapriolen zu beobachten, die nach vorherrschender wissenschaftlicher Meinung auf die vom Menschen verursachte Klimaveränderungen zurückzuführen sind. Die Folge sind zunehmende Hochwasser- und Sturmschäden, die von der normalen Gebäudeversicherung in der Regel nicht abgedeckt sind. Zu den Elementarschäden zählen Überschwemmungen, Erdbeben, Erdsenkungen, Erdrutsch, Schneedruck, Lawinen und Rückstau der Kanalisation.

Durch Versicherungen sind in vielen Fällen Elementarschäden nicht oder nur zu einem kleinen Teil abgedeckt. So hilft die Hausrat- und Gebäudeversicherung zwar bei Hagelschäden, bei Überschwemmungen oder Erdbeben benötigen Gebäude und Wohnungen aber eine zusätzliche Elementarschutzversicherung. Elementarschäden sind oftmals jedoch nur versicherbar, wenn Feuer, Sturm und Leitungswasser ebenfalls bei der gleichen Versicherungsgesellschaft versichert sind und in den letzen 10 Jahren keine entsprechenden Schäden in der Region, in der das Gebäude steht, aufgetreten sind. In der Regel nicht versicherbar sind solche Schäden in ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten von Rhein, Mosel und Oder.

Da es aber in vielen der betroffenen Regionen erstmals ein Hochwasser in großem Ausmaß gab, dürften die meisten Bewohner dieser Regionen eine solche Zusatzversicherung nicht abgeschlossen haben. Klar ist dagegen die Situation bei Autos. Bei gefluteten Autos kommt die Teil- oder Vollkaskoversicherung für Schäden auf. Hier bleiben nur diejenigen Autofahrer auf den Kosten sitzen, die lediglich eine normale Autohaftpflichtversicherung besitzen.

Bei Gebäudeschäden ist in der Regel meist eine Zusatzversicherung notwendig. Allerdings sind nach dem so genannten Kreis-Gemeinde-Schlüssel, nach dem die Versicherungen Deutschland eingeteilt haben, nicht alle Regionen gegen Überschwemmungen versicherbar. Beispiele dafür sind die ufernahen Gebiete in Städten wie Köln oder auch Passau, wo regelmäßige Überschwemmungen auftreten. Die normale Wohngebäude- oder Hausratsversicherung kommt lediglich für abgedeckte Dächer oder eingeschlagene Fenster auf, die durch Stürme ab Windstärke acht oder Hagelschlag verursacht werden. Wer dagegen eine Elementarversicherung besitzt, bekommt sämtliche Schäden am Gebäude, aber auch am Gartenzaun oder der Veranda, ersetzt. Abgedeckt sind auch evtl. zusätzliche Mietkosten, wenn das geschädigte Haus während der Dauer der Renovierung nicht genutzt werden kann. In jedem Falle sind die Betroffenen verpflichtet, entstandene Schäden unverzüglich ihrem Versicherer zu melden. Weiterhin ist es ratsam, eine umfangreiche Fotodokumentation von den entstandenen Schäden anzufertigen.

Die jüngste Hochwasserkatastrophe aus dem Jahre 2002 sowie der als »Ausnahmesturm« bezeichnete Orkan »Kyrill« vom 18./19.01.2007 machen deutlich, dass Elementarrisiken wie Sturm, Hochwasser und Erdbeben vorausschauend begegnet werden muss. Staatliche Ad-hoc-Hilfen und private Spenden sind von deren Höhe her nicht kalkulierbar. Sie vermindern darüber hinaus den Anreiz, mit Hilfe von privaten und kollektiven Präventionsmaßnahmen das Schadensrisiko für Infrastruktur und Privatbesitz möglichst niedrig zu halten. Vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) wird daher die Einführung einer allgemeinen Versicherungspflicht gegen Elementarschäden für alle Gebäude vorgeschlagen.

Naturkatastrophen verursachen immer häufiger immer größere Schäden. Diese Zunahme wird hauptsächlich durch die wachsende Konzentration von Bevölkerung und Vermögenswerten in Erdbeben- und Überschwemmungsregionen verursacht. Als Minimal-Aufgabe des Staates bezeichnet das DIW die Aufklärung und Information der von den Elementarschäden potenziell Betroffenen über die tatsächliche Gefährdungssituation. So sollte das bislang nur Versicherungen offen stehende elektronische Zonierungssystem für Überschwemmungen (ZÜRS), das eine Einschätzung der Hochwassergefahr für eine Wohnadresse erlaubt, im Internet frei zugänglich sein oder ein Elementargefahren-Kataster durch staatliche Forschungsanstrengungen entwickelt werden.

