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Bauschäden

»Bauschäden« entstehen entweder bereits bei der Herstellung eines Gebäudes (Stichwort »Pfusch am Bau«), durch äußere Einwirkungen oder durch vernachlässigte Instandhaltung an baulichen Anlagen nach Baufertigstellung. Bauschäden entstehen aber auch durch Bergsenkung (in Gebieten mit Grubenanlagen, z.B. im Ruhrgebiet), durch Brandeinwirkung, durch Hoch- oder Niedrigwasser (durch Grundwasserabsenkung und damit einhergehender Bodensenkung), durch Setzungen sowie durch Erdbeben.

Die weitaus häufigste Ursache für Bauschäden ist jedoch die mangelhafte Qualität bei der Bauherstellung, die in der Regel auf die inzwischen weithin zu beobachtenden Dumpingpreise und das damit einhergehende „Sub-Sub-Subunternehmertum“ zurückzuführen ist. Gleichzeitig wird bei der qualifizierten und von der Bauausführung unabhängigen Qualitätskontrolle gespart, alles unter dem Motto „Geiz ist Geil!“. Viele Bauherren leben im Glauben, dass der Bauleiter, den die Baufirma auf der Baustelle abstellt (so er denn überhaupt noch existent ist), die Interessen des Bauherrn wahrnimmt. Dies ist jedoch als großer Irrglaube zu betrachten. Der Firmenbauleiter wird immer zuerst die Interessen seines Arbeitsgebers vertreten, für den er tätig ist. Dies bedeutet, dass er zuerst seine Kosten und dann seine Termine im Auge behält, die im Zweifelsfalle immer zu Lasten der Qualität gehen. Welcher durchschnittliche Bauherr kann schon beurteilen, ob die sichtbare Bewehrung richtig eingebaut (Höhenlage, Stabdurchmesser), die Großflächenplatten an der richtigen Position und in der richtigen Richtung verlegt, das Mauerwerk mit der geplanten Steinart (z.B. Auflagerpolster) oder die Fußpfetten und Windverbände richtig befestigt sind? Sobald der Beton oder der Putz den Pfusch gnädig verdeckt, sind entsprechende Begutachtungen nur noch mit Hilfe von ausgefeilter Technik oder durch zerstörende Untersuchungen durch den Baufachmann möglich, so denn Zweifel bestehen oder bereits sichtbare Schäden zu erkennen sind. Ist die Abschlagsrechnung, die z.T. bereits vor Fertigstellung entsprechender Bauabschnitte dem Bauherrn vorgelegt wird, in voller Höhe bezahlt, ist es oftmals zu spät. Unseriöse Baufirmen kalkulieren einen Einbehalt von 5 % bis 10 % der Auftragssumme schon zu Beginn der Bauarbeiten ein und verschwinden, sobald sie das Geld in Händen halten, aber die Leistung nicht oder nur mangelhaft erbracht ist.

Bauschäden können sich in Form von Rissen, von Feuchteschäden (bei mangelhafter Abdichtung insbesondere von Kellerwänden), von Schimmelpilzbildung (bei fehlerhafter Ausführung von Wärmebrücken oder nicht dichter Ausführung der innenseitigen Dachdichtung) usw. darstellen. In einigen Bundesländern ist der unheilvolle Trend in der Baugesetzgebung hin zur Freistellung zu verzeichnen, der bewirkt, dass oftmals kein direkt vom Bauherrn beauftragter Baufachmann (Bauingenieur oder Architekt) mehr die handwerklichen Arbeiten begutachtet und dabei festgestellte Mängel noch rechtzeitig beseitigen lässt. Von Bauherrenseite ist zu bedenken, dass gerade im Bereich der Erstellung des Rohbaus praktisch nur noch in Ausnahmefällen Facharbeiter anzutreffen sind, die in Deutschland eine handwerkliche Ausbildung durchlaufen und abgeschlossen haben. Auch große Baufirmen setzen zunehmend Subunternehmer ein, deren Personal aus dem europäischen oder auch außereuropäischen Ausland stammt und welches häufig über keinerlei handwerkliche Ausbildung verfügt. Entsprechend schlecht ist oftmals die Qualität der Ausführung. Mit dem Qualitätsverlust ist auch eine Wertminderung verbunden, schlechte Qualität kann man nicht für „gutes Geld“ verkaufen.

