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Ingenieur

»Ingenieure« sind Leute, die irgendetwas bauen und zum Laufen bringen, obwohl alle Welt behauptet: „Das geht nicht!“ Anschließend läuft´s trotzdem, und dann haben alle, die vorher das Gegenteil behauptet haben, das Nachsehen oder die dankbare Aufgabe, ihre Theorie den neuen Tatsachen anzupassen.

Das gesamte Umfeld eines jeden Bewohners dieses Planeten wird in zunehmendem Maße durch Technik bestimmt und nachhaltig beeinflusst, die der Mensch sich ausdenkt. In den hochindustrialisierten Staaten dieser Erde läuft ohne diese Technik rein gar nichts mehr, wie die totalen Stromausfälle im Osten der USA und Kanadas im September 2003 mit insgesamt ca. 50 Mio. betroffenen Einwohnern, im gleichen Monat in Schweden und Dänemark mit ca. 3 Mio. betroffenen Bürgern und nochmals im gleichen Monat (am 28.09.2003) in Italien mit ca. 56 Mio. betroffenen Menschen deutlich gezeigt hat, als alle diese Leute ohne Energieversorgung „auf dem Trockenen saßen“. Diese Technik wird durch Ingenieure aus allen Fachgebieten entwickelt und umgesetzt, die breite Masse der Bevölkerung sieht die Segnungen dieser Technik als selbstverständlich an. Allen voran sind es die Bauingenieure, die mit den Gebäuden zum Wohnen, zum Arbeiten und den Brückenbauwerken usw. es überhaupt erst ermöglichen, diese Technik auch zu nutzen. Ingenieure drängen sich im Gegensatz zu Politikern nicht in den Vordergrund, sie sind in der Regel weniger Redegewandt und erledigen ihre Arbeit ohne großes „Trara“, aber zumeist mit Freude an ihrer Arbeit und mit hohem Können.

Umso unverständlicher ist es, dass in den letzten Jahren eine deutlich sichtbare Technikfeindlichkeit zu beobachten ist, die von gewissen Bevölkerungsgruppen auch noch geschürt und für deren Zwecke genutzt wird. Zum einen sind gewisse Forderungen aus diesen Gruppen zwar nicht ganz unberechtigt, zum anderen muss jedoch auch gesehen werden, dass eine solch große Bevölkerungszahl wie derzeit auf der Erde (geschätzt mit über 6 Mrd. Menschen, Stand: 2003) nicht mehr mit Ackerbau und Viehzucht nach Methoden von vor 200 Jahren versorgt werden kann. Insbesondere ist es für uns erstaunlich, dass gerade der Bauingenieur im Bewusstsein breiter Bevölkerungskreise nicht wahrgenommen wird. Wenn eine große und schöne Brücke neu eröffnet wird, berichtet die Presse zwar über ein solches Projekt, der Planer und Erbauer eines solchen Ingenieurbauwerks wird aber als Architekt bezeichnet, obwohl praktisch alle Brücken weltweit ausschließlich von Bauingenieuren entworfen, berechnet und gebaut werden, nur in ganz seltenen Fällen wird einmal ein Architekt zu einem Entwurf als Berater hinzugezogen. Für fast alle anderen Bauwerke der öffentlichen Infrastruktur trifft dies ebenfalls zu, z.B. den Straßenbau oder den gesamten Abwasserbereich. Auch ein Bauingenieur ist in der Lage, einen Entwurf und eine Planung für ein Gebäude zu machen, vielleicht fehlt es in diesen Bereichen zugegebenermaßen hier und da an einer gewissen künstlerischen Note. Das technische Produkt ist jedoch grundsätzlich wieder eine reine Ingenieurtätigkeit, da kein noch so schönes oder großes Gebäude ohne Zutun eines Bauingenieurs errichtet werden kann. In der modernen Hochschulausbildung lernen die angehenden Architekten fast nichts mehr über Statik, dieses Feld überlassen sie lieber den Bauingenieuren.

Zur geschichtlichen Entwicklung des Ingenieurs haben wir folgenden Beitrag für Sie gefunden (Quelle: Statikus, Heft 9, April 2003, Schöck - Informationen für den Planer):

Ingenieur - das bedeutet heutzutage zumindest in den Augen der meisten Menschen: ein solider und anerkannter Beruf in unterschiedlichen Fachbereichen. Ist das immer so gewesen? Die Antwort gibt uns einen Blick zurück.

