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Abbruch

Erreicht ein Gebäude oder Bauwerk die geplante Nutzungsdauer oder wird aufgrund geänderter Anforderungen ein Gebäude oder Bauwerk in der ursprünglichen Form nicht mehr benötigt, wird dieses in der Regel vollständig abgebrochen, damit die dadurch freiwerdende Grundstücksfläche einer neuen Nutzung zugeführt werden kann. Der Abbruch eines Gebäudes liegt am Ende des Lebenszyklus eines Gebäudes oder Bauwerks (wobei dieses Ende auch durch ein Naturereignis wie Erdbeben oder Hochwasser erreicht werden kann) und impliziert somit die vollständige Beseitigung des Gebäudes oder Bauwerks. Da der Begriff Abbruch in der Öffentlichkeit durchaus negative Assoziationen wecken kann, wird dieser Vorgang in der Fachwelt oftmals beschönigend auch als Rückbau umschrieben, gemeint ist jedoch grundsätzlich der gleiche Vorgang.

 

Je nach Konstruktionsart des Gebäudes oder Bauwerks kommen unterschiedliche Abbruchtechniken zum Einsatz. Eine große Autobahn-Talbrücke oder ein Kühlturm eines Kraftwerks erfordern naturgemäß jeweils eine deutlich andere Abbruchtechnik als bei einem normalen Wohnhaus. Zu den bekannten Abbruchtechniken zählt heute der hydraulische Abbruchbagger, der, mit einem weit reichenden Ausleger versehen, auch mehrgeschossige Gebäude aus Stahlbeton nahezu mühelos zerkleinern kann, da selbst hoch bewehrte Stahlbetonbauteile mit dem hydraulisch betriebenen Kneifwerkzeug zerteilt werden können. Bei kleineren Gebäuden in leichterer Bauart genügt oftmals der Einsatz eines Baggers oder einer Planierraupe, um dieses abzubrechen.

 

Heute kaum noch üblich ist der manuelle Abbruch von Bauwerken oder Gebäuden, da dies unter Kostengesichtspunkten absolut unwirtschaftlich ist. Lediglich in besonders gelagerten Fällen, in denen keine schwere Abbruchtechnik zum Einsatz kommen kann (beispielsweise im Inneren von schlecht zugänglichen Gebäudeteilen), wird ein händischer Abbruch, dann auch in Verbindung mit leichterer Abbruchtechnik wie z. B. einem Bohrmeißel, noch anzutreffen sein.

 

Bei großen und/oder schweren, massiven Konstruktionen kommen auch Sprengtechniken zum Einsatz. Diese besondere Abbruchtechnik erfordert ausreichend lange und technisch anspruchsvolle Vorarbeiten, zudem ist der Sprengmeister hochspezialisiert und trägt die Verantwortung für das Gelingen der Sprengung. Die Sprengung selbst ist der wesentliche Bestandteil des Abbruchs, danach werden die durch die Sprengung erzeugten Trümmer mit meist schwerem Gerät weiter zerkleinert und abtransportiert.

 

Das Abbruchmaterial wurde früher meist in Inertstoffdeponien gelagert und somit dem Wirtschaftskreislauf vollständig entzogen. Dies ist im Zuge des Nachhaltigkeitsgedankens nur noch auf Ausnahmefälle beschränkt, werden doch die allermeisten (unbelasteten) Abbruchmaterialien heute zerkleinert und anschließend in meist großtechnischen Anlagen voneinander sortenrein getrennt und anschließend einer sinnvollen Wiederverwendung zugeführt. Reine Stahlkonstruktionen oder auch die aussortierte Altbewehrung beispielsweise können im Schmelzofen zu neuem Stahl hergestellt werden, Betonüberreste sind als Recyclingmaterial u. a. im Straßenbau einsetzbar.

