Als »Estrich« (althochdeutsch »esterih«; griechisch »óstrakon« = »Scherbe«, »irdenes Täfelchen«; lateinisch »astracum« und mittellateinisch »astricus« = »Pflaster«) bezeichnet man in Deutschland die wenige Zentimeter dicke und fugenlose Schicht des Fußbodenaufbaus, die auf einem tragenden Untergrund (Geschossdecke, Sohle) hergestellt wird; sie kann von diesem auch durch eine Trenn- bzw. Dämmschicht getrennt sein. Die Oberfläche wird entweder unmittelbar genutzt oder mit einem Belag versehen, der auch in die frisch hergestellte Estrichschicht verlegt werden kann. Estriche haben im wahrsten Sinne des Wortes über Generationen höchste Verantwortung zu tragen. Da es sich eben nicht um einen jederzeit leicht austauschbaren Gebäudeteil handelt, gibt es hinsichtlich der verwendeten Rohstoffe und Zusätze absolut keine Kompromisse. Qualität ist durch nichts zu ersetzen.
Estriche sind unmittelbar als Boden nutzfähig, wie z.B. in Fabrikhallen, oder sie erhalten einen Bodenbelag, wie z.B. in Wohnhäusern. Je nach Anforderung und Einbau wird der Estrich nach dem verwendeten Bindemittel oder nach dem Konstruktionsaufbau unterschieden. Estriche werden weiterhin in verschiedene Festigkeits- oder Härteklassen eingeteilt.
Grundsätzlich werden folgende drei Estricharten unterschieden:
• »Verbundestrich« ist ein mit dem tragenden Untergrund verbundener Estrich. Dieser wird häufig beispielsweise im Bereich von Garagen, die in Ein- oder Zweifamilienhäusern im Gebäude integriert sind, ausgeführt. Der Estrich ist zwar hoch belastbar, jedoch wegen der fehlenden Wärmedämmung nur im ungeheizten Gebäudebereich zulässig.
• »Estrich auf Trennschicht« ist ein durch eine dünne Zwischenlage vom tragenden Untergrund getrennter Estrich. Ansonsten entspricht dieser Estrich dem Verbundestrich.
• Ein »Schwimmender Estrich« ist ein auf einer Dämmschichtunterlage beweglich hergestellter Estrich, der durch geeignete Maßnahmen, wie Trittschalldämmung und Randdämmsteifen, von allen angrenzenden Bauteilen entkoppelt ist. Ein schwimmender Estrich kann beheizt werden, er wird dann als Heizestrich bezeichnet. Als Dämmschichten werden Dämmstoffe aus mineralischen oder pflanzlichen Fasern sowie aus Schaumkunststoffen wie Polystyrol (PS) und Polyurethan (PUR) verwendet. Dabei wird je nach Anforderung unterschieden in Dämmstoffe für die Wärmedämmung und Dämmstoffe für die Trittschalldämmung.
Die Estricharten können sowohl ein- als auch mehrschichtig ausgebildet werden. Als einschichtig bezeichnet man den Estrich, der in einem Arbeitsgang in der erforderlichen Dicke hergestellt wird; hingegen ist ein Estrich mehrschichtig, wenn er in mehreren Schichten im Verbund hergestellt wird. Estriche können aus folgenden Materialien hergestellt werden:
• Anhydritbinder und Wasser unter möglicher Verwendung von Zuschlag und Zusätzen, bezeichnet als Anhydritestrich.
• Bitumen und Zuschlag unter möglicher Zugabe von Zusätzen - bezeichnet als Gussasphaltestrich.
• Kaustischer Magnesia, Zuschlag und eine wässerige Salzlösung (i.a. Magnesiumchlorid) unter möglicher Zugabe von Zusätzen (Farbstoffen) - bezeichnet als Magnesiaestrich.
• Zement, Zuschlag und Wasser unter möglicher Zugabe von Zusätzen bezeichnet als Zementestrich.
Industrie-Estrich ist ein Estrich für hohe Beanspruchungen (hochbeanspruchter Estrich), z.B. in Lager- und Fabrikationsgebäuden. Er kann in allen Konstruktionsarten als Verbundestrich, Estrich auf Trennschicht oder in Ausnahmefällen auch als schwimmender Estrich ausgeführt werden. Diese Estriche müssen vor allem gegen hohe mechanische Beanspruchungen, wie z.B. durch Flurförderfahrzeuge oder Arbeitsabläufe, widerstandsfähig sein. Industrie-Estriche werden in drei verschiedene Beanspruchungsgruppen (I, II + III) eingeteilt.
Estriche werden auch aus vorgefertigten, kraftübertragenden, miteinander verbundenen Platten hergestellt. Man nennt diese Art des Estrichs dann Fertigteilestrich. Industrieestriche sind hochbeanspruchbare Estriche und werden auf die Nutzungseigenschaften des jeweiligen Industriebetriebes eingestellt. Sie können z.B. einschichtig als zementgebundener Hartstoffestrich oder zweischichtig mit einer Übergangsschicht und einer anschließend nutzbaren Hartstoffschicht hergestellt werden.
Der tragende Untergrund muss sauber und eben sein sowie den Anforderungen der verschiedenen Estrich-Konstruktionen entsprechen. Die Ebenheit und die Einbauhöhe des Estrichs sind vor Beginn der Estrichverlegung über den Meterriss zu kontrollieren.
Da die Estriche in gleichmäßiger Schichtdicke eingebaut werden müssen, sind auch punktförmige Erhöhungen oder andere Unebenheiten, wie lose Bestandteile oder Mörtelreste, zu beseitigen. Eingebaute Rohrleitungen müssen auf dem Untergrund befestigt und über eine Ausgleichsschicht, z.B. als Ausgleichsestrich, abgeglichen oder überbrückt werden.
siehe auch:
- Anhydritestrich
- Estrich auf Trennschicht
- Estrichmörtel
- Fließestrich
- Gussasphaltestrich
- Heizestrich
- Industrieestrich
- Kelle
- Magnesiaestrich
- Trockenestrich
- Verbundestrich