Der Name Ingenieur taucht bei uns bereits im 16. Jahrhundert auf, in Italien und Spanien Ingeniero genannt, später fast überall vom französischen Ingénieur abgelöst. Kundige Etymologen sehen den Ursprung des Wortes im altrömischen Ingenium, was für natürliche Begabung, Scharfsinn und Erfindergeist steht. Begriffe wie Genus (Art, Gattung) und Genie (begabter, schöpferischer Mensch) schwingen da mit. Für Franzosen heißt Ingenieur heute noch im täglichen Sprachgebrauch: nachsinnen, sich bemühen, versuchen. Und ingénieux ist jedermann, der als geistreich und erfinderisch gilt.

Diese Spezies technisch Begabter stand zunächst voll im Dienst des Militärs. So genannte Pionier-Truppen wirken bereits unter den römischen Legionen, fabri aerarii oder Sappeure genannt. Einige der von ihnen damals errichteten Brücken oder Aquädukte stehen nach 2000 Jahren immer noch - festgefügt und funktionsfähig. In Deutschland wurde 1603 unter dem Habsburger Rudolf II. (1576-1612) das erste Ingenieur-Korps gebildet und der Heeres-Führung beratend zugeteilt. Schweden-König Gustav Adolf (1594-1632) und Preußen-Herrscher Friedrich Wilhelm I. (1713-1740) förderten diese Techno-Frühreifen, auch Geniekorps genannt, besonders wirkungsvoll. Und mit kriegerischen Erfolgen.

Offiziere haben also den Ingenieursweg gebahnt. Als der Karlsruher Johann Gottfried Tulla 1817 die Regulierung des Oberrheins beginnt, trägt er die Uniform eines Oberst. Und in Frankreich machen sich einen bedeutsamen Namen Sébastien Vauban (1633-1707) als Festungsbaumeister (Straßburg, Metz), dann General, sowie André Maginot (1877-1932) als Schöpfer des Befestigungsgürtels gegen Deutschland, der so genannten Maginot-Linie. Er bringt es sogar zum Minister.

Bis zum 19. Jahrhundert versteht man unter Ingenieur ausschließlich den Kriegsbaumeister und - auch schon mal weniger martialisch ausgedrückt - den Heereszeugwart. Er steht im Staatsdienst, kümmert sich zunächst um die Artillerie. Später kommen Belagerungswesen, Festungsbau, das gesamte Waffen-Potential, Straßen, Brücken und Transport hinzu. Die Kriegs-Organisation hängt ihm an. Ein früher fachkenntnisreicher Manager also!

Die Ausbildung dieser damals ungewöhnlichen Berufsgruppe liegt fest in den Händen der Landesherren. Ingenieur-Schulen kennt man bereits seit 1716, zuerst in Brüssel und Wien, dann in Dresden (1742) und Berlin-Charlottenburg (1793). Die von Tulla 1807 gegründete TH Karlsruhe spielt schon sehr früh eine bedeutende Rolle - heute immer noch, als Universität.

Neben dieser Beamtenkaste sprießt im 19. Jahrhundert in der gewaltig emporschießenden Industrie mit vielfältigen Fabriken und Werken ein neuer Ingenieurs-Typ inklusive einem bunt gefächerten Arbeitsfeld hervor: Hochbau, Tiefbau, Eisenbahn, Tunnel, Brücken, Wasserbau, Kanäle, Luftschifffahrt, Telegraphie, Dampf, Gas, Elektrik, Maschinen, Pumpen, Gebläse, Kälte, Messgeräte, Hydraulik - alles seinerzeit so irritierend wie fantastisch.

Diese Entwicklung führt zu dem so genannten in Betrieben angestellten oder freischaffenden Zivil-Ingenieur. Er hat ebenfalls eine technische Hochschule durchlaufen, muss sich aber damals durch keine staatliche Prüfung quälen. Wer jedoch den Diplom-Titel erringt, besitzt eine Trumpfkarte in der Hand. Allerdings haben hier auch einige Scharlatane ihre Chance gewittert. Als Antwort darauf bildet sich, einem Schutzschild gleich, schon 1856 der „Verein deutscher Ingenieure“ mit Sitz in Berlin. 1900 hatte er in ganz Deutschland in 45 Untergruppen an die 20.000 Mitglieder. Damit gelang es, das Ansehen des Standes der Ingenieure zu heben und die Bedeutung bei den Behörden zu vertiefen. Nach nun etwa 150 Jahren können sich die Berufszusammenschlüsse - vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI), Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE), Deutscher Verband technisch- wissenschaftlicher Ingenieure, Bundesvereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik (VPI) bis hin zu dem Verein und Zentralverband der Ingenieurvereine (ZBI) - durchaus sehen lassen.

Übrigens: Den Civil Engineer gibt es heute noch in Amerika. Nur: Das kann auch ein Lok-Führer sein!

siehe auch:
- Architekt
- Bauingenieur
- Bauleiter
- Baumeister
- Leonardo da Vinci
- Oberbauleiter
- Prüfingenieur für Baustatik
- QS
- Zuse, Konrad