Bauschäden resultieren aber auch aus fehlerhafter oder noch schlimmer fehlender Planung. Nur mit durchdachten Ausführungsplanungen, die vom Architekten und vom Tragwerksplaner zu erbringen sind, kann eine handwerkliche Umsetzung überhaupt erst erfolgen. Wird hier aus Kostengründen gespart (nach dem Motto „die Fertigteilfirma liefert das bisschen Plan gleich mit“), wird eine erfolgreiche Umsetzung von vornherein unmöglich sein. Oftmals preisen Scheinselbstständige „Ein-Mann-Büros“ oder „Ingenieurbüro-GmbH´s“, die von Fertigteilherstellern abhängig sind, ihre Produkte marktschreierisch an und werben auch noch mit dem Slogan „incl. Gesamtstatik“. Hier muss sich jeder Bauherr darüber im Klaren sein, dass diese Planung nur minimalsten Anforderungen hinsichtlich der Bauqualität entsprechen kann, diese wird zudem über das Material, dass man bei einer Zulieferfirma bezieht, indirekt über entsprechend höhere Baustoffpreise mit bezahlt. Eine von Lieferinteressen unabhängige Planung ist damit absolut ausgeschlossen; es wird dasjenige Decken- und/oder Wandsystem als besonders gut dargestellt, welches die höchste Provision einbringt (üblich sind Provisionen von bis zu 5 Euro/m² Decke oder Wand). Jeder Bauherr ist also mehr als gut beraten, einen freiberuflich tätigen Planer (Architekt oder Bauingenieur) sowie ebenfalls freiberuflich tätige Fachplaner (Statiker, HLS-Planer, Baugrundsachverständige, Prüfingenieur für Baustatik) mit den jeweiligen Planungsaufgaben zu beauftragen. Architekten und Beratende Ingenieure sind per Kammer- oder Berufsordnung dazu verpflichtet, eine von Lieferinteressen unabhängige Planung zu erbringen, die gleichzeitig einen Mindestqualitätsstandard gewährleistet. Eine angemessene und direkte Honorierung der Planer bewirkt, dass diese die Interessen des Bauherrn gegenüber den Bauausführenden Handwerkern vertreten und somit Qualitätseinbußen rechtzeitig verhindern.

Der Bauherr oder Käufer eines Neubaus kann von seinem Vertragspartner eine mangelfreie Bauleistung erwarten. Bei dem Streit über Mängel und Schäden wird häufig über Kleinigkeiten unverhältnismäßig gestritten und geklagt. Bei der Erstellung von Gebäuden kann auf Grund der äußeren Umstände (Wind und Wetter - handwerkliche Einzelherstellung) nicht die Präzision und Perfektion erwartet werden, die bei Industrieprodukten erreicht wird. Häufig geht es dem Bauherrn nur darum, Einsparungen auf Kosten der Bauunternehmer (Handwerker) zu erzielen. Die Forderungen oder Einbehalte stehen oftmals in keinem Verhältnis zu dem Mangel...

Von einem Mangel spricht man, wenn die ausgeführte Bauleistung (der so genannte „Ist-Zustand“) in negativer Weise vom vertraglich vereinbarten Zustand (dem „Soll-Zustand“) abweicht. Werden z.B. an die Ebenheit einer Wandoberfläche, an die Farbgleichheit oder an eine bestimmte gewünschte Oberflächenstruktur besonders hohe Anforderungen gestellt, so müssen diese Anforderungen vorab ausdrücklich vertraglich vereinbart werden. Dabei gilt: besondere Anforderungen müssen besonders bezahlt werden...

Grundsätzlich zu unterscheiden sind:

• der Mangel am Erscheinungsbild (Bauabweichungen / Verschmutzungen, etc.) und
• die Beeinträchtigung der technischen Funktion.

Optische Beeinträchtigungen müssen unter gebrauchsüblichen Bedingungen beurteilt werden (angemessener Betrachtungsabstand, Beleuchtung). Deshalb kann man z.B. die optische Qualität einer Fassade nicht bei Streiflicht beurteilen (dabei verlaufen die Sonnenstrahlen praktisch parallel zu betrachteten Fassadenoberfläche, unvermeidliche Unebenheiten erscheinen dabei als besonders extrem).

Die ermittelte Störwirkung kann anhand einer Skala eingestuft werden von einer

• auffälligen Beeinträchtigung bis zur
• kaum erkennbaren Beeinträchtigung

und dem Aspekt der Bauteilbedeutung

• von sehr wichtig
• bis unwichtig.

Je nach Bedeutung des Bauteils und der Auffälligkeit des Schadens ist die Unregelmäßigkeit einzuschätzen. Danach können sich folgende Varianten ergeben:

• Hinzunehmende Unregelmäßigkeiten.

• Noch ausreichende Qualität.

• Noch Mangelfreie Werkleistung.

Wird ein „geringer Mangel“ konstatiert, bedeutet dies, dass es sich um eine hinzunehmende Unregelmäßigkeit handelt und die Beseitigung dieses geringen Mangels nur mit einem unverhältnismäßig hohen Nachbesserungsaufwand möglich wäre. Eine gering mangelhafte Werkleistung beeinträchtigt die Gebrauchstauglichkeit einer Sache nur unwesentlich. In bestimmten Fällen kann eine Minderung, d.h. Reduzierung des Werklohns, vorgenommen werden.

Im Gegensatz dazu stehen

• deutliche, nachzubessernde Mängel,

• eine mangelhafte Werkleistung und

• eine deutliche Beeinträchtigung der Gebrauchstauglichkeit.

In solchen Fällen muss der Mangel behoben (beseitigt) werden, ansonsten entfällt der Werklohnanspruch des Unternehmers.

siehe auch:
- Alptraum
- Bauingenieur
- Bauleiter
- Baumurks
- Baupfusch
- Bautagebuch
- Bautechnische Nachweise
- Beratender Ingenieur
- Mangel
- Pfusch am Bau
- Prüfingenieur für Baustatik
- QS
- Vier-Augen-Prinzip