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Säule

Die »Säule« ist ein meist freistehendes, senkrechtes und im Querschnitt fast immer kreisrundes Architekturelement aus beliebigem Baumaterial, sofern dieses Material dazu geeignet ist, vertikale Lasten abzutragen (z.B. Holz, Backsteine, Bronze, Eisen, Guss, Stahlbeton, Marmor, Granit usw.). Ist die Rundung auf einen 3/4- oder 1/2-Kreis reduziert, muss die Säule an eine Wand angebunden oder mit einem anderen Architekturglied verbunden sein. Säulen verjüngen sich oftmals nach oben. Fehlt diese Verjüngung, spricht man u.U. von Rundpfeilern. Anders als der ihr in konstruktiver und auch gestalterischer Hinsicht verwandte Pfeiler ist die Säule nicht als Reduktion von Wandmasse anzusehen, sondern geht auf ein Bauen mit getrennten Stützen und Lasten zurück, ursprünglich auf Stützen aus Holz (z.B. antike griechische Säule) oder aus Bündeln langer Pflanzenstängel (z.B. altägyptische Säule). Nur in Ländern, in denen diese Materialien zur Verfügung gestanden haben, sind deshalb Frühstufen der Säulenentwicklung nachweisbar.

Formen des ursprünglichen Materials leben weiter in den massiven Säulen. In der griechischen Antike wirkt die Vorform Baumstamm in der Verjüngung des Säulenschaftes nach oben wie überhaupt der Holzbau in Konstruktion und dekorativen Details des Tempels. Auch die Basis (auch als Säulenbasis bezeichnet) und das Kapitell gehen vermutlich auf Elemente des Holzbaus zurück (zur Abwehr von Feuchtigkeit), sie waren aber zugleich günstige konstruktive Glieder, die unter Umständen als solche entstanden sind. Rinden- bzw. Pflanzenformen sind möglicherweise die Vorformen der Kannelierung. An den massiven altägyptischen Säulen lassen z.B. Kapitelle auf vegetabile Vorformen (etwa Lotosblüten, offene Papyrusdolden) schließen.

Bei den in zurückliegenden Epochen seltenen, sich nach unten verjüngenden Säulen, wie sie aus dem bronzezeitlichen Kreta und Mykene überliefert sind, kann die Form ihren Ursprung im Zelt- bzw. Jurtenbau haben, bei dem die tragenden Teile unter Umständen oben am stärksten beansprucht sind. Der Weg, der im antiken Griechenland von vegetabilen Vorformen zur „klassischen“ Säulengestalt mit Schaft, Kapitell und (in der ionischen Ordnung) mit Basis geführt hat, ist ähnlich wohl in allen Ländern durchlaufen worden, in denen die Säule erarbeitet wurde. Es ist kaum möglich, sicher zu entscheiden, wo der Einfluss vegetabiler oder konstruktiv bedingter Vorformen aufhört und die spezifisch ästhetische Aneignung gestaltbestimmend geworden ist.

Noch im 7. Jh. v.Chr. wurden beim Bau griechischer Tempel Holzsäulen, z.T. mit Basen und Kapitellen aus Stein, verwendet. Seit dem 6. Jh. v.Chr. bildeten sich landschaftliche Unterschiede in der Gestaltung aus. Die anfangs vor allem auf der Peloponnes, auf Sizilien und in Unteritalien verbreitete, später aber auch im ägäischen Raum auftretende dorische Säule erhebt sich meist ohne Basis auf dem Stylobat. Ihr Schaft zeigt meist 16 oder 20 Kanneluren ohne Zwischenstege. Der Säulenhals ist durch 1 bis 3 horizontale Kerben (Anuli) vom Schaft getrennt. Das dorische Kapitell besteht aus einem polterähnlichen Echinus, der in archaischer Zeit breit und flach, an klassischen Säulen straff gewölbt erscheint und seit dem späten 4. Jh. v.Chr. eine stereometrisch Kegelstumpfform annimmt, und der Abakusplatte (frühestes bekanntes dorisches Kapitelle aus Stein).

Im Fachwerk- und Holzbau versteht man unter einer Säule einen allein stehenden Holzpfosten oder Stiel, der beispielsweise unter einer Mittelpfette in einem Dachstuhl angeordnet wird, wobei man dann meist nicht mehr von einer Säule, sondern von einem Pfosten spricht. Neben den waagerecht angeordneten Schwell- und Rähmhölzern sind die vertikalen Pfosten, die man auch als Ständer, (z.B. Eckständer bei einer Hausecke), Fensterständer, Beiständer (oder auch Beiholz) bezeichnet, und die schräg angeordneten Streben bekannt. Zwei sich kreuzende Streben heißen Kreuzstreben oder Andreaskreuz. Eine Besonderheit bei den Kreuzstreben ist der „Wilder Mann“, dabei handelt es sich um leichte Kurvenhölzer, die sich kreuzen. Diese Streben dienen zur Aussteifung eines Gebäudes, wobei diese im Dachstuhl als Kopfband oder Kopfbandbalken bezeichnet werden, seltener sind Fußband oder Fußbandbalken. Innerhalb einer Fachwerkwand heißen diese Streben je nach Lage Kopfstrebe (Verbindung von Rähmholz und Pfosten) bzw. Fußstrebe (Verbindung von Schwellholz und Pfosten).

Als sich die spanischen Konquistadoren Quesada von Norden und Benalcázar von Süden her 1537 auf den Weg machten, den indianischen Stamm der Muisca im Hochland von Bogotá in Kolumbien zu befreien, war ihr Kampfesmut durch ein goldglänzendes Gerücht aufs höchste angestachelt. Das Märchen von „Eldorado“, die Legende von einem Fürsten, der allmorgendlich seinen Leib mit Goldpulver bestreute, war in aller Munde.

