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Backstein

»Backstein« ist die Bezeichnung für den historischen, handgeformten Mauerziegel. Dieser Begriff lässt sich auf das Handwerk des Ziegelbäckers zurückführen, der diesen Kunststein wie ein Bäcker herstellte, indem er ihn in der vorindustriellen Zeit in hölzerne Formen strich. Dieser Formling wurde dann getrocknet und im Ofen gebacken. Er unterscheidet sich deutlich von den heute maschinell hergestellten Mauerziegeln, nicht nur hinsichtlich der Optik, sondern auch bezüglich des Porengefüges, der Rohdichte, der Druckfestigkeit und der Maßgenauigkeit.

Zu Beginn der bautechnischen Nutzung wurde der feuchte Rohstoff für den Backstein, der auch als Ziegel bezeichnet wird, mit der Hand geformt. Überliefert sind auch runde Formate, wie man sie gelegentlich in der afrikanischen Kunst vorfindet. Im Laufe der Entwicklung lernet man, den feuchten Lehm oder Ton in Formen zu streichen und somit mehr oder weniger einheitlich große Formlinge zu erhalten, die dann, an der Luft getrocknet, verbaut wurden; diese Backsteine bezeichnet man als Adoben. Mauerwerk aus luftgetrockneten Backsteinen hat sich jedoch nur in trocken-heißen Regionen als Baustoff bewährt. Wohl eher durch Zufall entdeckte man, dass Backsteine nach einem Brennvorgang wesentlich haltbarer und tragfähiger sind, so dass sich der Bau von Ziegelbrennöfen entwickelte. Auch fand man schon früh heraus, dass durch die Wahl von geeigneten Zusatzstoffen die Porosität von Backsteinen verbessert werden konnte. Damit avancierte der Backstein zum ersten in großer Menge serienmäßig hergestellten Baumaterial in der menschlichen Entwicklungsgeschichte.

Backsteine oder Ziegel weisen in der Regel ein längsrechteckiges Format auf, dessen Größe sich aus den jeweiligen technischen Gegebenheiten und aus traditionellen Verfahren in den Verbreitungsgebieten ergibt. Bekannt hier ist beispielsweise der Klosterformatziegel. Die Hersteller kennzeichneten oftmals ihre Backsteine mit Ziegelmarken, so entstanden auch die Feierabendziegel.

Die Farbe von Backsteinen hängt wesentlich von der chemischen Zusammensetzung des Rohmaterialsund von der Brenntemperatur im Brennofen ab. Ist die Temperatur beim Brand besonders hoch, so sintert der Backstein zu Klinker, oft bekommt er dabei eine glasartige dunkle Oberfläche. Verwendet man bei der Herstellung eines Mauerwerks unterschiedlich farbige Klinkersteine, kann man bei einiger Geschicklichkeit sehr dekorative Flächen gestalten.

Das gut formbare Rohmaterial ermöglicht relativ leicht die Anfertigung spezieller Formziegel, die nicht nur zur Herstellung von Wänden, sondern als Dacheindeckung verwendet werden. Zierliche Formen lassen sich infolge der Materialstruktur kaum oder am ehesten als aufgepresste Flachreliefs herstellen. Figuren auf Backsteinen sind daher eher selten anzutreffen. Farbig glasierte Backsteine können in hervorragender Weise zur Verzierung von Mauerwerk verwendet werden (vgl. Abb.).

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts werden Backsteine auch maschinell mit Strandpressen hergestellt, diese bezeichnet man auch als Maschinenziegel. Deren Oberfläche ist meist sehr glatt, so dass Mauerwerk, welches aus reinen Maschinenziegeln hergestellt wird, nicht den gleichen optischen Reiz ausübt wie Mauerwerk aus handgestrichenen Backsteinen.

Ziegelsteine können auch zusammen mit anderen Baumaterialien verwendet werden, z.B. gemeinsam mit Haustein (Hausteine sind natürliche oder künstlich mit Zementen hergestellte und durch Werkzeugen zugerichtete Steine) und im Fachwerkbau auch in Verbindung mit Holz. Besonders gebrannte Ziegel erlauben aufgrund ihrer hohen Festigkeit und ihrer regelmäßigen Formate die Herstellung von Mauerverbänden mit hoher Stabilität und Formbeständigkeit. Zur Verbindung der Backsteine wird Mörtel verwendet, der in den Lagerfugen (den horizontalen Fugen) und meist auch in den Stoßfugen gestrichen und gelegentlich auch verziert (als Fugenritzzeichnung) wird.

Bei Backstein- (Ziegel-) Rohbauten bleiben die Backsteine voll sichtbar oder werden höchstens mit einem dünnen Farb- oder Kalkanstrich versehen. Häufiger jedoch werden Backsteinbauten mit Putzmörtel überzogen (verputzt).

Backsteine gehören in Gebieten ohne ausreichende Natursteinvorkommen zu den wichtigsten Baumaterialien, sie sind aber darüber hinaus auch stark verbreitet, da Ziegel leicht hergestellt werden können und einfach Handzuhaben sind.

siehe auch:
- Adobe
- Backsteinmauerwerk
- Biberformen
- Biberschwanz
- Bipedaler Ziegel
- Brick
- Feierabendziegel
- Handstrich
- Imbrex
- Klinker
- Klosterformat
- Mauerwerk
- Mönch und Nonne
- Naturrot
- Poroton
- Reichsformatziegel
- Ringtunnelofen
- Spucke nicht auf den Bürgersteig-Ziegel
- Tegula
- Ziegel