Staatliche Interventionen, wie eine Versicherungspflicht gegen Elementarschäden, können sinnvoll sein. Denn selbst wenn Banken bei der Vergabe von Hypotheken künftig den Abschluss einer Elementarschaden-Versicherung verlangen würden, würde der Alt-Bestand an Bauten nicht geschützt. Das EU-Recht erlaubt die Einführung einer umfassenden Versicherungspflicht gegen Elementarschäden, wenn sie mit sozialpolitisch gewollter, planmäßiger Vorsorge begründet ist. Infolge einer Versicherungspflicht müssten die Versicherungsgesellschaften einen Kontrahierungszwang akzeptieren, d.h., sie könnten schlechte Risiken -potentielle Kunden, die beispielsweise in den letzten Jahren einen Hochwasserschaden hatten - nicht gänzlich ablehnen.

Auf einem derart regulierten Versicherungsmarkt würden die Prämien nicht nur vom Wohnort, sondern auch vom Ausmaß der Vorsorge abhängen, die jedem Versicherten als Instrument zur langfristigen Minderung seiner Prämienlast zur Verfügung steht. Falls sich am Markt herausstellt, dass sehr hohe Prämien für alte Bausubstanz in Hochrisikogebieten notwendig wären, könnten diese vom Staat durch Beihilfen zum Teil ausgeglichen werden. Für Neubauten sollte keinerlei Subvention der Prämien erfolgen, um Anreize für das Bauen in Hochrisikogebieten zu vermeiden. Das DIW Berlin spricht sich gegen eine Fondslösung auf der Grundlage von Ökosteuern oder -abgaben aus, da dadurch die versicherungstechnischen Möglichkeiten der Risikostreuung nicht ausgenutzt würden und individuelle bzw. kollektive Schutzmassnahmen nicht mit niedrigeren Prämien belohnt würden.

Abgedeckte Dächer und beschädigte Gebäude sind bei einem starken Sturm die klassischen Schäden, die von den Versicherungskonzernen anschließend reguliert werden. Doch in welchen Fällen muss die Versicherung für den Sturmschaden aufkommen? In den Versicherungsbedingungen ist geregelt, dass Sturmschäden erst ab Windstärke 8 ersetzt werden. Der Orkan »Jeanette«, der im Oktober 2002 über Deutschland hinweggebraust ist, hat die Versicherungen stolze 600 Millionen Euro gekostet, gemeldet wurden damals etwa 770.000 Schäden. Zu unterscheiden sind die drei wichtigsten Versicherungstypen, die bei einem Sturmschaden leistungspflichtig sind:

• Gebäude-Sturmversicherung: diese reguliert die Außenschäden an Häusern wie z.B. kaputte Fenster, Rollläden, Dächer oder Beschädigungen an der Fassade, wobei solche Schäden häufig durch umstürzende Bäume verursacht werden.

Hausratversicherung: diese Versicherung reguliert alle Schäden, die innerhalb des Hauses auftreten, z. B. infolge Wassereinbruch durch abgedeckte Dächer oder zerborstene Fenster, aber auch die Möbel auf dem Balkon oder der Terrasse sind damit abgedeckt.

• Kfz-Teilkaskoversicherung: diese Versicherung ersetzt die Schäden, die am Auto entstehen, z. B. durch umstürzende Bäume.

Werden jedoch Personen durch herabfallende Gegenstände wie Dachziegel verletzt, kann dafür der Hausbesitzer zur Verantwortung gezogen werden, wenn er „vorhersehbare Gefahrenquellen“ nicht gesichert und damit seine Verkehrssicherungspflicht nicht erfüllt hat. Zu unterscheiden ist dann, von wo der Dachziegel herabgestürzt ist. Beim Einfamilienhaus ist dann die Privathaftpflichtversicherung des Hausbesitzers leistungspflichtig. Beim Mehrfamilienhaus dagegen muss die Haus- und Grundbesitzer-Haftpflicht den Schaden regulieren.