 

Der Abbruch ist demnach eine besondere Demontage- und Abbruchtechnik, die darauf ausgerichtet ist, die anfallenden Baustoffabfälle bereits auf der Baustelle entsorgungsgerecht zu trennen und, wenn möglich, einer geordneten Verwertung oder Wiederverwendung (als Recyclingmaterial) zuzuführen.

 

In bauordnungsrechtlicher Hinsicht geht einem Abbruch eine Abbruchgenehmigung voraus, die bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde beantragt werden muss. Eine Abbruchgenehmigung wird üblicherweise versagt, wenn das Gebäude oder Bauwerk unter Denkmalschutz steht oder dieses sich im Geltungsbereich einer Erhaltungssatzung befindet. Weiterhin ist zu beachten, dass die meisten Gebäude bzw. Bauwerke nur durch spezialisierte Fachfirmen abgebrochen werden dürfen, da beim Abbruch immer wieder gewisse Gefährdungspotenziale auftreten, die der Laie nicht oder nur selten folgerichtig einschätzen kann. Bei größeren oder komplizierteren Objekten wird es zudem oftmals erforderlich sein, ein Abbruchkonzept mit begleitender Abbruchstatik zu erstellen und den Abbruch selbst durch einen qualifizierten Bauingenieur überwachen zu lassen.

 

Im bauordnungsrechtlichen Sinne erlischt mit dem Abbruch eines Objekts der Bestandsschutz, auch wenn das abgebrochene Objekt zuvor bauordnungsrechtlich zulässig und genehmigt und somit legal war. Sofern im Anschluss an einen Abbruch eine Neubebauung der freigewordenen Grundstücksfläche vorgesehen ist, muss dieser Neubau im bauordnungsrechtlichen Sinne zulässig sein und auf der Grundlage der aktuell gültigen Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes genehmigt werden bzw. im Freistellungsverfahren angezeigt werden.

 

Für den Abbruch eines Bauwerks empfiehlt sich folgendes Vorgehen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit, zumal objektspezifische Besonderheiten hier nicht berücksichtigt werden können):

 

·   Ausbau und Entleerung aller Anlagen, Geräte, Maschinen. Die Aggregate (z. B. Maschinensätze von Aufzügen) usw. gehören ins Altmetallrecycling, die Sonderabfälle beinhalten oder mit solchen verunreinigt sind. Fachgerechte Entsorgung der dabei anfallenden Sonderabfälle in speziellen Deponien, möglicherweise als Sondermüll.

·      Betonbauten aus den Jahren 1955-75: Bei Vorhandensein von Dehnungsfugen müssen die Fugendichtungsmassen auf PCB (polychlorierte Biphenyle) untersucht werden. Bei einem Gehalt von mehr als 50 ppm (mg/kg) PCB müssen die Fugenmassen vor oder während des Rückbaus separat erfasst und in einer Sondermüllverbrennungsanlage entsorgt werden. Da sich die Fugenmassen meist nicht vollständig vom Beton entfernen lassen, sind die Betonplatten anschließend in einer Inertstoffdeponie zu entsorgen.

·     Ausbau asbesthaltiger Materialien (dies ist in der Regel nur mit hohem personellem Aufwand in Handarbeit möglich und damit sehr teuer, Entsorgung als Sondermüll).

·       Entfernung von Isolationsmaterialien (Styropor, Kork, Steinwolle usw.).

·       Erfassung der übrigen verwertbaren Abfallfraktionen (Holz, Metalle, Kunststoffe, Kabel usw.).

·       Großflächiger Abbruch der Gebäude.

·       Im Anschluss an den Abbruch Neubebauung oder landschaftsarchitektonische Neugestaltung des freigewordenen Geländes.

 

siehe auch:

·       Abbruchanordnung

·       Abrissversagung

·       Denkmalschutz

·       Deponie

·       Entsorgung

·       Inertstoffdeponie

·       Rückbau

·       Sickerwasseraufbereitung

·       Übermaßverbot