Der (aber auch [das]) »Barock« (französisch »baroque«, italienisch »barucco« = »unregelmäßig geformte Perle«; daher übertragen: »verschroben«, »exzentrisch«) stellt die europäische Kulturepoche zwischen etwa 1600 und 1750 dar. Der Barock folgte der Renaissance und dem Manierismus und geht aus diesen Stilen hervor. Dem Barock folgen dann Rokoko und Klassizismus. Zeitlich gliedert sich das Barock in Früh-, Hoch- und Spätbarock. Das Wort Barock wurde erstmals 1750 als architektonischer Stilbegriff verwendet, jedoch abwertend im Sinn von »bizarr«; als positiver Begriff taucht es zum ersten Mal 1888 in Heinrich Wölfflins (1864-1945) Kunstgeschichte auf. Im weiteren Sinne beschreibt man als Barock jede Spätphase einer Kulturentwicklung.
Die Kunst des Barocks fand ihren stärksten Ausdruck in der Architektur. Barocke Bauwerke haben sowohl im Grundriss als auch in den Ansichten überwiegend geschwungene Formen. Hauptaufgaben waren das vom Repräsentationswillen der weltlichen und geistlichen Fürsten bestimmte, von Parks umgebende Fürstenschloss, die durchgeplante, auf das Schloss ausgerichtete Stadtanlage und der als künstlerische Einheit gestaltete Kirchenbau. Die Barockkunst strebte nach dynamischer Wirkung durch Reichtum des plastischen und malerischen Schmucks, durch kühne, leidenschaftliche Bewegtheit. Bezeichnend sind ferner das Sicheinfügen der Einzelelemente in das gesamte Kunstwerk, bewegte, oft aus flachen Kurven zusammengesetzte Grundrisse, unterbrochene Giebel, schraubenförmig gedrehte oder zu Gruppen zusammengefasste Säulen und Durchbrechung der architektonischen Struktur mit Mitteln der Malerei. Insbesondere der Innenausstattung der Gebäude kommt eine große Bedeutung in Form von geschwungenen Linien mit einer Vielzahl von Formen und Farben zu, dem Spiel des Lichts wird große Aufmerksamkeit geschenkt. Fenster sind nicht mehr rechteckig, sondern vielförmig gestaltet, deren Gewände sind reich verziert, profiliert und abgesetzt.
Ausgehend von Werken der großen Meister der Spätrenaissance, entstand der Barockstil in Rom. Eines der bedeutendesten Bauwerke des Barocks ist das Königsschloss in Versailes. In Deutschland sind als Baumeister des Barocks besonders die Brüder Asam zu nennen, die überwiegend in Süddeutschland wirkten. Der Dresdner Zwinger sowie die Frauenkirche stellen barocke Gebäude dar.
Charakteristisch für die Barockarchitektur ist, dass sich ihre Beispiele von Land zu Land, trotz gemeinsamer Grundtendenzen, unterscheiden. In Spanien z.B. wurde der Begriff »Barock« ursprünglich für unregelmäßig geformte Perlen angewandt, während in Italien damit überladene Phrasen ohne Gehalt bezeichnet wurden. Schließlich verstand man in fast allen europäischen Sprachen unter Barock ein Synonym für extravagant, ungewöhnlich, gekünstelt und absurd. In diesem Sinne verwendeten die Kritiker des späten 18. Jahrhunderts diesen Begriff, um damit den Stil der vorhergehenden Epoche zu verurteilen, da sie ein anderes Kunstideal verfolgten.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab der Schweizer Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin der Stilbezeichnung Barock wieder eine objektive Bedeutung. Er und seine Nachfolger definierten solche Kunstwerke des 17. und des frühen 18. Jahrhunderts als barock, in denen sich bestimmte gemeinsame Stilmerkmale erkennen lassen. Dazu gehören: die Bewegung - sie kann z.B. durch eine gekrümmte Wand zum Ausdruck kommen oder durch einen Brunnen, dessen Fontäne stets neue Formen erzeugt, oder sie kann auch vorgetäuscht sein durch Figuren, die in lebhafter Bewegung erscheinen. Der Drang ins Unendliche ist ebenso typisch. Straßen und Wege erstrecken sich bis zum Horizont, Deckengemälde öffnen einen scheinbar unendlichen Himmel, Spiegelungen verwischen Sein und Schein. Die Gegensätze von Licht und Schatten werden wirkungsvoll eingesetzt. Der Sinn für bühnenhafte Wirkungen, für das Grandiose, für Theatereffekte ergreift alle Künste, sodass sich deren Grenzen verwischen und Architektur, Skulptur, Malerei sich im Dienste des Gesamtkunstwerks vereinen.
siehe auch:
- Gotik
- Illusionsmalerei
- Kaffgesims
- Klassizismus
- Kreuzrippengewölbe
- Profanarchitektur
- Renaissance
- Residenz
- Romanik