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Fließestrich

»Fließestrich« ist ein Estrich, der sich durch leichten Einbau und die selbstnivellierende Oberfläche auszeichnet. Im Herstellwerk wird der Trockenmörtel aus Zuschlägen, Zusatzmitteln, Zusatzstoffen und Bindemitteln erzeugt und entweder als Sackware oder im Trockensilo auf die Baustelle geliefert. Dort wird dann über einen speziellen Estrichmischer der Trockenmörtel unter Zugabe einer exakt definierten Menge Frischwasser gemischt, bis die Durchmischung vollständig und die geforderte weiche Konsistenz erreicht ist. Der Frischmörtel wird dann mit einer elektrisch betriebenen Mischpumpe zur Einbaustelle befördert und dort im Raum mehr oder weniger gleichmäßig verteilt.

Der große Vorteil von Fließestrich ist, dass die körperliche Belastung bei der Herstellung und Verarbeitung relativ gering ist, wenn dieser aus einem Trockenmörtelsilo in den Mischer und von dort als fertiger Fließestrich an den Einbauort gepumpt wird. Der bei anderen mineralisch gebundenen Mörteln und Betonen üblicherweise erforderliche Verdichtungsaufwand entfällt beim Fließestrich, ebenso das Abziehen der frischen Oberfläche. Der Fließestrich hat eine weiche Konsistenz, er nivelliert sich nahezu vollständig selbst aus. Bei größeren Flächen muss lediglich mit einem Abziehbrett geringe Energie in den weichen Fließestrich eingetragen werden, um den Selbstausgleich zu begünstigen oder zu beschleunigen.

Der bereits seit Jahrzehnten bekannte und im Wohnhausbau erfolgreich eingesetzte und bewährte Calciumsulfat-Fließestrich (auch als Anhydritestrich bezeichnet) weist gegenüber dem Zementestrich sowohl bei der Herstellung und Verarbeitung als auch im eingebauten Zustand einige Vorteile auf, insbesondere wenn dieser bei Fußbodenheizungen eingesetzt wird. Anhydritestrich wird sowohl aus den natürlich vorkommenden Anhydriten als auch aus als Nebenprodukt bei der Rauchgasentschwefelung anfallenden synthetischen Anhydriten hergestellt. Bei der Rauchgasentschwefelung von mit Braun- oder Steinkohle betriebenen Kraftwerken fallen große Mengen REA-Gips an (REA = Abkürzung für Rauchgasentschwefelungsanlage). Es handelt sich um das feuchte, feinteilige und kristalline Calciumsulfat-Dihydrat (CaSO4 * 2 H2O) mit hoher Reinheit. REA-Gips ist mit dem Naturanhydrid vergleichbar, wobei REA-Gips in speziellen Anlagen zu einem abbindefähigen Produkt calciniert und anschließend auch in zahlreichen anderen Baustoffprodukten verwendet wird.

Anhydritestrich (Calciumsulfat-Fließestrich, Abkürzung »CSF«) kann bereits etwa 2 Tage nach dem Einbau begangen und nach etwa 5 Tagen belastet werden. Dennoch ist das Anmachwasser in dieser kurzen Zeit noch weitgehend im Anhydritestrich enthalten und benötigt auch noch einige Zeit, um zu entweichen. Eine der Hauptursachen für Schäden an Estrichen ist eine unzureichende Trocknung vor der Belegung mit harten Belägen (z. B. Fliesen). Zudem trocknen alle mineralisch gebundenen Estriche nur über die Oberfläche aus. Durch die ungleichmäßige Austrocknung kann es zur Rissbildung kommen.

Die unter normalen Bedingungen erforderliche Trocknungszeit von etwa vier Wochen muss beachtet werden, die Belegereife z. B. für Fliesenbeläge ist verantwortlich zu prüfen. Der Trocknungsprozess kann jedoch durch den gezielten Einsatz von Luftentfeuchtern beschleunigt werden, was besonders bei Räumen zweckmäßig ist, die keine Fenster und damit keine Lüftungsmöglichkeiten haben. Da der Innenputz meist ebenfalls noch viel Feuchtigkeit aufweist, kann es durchaus sinnvoll sein, Kondensationstrockner einzusetzen, die eine konstant trockene Luft mit ca. 35 % rel. Feuchte erzeugen und somit dafür sorgen, dass das überschüssige Wasser in den mineralischen Baustoffen an die vorgetrocknete Luft abgegeben und dann nach außen abgeleitet wird.

Besonders als Heizestriche bieten sich Fließestriche aufgrund der optimalen Heizrohrumschließung, der hohen Wärmeleitfähigkeit und der relativ geringen Schichtdicke an. Der Fließestrich nimmt die Wärme schnell von den Heizrohren an und gibt sie schnell an den Oberbelag bzw. an die Raumluft weiter. Hierdurch erhält man einen Heizestrich, der energiesparend ist und schnell auf Temperaturveränderungen reagieren kann. Darüber hinaus begünstigt das bei Calciumsulfat-Fließestrichen mögliche frühzeitige Aufheizen nach dem Einbau einen schnellen Bauablauf.

Voraussetzung für eine problemfreie Nutzung ist die fachgerechte Ausführung der beheizten Fußbodenkonstruktion sowie das fachgerechte Aufheizen des Estrichs zur Überprüfung der Konstruktion und zur kontrollierten Austrocknung. Wie bei allen anderen Estrichen auch sollte die Herstellung eines Fließestrichs dem ausgewiesenen Fachmann überlassen bleiben.

Die Anforderungen für Calciumsulfat-Binder sind in der europäischen Norm DIN EN 13454-1:2005-01 definiert. Der Normentitel lautet: „Calciumsulfat-Binder, Calciumsulfat-Compositbinder und Calciumsulfat-Werkmörtel für Estriche“, Teil 1: Begriffe und Anforderungen, Beuth-Verlag, Berlin

siehe auch:
- Anhydritestrich
- Estrich
- Estrichnachbehandlung
- Gussasphaltestrich
- Magnesiaestrich
- Schwimmender Estrich
- Trockenestrich
- Verbundestrich
- Zementestrich