Aber diese ungewöhnliche Morgentoilette war noch nicht alles. Die Dächer der prunkvollen Muisca-Häuser, so hieß es, ruhten auf Säulen aus purem Gold. Niemand kam auf den Gedanken, nachzurechnen. Denn die Muisca waren zwar Meister der Goldbearbeitung, aber es ist zweifelhaft, dass sie für eine einzige 330 Zentimeter hohe und 20 Zentimeter durchmessende Säule zwei Tonnen Gold verschwenden konnten.

„Die Theorie sollte nie vergessen, dass sie nichts weiter ist als angewandte Praxis“, gab der tschechische Satiriker Gabriel Laub zu bedenken. Über die Entstehung der Säule gibt es mindestens zwei völlig unterschiedliche Theorien. Nach der ersten Lehrmeinung ist die Steinsäule aus dem vor ihrer Verwendung zur Stütze des Daches benutzten senkrecht gestellten Holzbalken hervorgegangen. Als Beweis wird unter anderem der Hera-Tempel von Olympia (600 v.Chr.) herangezogen, bei dem die ursprünglichen Holzsäulen nach und nach durch Steinsäulen ersetzt wurden.

Anhand der ältesten ägyptischen Bauwerke glauben die Verfechter der zweiten Theorie nachweisen zu können, dass sich die Mauer allmählich zur Stütze und die Stütze zur Säule entwickelt hat. Obwohl die Säulenbauweise ihre Höhepunkte in der ägyptischen, kretischen und griechischen Architektur hatte, wurde die mit 5200 Jahren älteste Säule in der sumerischen Stadt Ur gefunden. Ein hölzerner Palmenstamm wurde mit einer Paste aus Bitumen umhüllt und mit einem Mosaik von Jaspis und Muscheln verziert.

Die Ägypter waren die Großmeister der Säulenbaukunst. Die ältesten Spuren ihrer Säulen führen bis zur Eingangshalle der von König Dioser (etwa 2800 v.Chr.) erbauten Stufenpyramide von Sakkara. Glanzstück ihrer Säulenkunst ist ohne Zweifel der große Säulensaal des Amuntempels von Karnak am Ostufer des Nils, etwa 200 Kilometer nördlich des Assuan-Staudamms. Auf einer Fläche von 5356 Quadratmetern, so groß wie ein mittlerer Fußballplatz, stehen in 16 Reihen 134 Säulen. Noch mehr Superlative: die beiden höheren Säulenreihen in der Mitte des Saals sind 21 Meter hoch, bei einem Umfang von mehr als 10 Metern. Die 122 Säulen der Seitenschiffe haben immerhin noch die stolze Höhe von 13 Metern und über acht Meter Umfang. Auf welche Weise die Säulentrommeln aufeinander getürmt wurden, ist bis heut noch unklar. Man vermutet, dass die Zwischenräume zwischen den Säulen mit Bauschutt aufgefüllt wurden. So konnten die Säulen stückweise bis zur endgültigen Höhe aufgestockt werden. Problematisch waren die Fundamente der Säulen. Sie bestanden aus Sandsteintrümmern, die unter der Nilfeuchtigkeit zu Staub zerfielen - viele Säulen kippten deshalb um.

Bei den Griechen wurde die Säule zum charakteristischen Merkmal ihrer Architektur, sie bildeten die drei klassischen Säulenordnungen aus. Die Römer benutzten die Säule nicht nur als Stütze ihrer Baukunst, sondern auch als Träger von Ehrendenkmälern, umfunktioniert zur Triumph- oder Siegessäule. Aus Rom wird auch von einer Erfindung im Zusammenhang mit Säulen berichtet. Ein Mechaniker zur Zeit Kaiser Vespasians (9-79 n.Chr.) hatte eine Apparatur erfunden, mit der man schwere Säulen mit verringerten Kosten transportieren konnte. Er erhielt von Vespasian eine hohe Belohnung dafür, dass er seine Erfindung schleunigst vergaß, „da das arme Volk verdienen müsse“.

Vom 5. Jahrhundert an wurden Säulen von religiösen Schwärmern, den Styliten (griechische Säulenheilige), als Hochsitz zweckentfremdet. Diese Mönchsasketen vermittelten, besonders in Syrien und Palästina, dreißig Jahre und länger dort oben zwischen Himmel und Erde. Sie verbrachten ihr Leben auf säulenartigen, nur mit einer Leiter mit dem Erdboden verbundene Plattformen (griechisch „stylos“), um drei asketische Ideale zu verwirklichen: das Verweilen an einem Ort, das Unbehaustsein und das Stehen vor Gott.

Die romanische Baukunst sah die Säule nicht nur als profane Stütze, sondern auch als Zierglied. Ende des 19. Jahrhunderts besann man sich wieder der Erhabenheit griechischer Säulen-Kultur. Und selbst beim modernen Stahlbetonbau wollte man auf die stützende Funktion nicht verzichten. 1905 erfand A. Considère die umschnürte Säule, rund oder viereckig und aus Stahlbeton, die außer der Längsbewehrung zur höheren Belastbarkeit auch noch eine Bewehrungsspirale aufzuweisen hat.

Quelle (teilweise): Lexikon der Kunst, Seemann-Verlag, 2004

siehe auch:
- Entasis
- Fachwerk
- Ionische Ordnung
- Interkolumnium
- Kanneluren
- Lisene
- Pfosten
- Säulenschaft
- Stütze
- Toskanische Ordnung
- Volute