Liegt seitens des Hausbesitzers jedoch kein Verschulden vor, gilt der Umstand der »höheren Gewalt«: In diesem Fall sind dann Krankenkasse oder Unfallversicherung des Geschädigten zuständig. Höhere Gewalt gilt übrigens auch bei wetterbedingten Flugstornierungen oder Zugverspätungen: Reisende haben in diesen Fällen keinen Anspruch auf Schadenersatz. Vor Augen geführt wurde diese Problematik, als die Deutsche Bahn erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik am 18.01.2007 den gesamten Bahnverkehr einstellte und zahllose Reisende auf den Bahnhöfen festsaßen.

Um die Risiken bzw. die Folgen außergewöhnlicher Naturereignisse abzumildern, wird es in jedem Falle sinnvoll sein, eine entsprechende Elementarschutzversicherung abzuschließen. Wie üblich, können entsprechende Policen bei verschiedenen Versicherern auch teils deutlich voneinander abweichende Kosten verursachen. Deshalb ist es überaus zweckmäßig, die Angebote verschiedener Assekuranzen eingehender zu vergleichen. Um die Vergleichbarkeit herzustellen, sollten in jedem Falle die speziell gewünschten Extras mit einbezogen werden. Wenn jemand auf einer Anhöhe wohnt, wo mit Sicherheit niemals mit Hochwasser zu rechnen ist, kann dieses Extra ausgeschlossen werden, dafür sollte man in einem solchen Fall ggf. über eine zusätzliche Absicherung bei Sturmschäden nachdenken. Jedes Extra verteuert eine Elementarschutzversicherung, deshalb machen auch nicht alle Extras in jedem Falle Sinn, wie das kleine Beispiel bereits zeigt. Tarifrechner, die von unabhängigen Finanzinstituten im Internet angeboten werden, sind bei der Berechnung von Prämien und damit der Vorauswahl nach einer geeigneten Versicherung behilflich.

Aus einer im Jahre 2004 veröffentlichten Untersuchung geht hervor, dass eine Wohngebäudeversicherung beim billigsten Anbieter seinerzeit mit 69 Euro pro Jahr erhältlich war, der teuerste Anbieter verlangte für die gleichen Leistungen satte 326 Euro. Bei Einschluss von Elementarschäden, also Schäden aus Hochwasser, Sturm usw., sahen die Differenzen ähnlich aus. Ein Preisvergleich kann in diesen Fällen also durchaus sinnvoll sein, allerdings ist der Billigste auch nicht immer der Beste. Deshalb sollte als weiteres Kriterium auch die Kunden- und Servicefreundlichkeit in die Entscheidung mit einbezogen werden. Denn im Falle eines Falles kommt es auch darauf an, wie schnell und kulant die Versicherung den Schaden reguliert. Hier trennt sich dann endgültig die Spreu vom Weizen.

Im Schadensfall sollten die nachfolgenden Tipps beachtet werden, um den Versicherungsschutz nicht zu riskieren:

• Die zuständige Versicherung ist umgehend über das Schadensereignis zu informieren.
• Erforderliche Reparaturen dürfen erst dann ausgeführt werden, wenn die zuständige Versicherung dies ausdrücklich gestattet hat.
• Die entstandenen Schäden sind sorgfältig zu dokumentieren, z. B. durch Fotos oder anderen Beweisstücken. Bei größeren Schäden können oder sollten sogar Sachverständige hinzugezogen werden, wobei diese dann in der Regel von der Versicherung eingeschaltet werden. Allerdings kann sich ein Geschädigter auch einen unabhängigen Sachverständigen für Schäden an Gebäuden, der sinnvollerweise öffentlich bestellt und vereidigt ist, hinzuziehen.
• Alle erdenklichen Maßnahmen sind einzuleiten, um weitere Folgeschäden zu vermeiden (z. B. provisorische außenseitige Verkleidung eines zerborstenen Fensters, damit kein weiteres Wasser ins Haus eindringt).

siehe auch:
- Bauherren-Haftpflicht
- Beaufortskala
- CO2
- EMS
- Erdbeben
- Hurrikan
- Treibhauseffekt
- Tsunami
- Versicherungs-Check für Bauherren
- Versicherungen
- Windenergie
- Wohngebäudeversicherung